Formel 1

Driften strengstens verboten!

Von SPOX
Die Leitplanken von Monaco bieten mehr als genug Möglichkeiten, das Auto zu beschädigen
© getty

Langeweile? Gibt's nicht mehr! 2014 wird der Große Preis von Monaco auch ohne Regen wieder spannend. Ferraris Fernando Alonso erwartet sogar, dass die Mercedes-Dominanz von Nico Rosberg und Lewis Hamilton endet und Sebastian Vettel auf einem Niveau ist. Der Grund ist die Streckencharakteristik, die die Vorteile bei der Motorleistung marginalisiert.

Streckendaten:

  • Name: Circuit de Monaco
  • Ort: Monte Carlo
  • Länge: 3,340 Kilometer
  • Runden: 78
  • Renndistanz: 260,520 Kilometer
  • Kurven: 12 Rechtskurven, 7 Linkskurven

Darauf kommt es an:

Der wahnsinnigste Ort, an dem man ein Formel-1-Rennen veranstalten kann: Die Häuserschluchten von Monaco sind Legende, aber sie sind auch eine ganz besondere Herausforderung. "Es ist der Event des Jahres. Dein Puls wird schneller, wenn du ankommst und über die Brücke in die Boxen gehst", sagt Nico Hülkenberg.

Damit genug der Atmosphäre, kommen wir zum motorsportlichen: Überholen kann man so gut wie vergessen. DRS wird es an der besten Stelle im Tunnel aus Sicherheitsgründen nicht geben, nur auf der kurzen Zielgeraden darf der Heckflügel geklappt werden - zu wenig für einen aussichtsreichen Angriff. Kein Wunder, dass die letzten fünf Rennen jeweils der Polesetter gewann.

Der muss jedoch erstmal unfallfrei ins Ziel kommen. Jeder Fahrer, der mutig genug ist, haarscharf an den Leitplanken vorbei zu fahren, ohne sein Auto darin zu zerlegen, kann in Monaco den entscheidenden Unterschied machen. Statt Bleifüßen sind feinfühlige Lenkradakkrobaten gefragt - gerade mit den V6-Turbo-Powerunits, die im unteren Drehzahlbereich viel mehr Leistung bieten. "Auf einem Straßenkurs wie Monaco kann das schon hart werden", meint Lokalmatador Nico Rosberg.

Durch die beschnittene Aerodynamik sind die Autos auf der Hinterachse zudem auch noch wesentlich instabiler. Was dadurch passieren kann, zeigte Valtteri Bottas beim Saisonauftakt in Melbourne: Die bisher einzige Kurve mit einer Mauer am Kurvenausgang touchierte der Finne, zerstörte sich das rechte Hinterrad und verlor beim Rückweg in die Box wertvolle Zeit und viele Plätze. In Monaco stehen die Begrenzungen überall. Bernd Mayländer kann den Motor seines Safety-Cars dauerhaft laufen lassen.

Aerodynamik? Unwichtig!

"Reifen härter als 2013, Drehmoment des Motors höher als 2013 und weniger Downforce als 2013", twitterte Toro Rossos leitender Renningenieur Xevi Pujolar in dieser Woche. Sein Fazit: "Der Längsgrip wird der Schlüssel sein."

Mit anderen Worten: In Monaco ist derjenige schnell, dessen Auto mit weichen Dämpfern und höchstmöglichem Abtrieb eine gute Traktion hat. Motorleistung und lateraler, also seitlicher Grip gehen neben dem mechanischen Grip komplett unter, weshalb Monaco immer für Überraschungen gut ist. "In Monte Carlo gibt es keine Geraden, also könnte Red Bull dort Mercedes angreifen", machte Ferrari-Pilot Fernando Alonso seinem Dauerrivalen Sebastian Vettel Mut.

Zudem müssen die Ingenieure die neuen Powerunits anders einsetzen als in den bisherigen Saisonrennen - besonders die thermische Energierückgewinnung am Turbolader wird knifflig. "Da nur 30 Sekunden pro Runde Vollgas gegeben wird, kann die MGU-H vielleicht nicht zur Rückgewinnung der Energie genutzt werden", sagt Renault-Einsatzleiter Remi Taffin: "Das Gesamtpaket wird mehr auf Fahrbarkeit als auf reine Performance abgestimmt."

