Russland-GP: Wamup zum Rennen in Sotschi

Zeit, Geschichte zu schreiben

Samstag, 11.10.2014 | 22:00 Uhr
Lewis Hamilton startet in Sotschi von der Pole zum ersten Russland-GP der F1-Geschichte
© getty
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Die Zeitungen für Montag können schon gedruckt werden. Mercedes wird sich beim ersten Formel-1-Rennen in Russland (So. 13 Uhr im LIVE-TICKER) erstmals in der Firmengeschichte den Titel des Konstrukteursweltmeisters sichern. Lewis Hamilton und Nico Rosberg werden in Sotschi Geschichte schreiben, solange nicht beide W05 ausfallen.

Die Messe ist eigentlich schon längst gelesen, der Herstellermeister seit Monaten klar. Mercedes dominiert, fährt allen um die Ohren und kann sich sogar Zwistigkeiten zwischen seinen Piloten leisten ohne dafür von der Konkurrenz mit Niederlagen bestraft zu werden.

Auch in Sotschi stehen zwei Silberpfeile in der ersten Reihe, zum neunten Mal in dieser Saison und zum fünften Mal in Folge belegen sie gemeinsam die Startplätze eins und zwei. Die nötigen Punkte für den Titel haben sie schon eingefahren.

Wolff gibt Pessimismus auf

"Ich bin eigentlich ein Zweckpessimist. Aber nach dem Doppelsieg in Japan muss selbst ich sagen, dass es kaum noch möglich ist, diesen Titel aus der Hand zu geben", sagt selbst Motorsportchef Toto Wolff.

Red Bull darf bei der Sotschi-Premiere nur nicht mehr als 18 Punkte aufholen, dann ist die erste Marken-WM für die Stuttgarter sicher. Als Mercedes in den Jahren 1954 und 1955 die Konkurrenz mit neun Siegen aus zwölf Rennen schon einmal in Grund und Boden fuhr, gab es den Titel noch nicht. Erst 1958 wurde mit Vanwall erstmals ein Konstrukteursweltmeister gekürt.

Dass Red Bull den Silberpfeilen den Erfolg noch streitig macht, scheint ausgeschlossen. Halten Daniel Ricciardo und Weltmeister Sebastian Vettel ihre Startplatzierungen, holen sie gerade mal sieben Zähler. Eine viel größere Ausbeute wird es wohl nicht geben. "Wir hoffen morgen ein paar Punkte mitzunehmen", gab der von Platz zehn startende Deutsche ein vorsichtiges Ziel aus.

Red Bulls Umbau wirkt nicht

Es ist realistisch, weil der fehlende Topspeed des Red Bull kaum Überholmanöver zulässt. Im Qualifying lagen die RB10 auf den Plätzen 14 und 15 bei der Geschwindigkeitsmessung. Elf Stundenkilometer fehlten auf Williams, vier auf McLaren und Mercedes. Dabei hatte Red Bull schon am Morgen alles abgebaut, was Luftwiderstand erzeugt.

"Wir haben etwas runtergenommen, um das Defizit zu minimieren, aber wir scheinen immer noch Probleme zu haben", gab Ricciardo zu. Durch die steile Anstellung der Flügel sollte immerhin der DRS-Effekt groß ausfallen. Doch eine echte Aufholjagd wird trotzdem schwer zu realisieren sein.

Kaum Spielraum bei der Strategie

Die Strategieoptionen sind eingeschränkt - oder besser nicht vorhanden. Weil die Einfahrt in die Boxengasse sich in den Trainings als zu eng erwies, senkte der Automobilweltverband die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 auf 60 km/h. Die Ein- und Ausfahrt wird dadurch zum Geduldsspiel.

Auch die Reifen bieten kaum Chancen zum Tricksen. "Alles läuft auf ein Einstopp-Rennen raus", sagt Vettel. Der Abrieb ist auf dem verhältnismäßig glatten Asphalt des Sochi Autodrom nicht so hoch wie erwartet, zudem ist der Grip-Level für eine komplett neue Strecke verhältnismäßig hoch.

"Wir werden wahrscheinlich sehen, dass die Fahrer ihre Reifen so lange behalten wie möglich", sagt Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery, der nur den schnellsten Fahrzeugen zutraut, sich den Luxus einer Zweistopp-Sprint-Strategie zu leisten.

Geht Mercedes auf zwei Stopps?

Die Mercedes-Piloten sind dafür prädestiniert. Zumindest einer von beiden könnte zwei Stopps wählen, um den eigenen Teamkollegen zu überraschen. "Da die Strecke immer schneller wird, werden auch die Reifen immer härter rangenommen", deutet Hamilton mehrere Stopps an.

Dafür gäbe es einen zweiten Grund. "Wir können wegen des glatten Asphalts das Potenzial unseres Autos nicht voll ausspielen", sagte Aufsichtsratschef Niki Lauda: "Es fällt uns schwer, die Reifen in ihr Arbeitsfenster zu bekommen. Die Seitenwände arbeiten zu wenig. Deshalb erwärmt sich der Reifen nicht genug von innen. Die Gefahr ist, dass dann die Oberfläche überhitzt."

Besonders beim reifenschonenden, langsamen Fahren steigt somit die Gefahr von Blasenbildung auf der Reifenoberfläche. Attackieren die Mercedes unterdessen und fordern die Reifen stärker, dürfte das Risiko sinken.

Rosberg: "Es war ein langer, schwerer Weg"

Mit einer einfachen Triumphfahrt Hamilton ist nicht zwingend zu rechnen, auch wenn er sich schnell absetzt. Sein Teamkollege will ihm den Sieg beim der Titelfahrt abspenstig machen. "Ich bin seit der ersten Stunde 2010 dabei. Es war ein langer, schwerer Weg. Für die Leute im Team ist es ein wichtiger Meilenstein", sagt der gebürtige Wiesbadener.

Rosberg gab allerdings zu, am gesamten Wochenende nicht auf dem Level des Engländers gefahren zu sein: "Am meisten Zeit lasse ich in Kurve 2 liegen." Der größte Bremspunkt nach der DRS-Zone hinter der Ziellinie ist allerdings die beste Stelle für ein Überholmanöver.

Er hat sich deshalb einen anderen Plan zurechtgelegt, um nach sechs Rennen ohne Sieg endlich wieder den Spieß umzudrehen. "Meine größte Chance ist der Start. Dann wird es schwierig mit dem Überholen", sagt er: "Vielleicht ergibt sich eine Möglichkeit, wenn man mit dem ersten Reifensatz länger draußen bleibt."

Bottas plant Attacke

Wenn die Ampeln am Sonntagnachmittag erlöschen, hat Rosberg durch den zweiten Startplatz auf der rechten Seite der Fahrbahn den kürzeren Weg durch die Vollgaskurve. Allerdings gibt es auch einen Nachteil. Valtteri Bottas war sein dritter Startplatz lieber als der zweite von Rosberg: "So starte ich von der sauberen Spur."

Nach seinem Fehler in den letzten Kurven und der verpassten Überraschung mit einem Williams auf der Pole, hat sich Bottas fürs Rennen ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. "Das Auto sollte etwas besser in den Longruns sein als es im Qualifying war", gab der Finne zu Protokoll.

Ein Angriff auf das Werksteam aus Brackley ist eingeplant. "Wir haben den Fokus auf einen guten Top-Speed gelegt, um überholen zu können", erklärte Chefingenieur Rob Smedley den Ansatz, der schon in Österreich zum Erfolg führte: "Die Strecken sind sehr ähnlich. Deshalb auch das Ergebnis."

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

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