Die Rekordjagd von Sebastian Vettel geht weiter

"Sonst bekomme ich einen Anschiss"

Montag, 18.11.2013 | 12:53 Uhr
Sebastian Vettel hat in Austin das achte F1-Rennen in Folge gewonnen
© getty
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Die Rekordjagd hört einfach nicht auf. Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel überbot beim Großen Preis der USA mit seinem achten Sieg in Folge die bisherige Bestmarke von Rekordchampion Michael Schumacher und glänzt einsam an der Spitze. Die Konkurrenz ist ratlos und fandet nach dem Grund für die Dominanz. Der ehrgeizige Fernando Alonso freut sich mittlerweile sogar über die Vizeweltmeisterschaft.

Die Prioritäten haben sich angesichts von 175 Punkten Vorsprung in der Fahrerwertung verschoben. Statt auf Fragen zum Rennen zu antworten, durfte Vettel in Texas erklären, ob sein RB9 für die Donuts nach dem Rennen speziell programmiert ist.

"Nein, nein. Auf keinen Fall", lautete die Antwort: "Ich muss das aber vorsichtig machen, sonst bekomme ich einen richtigen Anschiss von meinen Ingenieuren, dass ich nicht auf Getriebe, Motor und so weiter aufpasse. Ich versuche vorsichtig zu sein, aber will es auch rauchen lassen und einfach nur Spaß haben."

Die Lust ist dem Heppenheimer auch nach dem achten Sieg in Folge nicht vergangen. Was auch immer Red Bull in der Sommerpause in den RB9 eingebaut hat, der Effekt gleicht einem Warp-Antrieb. Vettel pulverisiert Rekorde, er fährt als einsamer Stern am Formel-1-Horizont vorne weg.

Das Endergebnis in der Übersicht

Vettel wundert sich über seine Überlegenheit

"Ich bin mir nicht sicher, was wir gemacht haben", versuchte der 26-Jährige sich später nicht in die Karten schauen zu lassen: "Was auch immer es war, es hat funktioniert. Es ist klar, dass nicht jeder Tag ein guter Tag sein wird und man Höhen und Tiefen hat."

Auf Letztgenannte wartet die Konkurrenz allerdings vergeblich. Beim Start der letzten zehn Rennen stand Vettel immer in der ersten Reihe, vier weitere Plätze mit freier Sicht nach vorn hatte er schon davor eingefahren. Außer beim Saisonauftakt in Australien und dem Ungarn-GP Ende Juli raste Vettel danach jedes Mal zu einem seiner insgesamt zwölf Siege.

Ein echter Kampf mit dem Zweitplatzierten Romain Grosjean blieb beim zweiten Gastspiel der Formel 1 auf der neu errichteten Strecke im Lone Star State aus, obwohl Vettels Mechaniker noch am Morgen Probleme befürchtet hatten und Teile des Getriebes austauschten.

Nachdem der Vierfachweltmeister die Führung in Turn 1 behauptet hatte, konnte er allerdings das Material schonen und entspannt zum Sieg fahren. Dabei deutete er immer wieder an, dass viel mehr Potenzial in ihm schlummert. Auf die schnellste Rennrunde folgte immer wieder die Ermahnung von Renningenieur Guillaume Rocquelin, es doch bitte langsamer angehen zu lassen.

Triple Nummer acht

Trotzdem ließ es sich Vettel nicht nehmen, in der drittletzten von 56 Runden das achte Triple aus Pole Position, Sieg und schnellster Rennrunde in seiner Formel-1-Karriere perfekt zu machen und auch in dieser Kategorie die Legenden Alberto Ascari Ayrton Senna zu überflügeln. Zum Grand Slam fehlten lediglich zwei Runden, weil Red Bull den Boxenstopp vorzog, so den Überrundungen aus dem Weg ging und Grosjean in Führung brachte.

Red Bull ist sich der derzeitigen Überlegenheit des Heppenheimers bewusst und unterstützt sie durch perfekte Arbeit. Vettel wiederum motiviert die Mitarbeiter, indem er jeden Erfolg als Teamleistung verkauft. "Diese Momente müssen wir abspeichern. Es gibt keine Garantie, dass es so weitergeht. Wir haben eine super Saison. Ich liebe euch alle", jubelte er nach der Zieldurchfahrt.

"Tatsache ist, dass Red Bull momentan eine Sekunde vorne liegt", hatte Ferrari-Pilot Alonso schon nach dem Qualifying erklärt. Als Sechster trennte ihn nach einer Runde bereits mehr als eine Sekunde von der Rundenzeit, die seinem deutschen Dauerrivalen zur Pole Position reichte. "Sie könnten jeden beliebigen Auspuff oder sogar einen GP2-Motor einbauen und wären trotzdem noch vorn", so der Spanier.

Alonso verlängert das Abonnement auf Platz zwei

Immerhin gelang ihm in Austin ein kleiner Erfolg: Sein Abonnement auf den Vizeweltmeistertitel verlängerte sich durch den fünften Platz im Rennen automatisch um ein Jahr. "Das ist wie der erste Platz der Normalsterblichen", betonte der Spanier.

Das gesamte Feld rätselt noch immer, was Red Bull derart überlegen macht. "Es sind die Reifen", ist sich Lewis Hamilton sicher: "Die machen damit definitiv was anders, sodass sie viel mehr Grip haben." Genaueres konnte aber auch der Mercedes-Pilot nicht verraten.

Dabei konzentrierte sich Red Bull im Gegensatz zu den letzten Rennen in Austin wieder verstärkt aufs Qualifying. Von Samstag auf Sonntag stiegen die Temperaturen um sechs Grad. Der riesige Vorsprung, den auch Vettels Teamkollege Mark Webber auf den von Position drei startenden Grosjean hatte, war weg. Der Australier fuhr das gesamte Schlussdrittel hinter dem Franzosen her, der ihn aber mit Taktiktricks hinter sich hielt.

"Es war wirklich wichtig, in der ersten Kurve einen Platz gutzumachen. Das Auto war von da an einfach fantastisch", lobte der Franzose seine Lotus-Ingenieure. Seine Glanzleistung machte das Fehlen seines Teamkollegen Kimi Räikkönen und die von technischen Problemen begleitete Fahrt von Ersatzmann Heikki Kovalainen komplett vergessen.

Lotus: Grosjeans bestes Rennen

"Das war wirklich sein bestes Rennen", jubelte Teamchef Eric Boullier und wies auf die starken Leistungen von Grosjean hin, der 2013 schon zum sechsten Mal auf dem Podium stand: "Wir konnten lediglich durch einen guten Start mit Red Bull kämpfen. Und genau den hat er abgeliefert." Webber biss sich danach die Zähne aus, weil Grosjean die Zusatzleistung des Energierückgewinnungssystems KERS perfekt einteilte.

"Ich habe die meiste Zeit gegeben, was ich nur konnte, aber die Reifen schreien dich Runde für Runde an. Dann muss man sich zurückfallen lassen", erklärte der künftige Formel-1-Rentner aus Australien nach seinem vorletzten Grand Prix: "Mit diesen Reifen kannst du nur fünf Runden lang wirklich einen Kampf austragen. Ich habe es immerhin versucht."

Den Wermutstropfen, dass er nicht das Bestmögliche aus der überlegenen Pace seines Autos herausgeholt hatte, musste Vettel dagegen nicht schlucken.

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