Statistik:

  • Sieger 2013: Nico Rosberg (Mercedes), 2:17:52,056 Stunden
  • Pole-Position 2013: Nico Rosberg (Mercedes), 1:13,876 Minuten
  • Schnellste Rennrunde 2013: Sebastian Vettel (Red Bull), 1:16,577 Minuten
  • Rekordsieger: Ayrton Senna - 6 (1987, 1989, 1990, 1991, 1992, 1993)

Reifen:

Soft und Supersoft. Beim sechsten Saisonrennen gibt es eine Premiere. Erstmals liefert Pirelli seine weichste Gummimischung. Das ist auch bitter nötig. Der Monaco-GP ist das langsamste Rennen mit den langsamsten Kurven des Jahres. In der früheren Loews-, der heutigen Grand Hotel Hairpin, sind die Autos mit unter 50 Stundenkilometern unterwegs, ist der Verkehr zu dicht, muss sogar die Kupplung betätigt werden.

Auch insgesamt bietet der Kurs für Formel-1-Maßstäbe ein Schneckenrennen: 8 von 19 Kurven werden mit unter 100 km/h durchfahren, nur im Tunnel (Kurve 9) übertreffen die Boliden die 250-Stundenkilometer-Marke.

"Wie alle unsere 2014er Slicks ist die Mischung und Konstruktion in diesem Jahr neu, um die Haltbarkeit zu verbessern. In Monaco sind Verschleiß und Abnutzung immer sehr niedrig", erklärt Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery: "Deshalb ist es möglich, das Rennen mit nur einem Stop zu absolvieren.

Die Reifen sind hauptverantwortlich für den gesuchten mechanischen Grip. Allerdings bietet der glatte Straßenasphalt verhältnismäßig wenig Haftung. Hier sind also abermals die Fahrer gefragt, es mit dem riesigen Drehmoment nicht zu übertreiben, sondern feinfühlig vorzugehen.

Wetter-Prognose:

  • Donnerstag: leichter Regen, 20 Grad, 85 Prozent Regenrisiko
  • Samstag: leicht bewölkt, 22 Grad, 10 Prozent Regenrisiko
  • Sonntag: bewölkt, 22 Grad, 20 Prozent Regenrisiko

Die OPTA-Fakten zum Rennen:

  • Lewis Hamilton siegte nach acht Jahren zum ersten Mal in Spanien und gewann damit die letzten vier Rennen in Folge, mit einem weiteren Sieg könnte er mit Jim Clark und Nigel Mansell gleichziehen. Damit würde er - gemeinsam mit den beiden anderen Fahrern - die längste Siegesserie eines britischen Fahrers halten.
  • In Spanien fuhr Sebastian Vettel - und damit erstmals in dieser Saison kein Mercedes-Pilot - die schnellste Rennrunde. Der Heppenheimer überholte im Laufe des Rennens in Barcelona insgesamt elf seiner Kontrahenten (von Platz 15 auf Platz 4) und damit mehr als jeder andere Fahrer in dieser Saison.
  • In den drei Rennen, in denen beide Red Bull-Fahrer ins Ziel kamen, lag der Deutsche am Ende immer hinter seinem Teamkollegen Daniel Ricciardo. Der Australier erreichte nach 54 Rennen in Barcelona zum ersten Mal in seiner Karriere das Podium.
  • Beide Ferrari-Piloten absolvierten bisher alle Rennen über die volle Distanz. Dies gelang keinem anderen Team in dieser Saison.
  • Marussia, Caterham und Sauber sind die einzigen drei Teams, die in der laufenden Saison noch keine WM-Punkte einfahren konnten.
  • Kein anderer Fahrer machte 2014 mehr Boxenstopps als Max Chilton (14). Der Brite schied bei keinem seiner letzten 24 Formel 1-Rennen aus.
  • Fernando Alonso ist der einzige Fahrer, der den Großen Preis von Monaco zweimal in Folge für zwei unterschiedliche Teams gewinnen konnte: 2006 für Renault und 2007 für McLaren.
  • 1996 kamen beim Großen Preis von Monaco nur drei Fahrer ins Ziel: Olivier Panis, David Coulthard und Johnny Herbert - Rekord in der Formel 1

Zeitplan:

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