Formel 1: Mercedes verteidigt Weltmeisterschaftstitel

Gesiegt. Gekrönt. Gewarnt.

Von Dominik Geißler
Sonntag, 09.10.2016 | 18:17 Uhr
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Mit dem Doppelpodium beim Großen Preis von Japan hat Mercedes zum dritten Mal in Folge den Konstrukteurstitel in der Formel 1 gewonnen. Der Triumph hat klare Gründe, doch das Team von Nico Rosberg und Lewis Hamilton blickt schon wieder nach vorne. Dank der weitreichenden Regeländerungen 2017 hofft die Konkurrenz nämlich auf eine Wachablösung. Mit Recht?

Genau sieben Tage ist es her, da herrschte bei Mercedes Katerstimmung - und das, obwohl oder gerade weil die geplante Meistersause ausfiel. Nico Rosberg fuhr beim Großen Preis von Malaysia nach einem turbulenten Rennen nur auf Platz drei, Lewis Hamilton schied 15 Runden vor Schluss in Führung liegend mit Motorschaden aus.

Die folgende Posse um Hamiltons Verschwörungstheorien gegen das eigene Team machte den fast-schwarzen Tag für die Silberpfeile schließlich perfekt. Statt mit dem WM-Titel im Gepäck ging es mit schlechter Laune Richtung Suzuka.

Doch nun, nur ein Rennen später, glänzt der Mercedes-Stern wieder hell am Formel-1-Himmel. "Es fühlt sich toll an. Nach dem Drama in Malaysia ist das wirklich etwas ganz Besonderes gerade", jubelte Motorsportchef Toto Wolff nach Rosbergs neuntem Saisonsieg und Hamiltons drittem Platz.

"Wir geben blöde Interviews"

Der Grund für die Begeisterung? Gerade hatte sich Mercedes mit 593 Punkten vorzeitig zum Weltmeister gekürt - und den Konstrukteurstitel damit zum zweiten Mal in Folge verteidigt.

"Ich habe ihnen allen gratuliert", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Niki Lauda in Richtung seiner Mitarbeiter: "Das sind die Menschen, die die Titel gewinnen. Wir stehen nur oben und geben blöde Interviews, aber sie machen die richtige Arbeit."

Seit Beginn der Turbo-Ära 2014 dominiert Mercedes das Geschehen. Und das auf fast schon unheimliche Art und Weise: In 55 Rennen fuhren Hamilton und Rosberg 47 Siege ein. Das macht eine Erfolgsquote von 85 Prozent. Hinzu kommen 53 Pole Positions.

Konstanz heißt das Zauberwort

Wer zu Beginn des Jahres gehofft hatte, Ferrari oder Red Bull könnten den Branchenprimus im Titelkampf ernsthaft herausfordern, wurde schnell enttäuscht. Während das Verfolgerduo Höhen und Tiefen erlebte, traten die Silberpfeile konstant auf.

Ferrari kristallisierte sich zu Saisonbeginn als erster Jäger heraus, verlor im Laufe des Jahres aber etwas den Anschluss. Red Bull musste sich nach dem Motorenstreit mit Renault 2015 erst einmal neu aufstellen, ging also mit einem Handicap in die aktuelle Saison. Vorteil Mercedes.

Zudem verfügt der F1 W07 Hybrid über kaum eine Schwachstelle. Dank des besten Motors im Feld und seines hervorragenden Chassis funktioniert der Bolide von Rosberg und Hamilton auf allen Strecken. Einzige Makel: die Defektanfälligkeit der Antriebseinheit, die Hamilton im WM-Kampf immer wieder zurückwarf und die sensible Kupplung, die schon den ein oder anderen Mercedes-Start versaut hat.

Red Bull lauert

So sicher Mercedes' WM-Titel in diesem Jahr auch war, die Abstände zur Konkurrenz sind kleiner geworden - Red Bulls jüngste zweite Plätze in Japan und Singapur belegen das beispielhaft.

"Die diesjährige Saison war nicht so dominant wie die vergangene", weiß auch Wolff: "Es ist Tatsache, dass sich die Abstände verringern, wenn das Reglement stabil bleibt. Das haben wir immer gesagt, dass man die Regeln beibehalten soll."

Dieser (böse Zungen würden sagen: politisch bedingte) Wunsch wurde nicht erhört. 2017 warten auf die Königsklasse große Veränderungen. Die Autos werden breiter, die Reifen bieten mehr Auflagefläche, die Rundenzeiten sollen um mehrere Sekunden fallen.

Immer dann, wenn die Regel-Einschnitte besonders groß waren, gab es auch Verschiebungen im Kräfteverhältnis. So nutzten Brawn GP und Red Bull die Aerodynamikänderungen 2009, um Ferrari und McLaren abzulösen. Mercedes tat es den Österreichern dank des damals neuen Motorenreglemensts 2014 gleich. Wenig verwunderlich also, dass die Konkurrenz nun wieder Morgenluft wittert.

2017? "Wir sind skeptisch"

"Wir waren bei Reglementwechseln immer stark, wenn die sich nicht nur um den Motor drehten", droht Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko: "2017 sollten wir bis auf rund 15 PS an Mercedes dran sein. Diese 15 PS können wir vom Chassis her kompensieren. Also ist Mercedes für die nächste Saison unser Ziel."

Dass die Bullen schon mit den Hufen scharren, weiß man natürlich auch beim Wiederholungschampion. "Uns muss bewusst sein, dass uns eine neue Herausforderung bevorsteht. Wir sind skeptisch, was die Saison 2017 angeht. Niemand kann heute sagen, wie sich der Wechsel im Reglement auf die Konkurrenzfähigkeit auswirken wird", warnt Wolff seine Mannschaft.

Auch Konstruktionsleiter Aldo Costa glaubt, dass es für Mercedes im kommenden Jahr aufgrund der "gewaltigen Regeländerungen schwierig" werde, hat aber dennoch ein klares Ziel: "Wir wollen unbedingt das Team sein, das diesen Turnus durchbricht - dass es bei neuen Regeln auch immer eine Wachablösung gibt."

Die Antwort gibt's in Melbourne

Ob das dem deutsch-englischen Team gelingt? Da sind sich einige im Formel-1-Lager sicher. "Ich kann diese Träumereien nicht mehr hören. Die Wahrheit muss mal gesagt werden. Es wird sich auch bis 2020 nichts ändern", machte Toro Rossis Teamchef Franz Tost den neutralen Fans bei Autobild Motorsport wenig Hoffnung.

Schließlich wird Mercedes auch im kommenden Jahr den besten Motor haben. Dass sie darüber hinaus in der Aerodynamik-Abteilung fähige Leute haben, ist ebenfalls keine neue Erkenntnis. Das nötige Kleingeld für schnelle Entwicklungsarbeit hat das Werksteam sowieso.

Was am Ende aber auch klar ist: Die berühmte Glaskugel ist zum jetzigen Zeitpunkt noch sehr trüb, Zukunftsprognosen sind nicht möglich. Niemand kann wirklich sagen, wer die Nase in einem halben Jahr vorne haben wird, wenn in Melbourne die Ampeln auf Grün schalten. Gewiss ist nur, dass Mercedes gewarnt ist - und alles daran setzen wird, sich 2017 zum vierten Mal in Folge zum Weltmeister krönen zu dürfen.

Formel 1: Kalender und WM-Stand 2016 im Überblick

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