Samstag, 11.04.2015

China-GP: Warmup zum Rennen

Siegt Ferrari mit dem nächsten Trick?

Die Hackordnung scheint wieder hergestellt: Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton und sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg starten gemeinsam aus der ersten Reihe in den Großen Preis von China (So., 8 Uhr im LIVE-TICKER). Zufriedenheit kehrte nach dem Qualifying in Shanghai bei den Silberpfeilen ein, doch sie sind gewarnt: Sebastian Vettel könnte schon wieder zum Spielverderber aufsteigen.

Volle Konzentration für Sieg Nummer zwei: Sebastian Vettel könnte auch in China überraschen
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Volle Konzentration für Sieg Nummer zwei: Sebastian Vettel könnte auch in China überraschen

"Die Köpfe rauchen immer noch", sagte Motorsportchef Toto Wolff direkt nach dem Qualifying bei Sky: "Von Dominanz kann man nicht mehr reden." Mercedes fürchtet die zweite Niederlage in Folge. Dass Vettel satte 0,905 Sekunden auf die schnellste Zeit des Polesetters fehlten, kümmerte ihn nicht.

Die Startaufstellung im Überblick

Mercedes hat die Niederlage von Malaysia noch nicht vollständig verarbeitet. "Die sind viel stärker im Rennen, weil sie mit dem Reifen so viele Runden schnell fahren", sagt Wolff und erklärt das eigene Problem: "Wir haben großen Speed im Auto - es ist mit Sicherheit das schnellste. Aber wir müssen es noch hinkriegen, dass wir mit dem Setup die beste Balance eingehen und den Reifen auch lange halten können."

Seine Aussagen erinnern an die Saison 2013, als Mercedes der Konkurrenz im Qualifying regelmäßig um die Ohren fuhr, um dann am Sonntag schon nach wenigen Kilometern mit zerstörten Slicks bis ins Mittelfeld durchgereicht zu werden. Erklärungsansätze gibt es dafür mehrere. Die Auswertung des Malaysia-GP hat den Silberpfeilen einen ersten Ansatz geliefert.

Mercedes gibt Setup-Fehler zu

"Wir hätten diesen langen Run nicht fahren können wie der Ferrari, weil wir mit dem Setup zu aggressiv und die Temperaturen zu heiß waren", sagt Wolff: "Die Lektion, die wir gelernt haben, ist ein bisschen konservativer zu Tage zu gehen, auch mit dem Griplevel. Ich hoffe, dass wir das morgen umsetzen können, denn es ist auch ein bisschen kühler."

Die Temperatur gilt als die wahrscheinlichste Ursache für Vettels überraschenden Sieg in Sepang. Dass Wolff aber Setup-Fehler einräumt, deutet auf eine andere Erklärung hin: Ferrari könnte etwa den Sturz der Räder anders gewählt haben. Die normale Herangehensweise ist, ihn zu maximieren.

Durch die Neigung wird die Auflagefläche des Reifens in der Kurve erhöht. Die Kurvengeschwindigkeit steigt. Dadurch wird allerdings auch der Gummi stärker strapaziert. Fährt Ferrari also weniger Sturz, wird das Auto zwar auf eine Runde langsamer.

Stoppt Ferrari wieder einmal weniger?

Die verlorene Zeit lässt sich im Rennen aber unter Umständen kompensieren, indem das Team einen Stopp weniger einplant. Pirelli geht davon aus, dass alle Teams in Shanghai eine Zweistoppstrategie wählen. Eine Einstopp-Strategie? "Das wäre absolut dumm", sagt Ferrari-Technikdirektor James Allison. Doch er ist zuversichtlich: "Wir haben viele Chancen, morgen nach vorne zu kommen."

Auch Mercedes fürchtet, dass sich der Rennverlauf vom vorletzten Wochenende nun in China in abgewandelter Form wiederholt. Rosbergs Ausblick aufs Rennen verrät mehr. "Ich bin guter Dinge. Ich habe meine Abstimmung sehr auf das Rennen ausgerichtet. Es wird trotzdem schwierig - von den Reifen her", sagte der Vizeweltmeister über seine Siegchancen.

