Formel 1

Hamilton schenkt Rosberg die Pole

Lewis Hamilton startet in Silverstone nur als Sechster
© getty

Nico Rosberg hat sich in einem dramatischen Qualifying im Regen die Pole Position für den Großen Preis von Großbritannien gesichert. Der Mercedes-Pilot fuhr ganz am Ende in 1:35,766 Minuten die Bestzeit, während Teamkollege Lewis Hamilton seine Runde schon freiwillig abgebrochen hatte. Davon profitierte Sebastian Vettel, der für Red Bull Platz zwei sicherte.

Für Rosberg war es bereits die vierte Pole Position in dieser Saison, die achte seiner Karriere. Dabei hätte er es beinahe nicht geschafft, vor Ablauf der Uhr die Runde zu starten, weil sein Teamkollege ihn leicht aufhielt. "Ich wusste, dass ich viel schneller fahren könnte, genauso ist es gekommen", freute sich der WM-Spitzenreiter im Anschluss: "Ich wusste, auch wenn ich in den ersten Sektoren langsamer bin, ist die Chance da. Bei der Runde, die bis dahin stand, war es richtig nass in den letzten drei Kurven. Da habe ich vier Sekunden verloren."

Das Resultat des Qualifyings in der Übersicht

Dritter wurde Jenson Button im McLaren. Nico Hülkenberg komplettierte als Vierter das aus deutscher Sicht ausgezeichnete Resultat. "Ich bin für meine letzte Runde herausgefahren und dachte mir: 'Am besten, ich fahre direkt wieder in die Box. Das wird sowieso nichts mehr.' Aber dann trocknete die Strecke ziemlich schnell ab. Ich dachte mir, 'Augen zu und durch'. Es hat funktioniert", sagte der 26-Jährige.

Ganz anders war es bei Vettel. Er musste unbedingt seine Runde beenden, weil Red Bull ihn bei stärker werdendem Regen zu Beginn von Q3 erst spät auf die Strecke geschickt hatte. Den ersten Versuch brach der Weltmeister deshalb noch ab. "Es ist immer spaßig hier und heute war es eine wirklich seltsame Session. Viel Regen, kein Regen, schwacher Regen, Nieselregen - England ist wohl das einzige Land, wo es das in so schnellem Wechsel gibt", sagte Vettel: "Es war extrem schwierig, dass am Ende der zweite Platz herausspringt, ist sehr erfreulich."

Hamilton gesteht Fehler ein

Hamilton dagegen entschied sich anders. Während die übrigen Piloten fast vier Sekunden im dritten Sektor aufholten, parkte er seinen Mercedes in der Boxengasse. "Im Mittelsektor hat er bemerkt, dass es zu nass ist und abgebrochen", erklärte Motorsportdirektor Toto Wolff den Fehler seines Piloten: "Das hat den Unterschied gemacht, weil der letzte Sektor komplett trocken war."

"Ich habe einen Fehler gemacht und die Runde abgebrochen. Ich hätte weitermachen müssen", gestand Hamilton: "Es war meine Entscheidung, eine schlechte Entscheidung - und sie hat mein Qualifying entschieden." Selbst McLaren-Rookie Kevin Magnussen reihte sich so als Fünfter noch vor Hamilton ein, der nur von Rang sechs startet. Es war bereits das zweite Qualifying in Folge, das der Engländer nicht optimal beendete. In Österreich hatte er sich gleich zwei Fahrfehler geleistet.

Wie falsch die Entscheidung war, in die Box zu kommen, zeigt, dass alle vier Top-Ten-Piloten hinter Hamilton keinen zweiten Versuch in Q3 mehr machten. Sergio Perez belegte für Force India Rang sieben, weil er nicht vor Ablauf der Uhr die Startlinie passiert hatte, Red Bull schickte Daniel Ricciardo (8.) genau wie Toro Rosso seine beiden Piloten Daniil Kvyat (9.) und Jean-Eric Vergne (10.) erst gar nicht auf die Strecke.

Ferrari und Williams verpokern sich komplett

Die Enttäuschung des Qualifyings waren unterdessen Ferrari und Williams. Alle vier Autos der beiden Traditionsteams schieden nach Q1 aus. Fernando Alonso startet am Sonntag nur von Platz 19, Kimi Räikkönen von Rang 20. Beide Teams hatten sich komplett verpokert: Adrian Sutil sorgte kurz vor Ende des ersten Quali-Teils für eine Gelbphase, wodurch keine zeitliche Verbesserung mehr möglich war.

"Es ist ein schmaler Grat, ob man ein Held ist oder einen großen Fehler macht. Heute haben wir einen Fehler gemacht", sagte Alonso anschließend und verteidigte die Scuderia: "Wir haben nicht gepokert, wir haben einfach nur auf die Bedingungen auf der Strecke reagiert." Sein finnischer Teamkollege sah das ähnlich. "Es fing nach einer halben Runde auf Slicks an zu regnen", so Räikkönen: "Es war schlechtes Timing."

"Wir haben den Regen nicht kommen sehen"

Auch Williams gab den Fehler anschließend zu. "Gelbe Flaggen sind immer ein Risiko, aber wir dachten, wir hätten das im Griff", gab sich Technikchef Pat Symonds zerknirscht. Das größere Problem war jedoch dasselbe wie bei Ferrari: "Wir haben den Regen nicht kommen sehen. Das war auf dem Radar wirklich nicht zu erkennen." Selbst Sebastian Vettel schrammte dadurch als 16. nur haarscharf an einem vorzeitigen Aus vorbei.

Das Chaos nutzte Marussia. Jules Bianchi fuhr in Q1 in der Spitzengruppe mit und platzierte sich am Ende als Zwölfter, Teamkollege Max Chilton reihte sich direkt dahinter ein. Der Brite wird allerdings aufgrund eines Getriebewechsels um fünf Plätze auf Rang 18 strafversetzt. Für Sutil reichte es in Q1 zwar noch zu Rang neun, da er den Sauber aber im Kiesbett abstellte, konnte er in Q2 keine Zeit mehr setzen. So startet der vierte Deutsche am Sonntag lediglich von Platz 15.

Quali-Duelle: So steht es im teaminternen Wettkampf

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