Belgien-GP der Formel 1: Max Verstappen im Kreuzfeuer

Lauda: "Verstappen gehört in die Psychiatrie"

Von Alexander Maack
Sonntag, 28.08.2016 | 18:26 Uhr
Max Verstappen lieferte sich in Spa einen harten Fight mit Kimi Räikkönen
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Nach dem Großen Preis von Belgien der Formel 1 hat sich die Beziehung zwischen Red Bull und Ferrari merklich erhitzt. Besonders Kimi Räikkönen und Max Verstappen sind sich spinnefeind und beschuldigen die Gegenseite, sich lächerlich zu verhalten.

Räikkönen hatte schon während des Rennens in Spa-Francorchamps über Funk beklagt, es sei Verstappens einziges Interesse, seinen Gegner im Ferrari von der Strecke zu schieben. Seine Fahrweise sei "fucking ridiculous", erklärte der Finne anschließend, nachdem der Niederländer auf der langen Kemmel-Geraden kurz gezuckt hatte.

"Ich bin voll dabei, wenn es um faire Kämpfe und enges Racing geht. Aber wenn ich auf der Geraden Abstand halten muss, wenn ich mein Manöver durchziehe, ist das nicht korrekt", sagte der Iceman nach dem Rennen: "Ich musste bei Höchstgeschwindigkeit bremsen. Das hatte ich bei keinem anderen Fahrer zuvor."

Red-Bull-Teamchef Christian Horner verteidigte seinen Schützling. "Es war nicht in der Bremszone. Der Move war an der Grenze, aber ich denke, er war okay. Wenn es ein Problem gewesen wäre, hätten die Stewards was gesagt", sagte Horner. Allerdings deutete auch er an, Verstappen könne sich klüger verhalten: "Er ist ein junger Mann, er lernt noch."

Verstappen weist Kritik von sich

Verstappen konnte die Kritik dagegen überhaupt nicht nachvollziehen und wandte sich direkt an Räikkönen. "Es ist mir egal. Er hat schon vorher in der ersten Kurve mein Rennen beendet", sagte der Teenager: "Ich hatte etwas Wut im Bauch. Ich war am Limit, aber es war kein Problem. Es war nicht gefährlich. Es ist doch nichts passiert."

Ob er seine Fahrweise ändern müsse? "Um ehrlich zu sein: Das ist eine große Lüge", erklärte Verstappen zum Vorfall in Les Combes, als Räikkönen ihn überholen wollte und schließlich nach einer kleinen Berührung in die Auslaufzone fuhr.

"Ich verteidige einfach meine Position. Wenn jemand das nicht mag, ist das sein Problem", sagte Verstappen und erklärte, seine Fahrweise sei aus der Startkarambolage mit beiden Ferrari resultiert: "Nachdem sie sowas in Turn 1 veranstaltet haben, werde ich anschließend meine Position bestimmt nicht so einfach herschenken."

Beim Start hatten beide Ferrari Verstappen ausbeschleunigt. Der Niederländer war daraufhin auf die Innenbahn gewechselt, um den Platzverlust wieder auszugleichen. Das Vorhaben schien aufzugehen, nur machte Sebastian Vettel ihm einen Strich durch die Rechnung: Der Deutsche zog von der Außenbahn hart nach innen und knallte in Räikkönen. Der Finne wurde dadurch gegen Verstappens Frontflügel gedrückt. Der Red-Bull-Pilot musste wie beide Ferrari-Piloten an die Box.

Verstappen gab die Hauptschuld für den kostspieligen Unfall Vettel. "Sie haben mich einfach eingequetscht. Ich war innen, Kimi hat nach innen gedrückt und dann hat Sebastian einfach in uns reingelenkt", so der Niederländer: "Er wusste, dass er außen ist und lenkt einfach in die Kurve, wo zwei andere Autos sind. Mein Frontflügel war weg, ich hatte starke Schäden, mein Unterboden war zerstört. Danach war das Rennen verloren."

Selbst Mercedes mischt sich ein

Seine Fahrweise beschäftigte anschließend einmal mehr das gesamte Paddock. "Der fährt brutal", sagte Mercedes' Motorsportdirektor Toto Wolff: "Bisher ist er nicht bestraft worden. Er verschafft sich halt einen Eindruck, aber irgendwann endet es in der Wand. Wir sind nicht weit davon entfernt."

Der Einschätzung pflichtete Vettel bei: "Es war ziemlich an der Grenze mit Max. Wenn man bei 340 km/h am Ende der Geraden anfängt auf der Bremse rumzuzacken, dann ist es nicht unbedingt schön, wenn man dahinter ist. Das geht nur so lange gut, wie der andere mitspielt. Alle wissen, dass er da sehr aggressiv ist. Es ist schon darauf angesprochen worden, aber wir müssen das vielleicht nochmal machen." Schon nach dem Ungarn-GP hatten die Fahrer ihren jungen Kollegen auf sein Verhalten beim Bremsen angesprochen.

Die deutlichsten Worte fand in Spa-Francorchamps wieder einmal Mercedes' Aufsichtsratsvorsitzender des Rennteams, Niki Lauda. "Der gehört in die Psychiatrie. Man muss es einmal sagen. Wenn er jetzt wieder sagt, der Kimi ist schuld: Der kann überhaupt nichts dafür", echauffierte sich der Österreicher: "Er hat überhaupt keine Einsicht, dass er da etwas falsch gemacht hat. Er ist zu aggressiv gegen die anderen und dumm weil er nicht nach vorn kommt. Das kann nicht sein, dass er kein Hirn mehr hat, weil so viele Holländer hier sind. Hirn muss ein Rennfahrer immer haben."

Lauda: "... dann wird er blöd schauen"

Lauda befürchtet, dass die Fahrweise Verstappens Konsequenzen haben könnte. Er werde mit dessen Vater Jos reden, damit sich der Red-Bull-Pilot künftig zurückhalte. "Sonst werden ihm die anderen Fahrer irgendwann mal was pfeifen und das Gleiche mit ihm machen. Dann wird er blöd schauen, denn dann geht's richtig los", orakelte der dreifache Weltmeister.

"Kimi hat geschimpft wie ein Rohrspatz. Vollkommen zu Recht. Ein junger Mann, der ein Jahrhunderttalent ist, muss seinen Kopf einschalten und darf andere nicht gefährden", so Lauda zum Spurwechsel. Doch schon der Start des Niederländers störte ihn: "Der gehört zurück in die Schule. So kann man nicht Formel 1 fahren. Vettel hat auch Schuld, aber er schiebt die Ferraris auch zusammen. Da kann man nicht hinein fahren."

Verstappen waren die Beschädigungen an seinem Auto im Laufe des Rennens anzumerken. Seine Aufholfahrt endete auf Platz 11, von Startplatz 2 aus verpasste er die Punkte.

Formel 1: Kalender und WM-Stand 2016 im Überblick

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