Schon am Freitag hatten er und Hamilton ungewöhnlich viele Runden gedreht. Gleich vier Longruns legten die Silberpfeile auf den Shanghai International Circuit. Eine neuerliche Fehlkalkulation sollte an diesem Wochenende unbedingt vermieden werden. "Der weiche Reifen ist neun Runden lang schneller als der harte. Dann schlägt das Pendel um. Der harte Reifen hält gute 25 Runden lang", skizzierte Wolff die Erkenntnisse.

Strategiepoker über Reifenwahl möglich

Zumindest war das bei Mercedes so. Die zentrale Frage: Wie lange ist Ferrari auf den weichen Reifen schnell unterwegs? Bei über 1,5 Sekunden Zeitunterschied der Reifenmischungen pro Runde könnte es einen neuerlichen Strategiekrimi geben. Schafft es Ferrari im Gegensatz zu Mercedes, zwei Stints mit je 15 Runden auf den weichen Reifen zu fahren, hat Vettel schon wieder eine realistische Chance auf den Sieg.

"Am Sonntag sind wir vielleicht wieder näher dran", sagte Vettel nach dem Qualifying kryptisch: Die Reifen werden sicher eine Rolle spielen. Ich hoffe, dass wir gegen Mercedes kämpfen können." Hamilton erwartet einigen Druck: "Wir müssen ruhig bleiben. Ferrari ist sehr schnell auf den Longruns. Das waren sie hier schon in der Vergangenheit. Es sollte ein enges Rennen werden."

Lauda: "Beim kleinsten Fehler kannst du alles verlieren"

Warum, erklärte sein Aufsichtsratsvorsitzender. "Das Mercedes-Auto scheint im Training immer schneller zu laufen als im Rennen, aufgrund der Reifen und anderer Dinge. Der Vorsprung morgen, sollten die Streckenbedingungen gleich bleiben, wird bei zwei, drei Zehntel liegen", so Niki Lauda: "Das ist also nicht viel. Beim kleinsten Fehler kannst du alles verlieren."

Immerhin: Dass Rosberg sich ob der knappen Niederlage im Qualifying angefressen zeigte, macht Hoffnung auf ein spannendes Rennen, selbst wenn Ferrari nicht an Mercedes herankommt. Während sich der 29-Jährige bei den ersten beiden Grand Prix der jungen Saison lächelnd mit den Niederlagen abfand, zeigte er am Samstag Siegeswillen.

Mercedes kündigt Strategie-Split wegen Safety Car an

Einen Strich durch die Rechnung würde ihm jedoch ein Unfall machen, wenn er nicht direkt am Start an Hamilton vorbeikommt. "Wenn es nicht ganz klar ist, welches die richtige Strategie ist, wenn es ein Safety Car gibt, dann werden wir vermutlich splitten, um sicherzugehen, dass wir keinen Fehler machen", kündigte Wolff an: "'Egal' können wir nicht mehr sagen, weil wir den Spielraum nicht mehr haben."

Mercedes konnte sich deshalb glücklich schätzen, dass Kimi Räikkönen seine schnellste Runde im Qualifying wegschmiss und nur von Platz sechs startet. Ihm droht ein ähnliches Schicksal wie Vettel in Australien: Die mit guten Topspeed-Werten gesegneten Williams wehren seine Überholversuche ab, er verliert Runde für Runde viel Zeit. So muss sich Mercedes nur aus Vettel konzentrieren.

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Alexander Maack

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Alexander Maack(Chef vom Dienst)

Alexander Maack, Jahrgang 1987, betreut seit Sommer 2012 die Formel 1 bei SPOX. Geboren im hessischen Fritzlar, landete er nach Aufenthalten in Niedersachsen, Dresden und Bonn schließlich in der "Medienhauptstadt" Mittweida, wo er sein Medienmanagement-Studium abschloss. Seit Mitte 2016 als Chef vom Dienst verantwortlich für den Inhalt der Homepage. Kernressorts: Motorsport, Fußball.

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