Der Wahnsinnige ist wieder da

Dienstag, 19.11.2013 | 09:29 Uhr
Pastor Maldonado beendet nach der Saison 2013 seine Zeit bei Williams
© getty
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Auch in der Formel-1-Saison 2013 bewertet SPOX-Redakteur Alexander Maack nach jedem Grand Prix die fahrerischen Leistungen der Piloten und stellt sein persönliches Driver-Ranking auf. Teil 18: USA-GP.

Langeweile beim Großen Preis der USA? Nicht wirklich. Das zweite Rennen in Austin bot einige spannende Duelle. Vor allem Romain Grosjean begeisterte mit seiner Jarno-Trulli-Gedächstnis-Blockade gegen Mark Webber.

Derweil hatte ein Pilot ganz andere Probleme. Pastor Maldonado fühlte sich von mysteriösen Gestalten verfolgt und fuhr dazu auch noch grauenhaft. Gut, dass er Williams verlässt.

Platz 1, Romain Grosjean: Die Wandlung des Franzosen ist beeindruckend. Vom Crashkid der Vorsaison, bei dem kaum ein Experte verstehen konnte, dass Lotus auch 2013 an ihm festhält, hat er sich zum echten Toppiloten entwickelt. In Austin bewies der 28-Jährige, dass er nicht nur im Qualifying schnell ist, sondern mittlerweile auch im Rennen durch taktisches Geschick auftrumpfen kann.

Schon sein Start hat mich beeindruckt. Grosjean schnappte sich nicht nur Mark Webber, er hätte sogar fast Sebastian Vettel die Führung abgenommen. Anschließend war er machtlos gegen den überlegenen Red Bull des Weltmeisters, dessen Teamkollegen hielt er aber mit einer fahrerischen Meisterleistung erfolgreich hinter sich, indem er sich vor der Haarnadel Runde um Runde genug Vorsprung herausfuhr, um einen Angriff im Keim zu ersticken.

Webber probierte danach jede andere Stelle, an der ein Überholmanöver möglich schien. Er scheiterte immer wieder. Spätestens seit dem Ungarn-GP ist Grosjean in herausragender Form und fährt meist auf einem Niveau mit Vettel. Für die Leistung in den Vereinigten Staaten hat er sich den Sieg im Driver-Ranking aus meiner Sicht redlich verdient.

Platz 2, Sebastian Vettel: Der nächste Rekord ist geknackt. Die Konstanz, mit der der 26-jährige Vierfachweltmeister von Sieg zu Sieg fährt, ist beeindruckend. Auf dem Circuit of the Americas entschied er das Rennen in den ersten fünf Runden für sich und konnte anschließend eine relativ entspannte Sonntagsfahrt einlegen.

In der ersten Kurve sicherte Vettel seine Führung durch eine gute Linienwahl ab, beim Restart ließ er den Verfolgern keine Chance und katapultierte sich direkt wieder aus der DRS-Reichweite heraus. Das Wochenende wäre fast perfekt gewesen, hätte Vettel im Qualifying nicht einen kleinen Fehler gemacht.

Für seine achte Pole Position der Saison 2013 war er auf die Unterstützung von Teamkollege Webber angewiesen. So bekommt der Weltmeister von mir einen kleinen Punktabzug, den er durch die souveräne Vorstellung am Sonntag zwar wieder kompensiert. Er macht letzlich aber den Unterschied zwischen Platz eins und zwei aus.

Platz 3, Valtteri Bottas: Der Finne war für mich die Sensation des USA-GP. Seine Eingewöhnungsphase nach dem Debüt in Melbourne hat er schon länger abgeschlossen. Erstmals zeigte der Williams-Pilot aber in Qualifying und Rennen, warum sein Team ihn im Winter beförderte.

Bottas war das gesamte Wochenende über schneller als Teamkollege Pastor Maldonado. Dabei profitierte er davon, dass Williams einen einfacheren Auspuff ohne Coanca-Effekt fuhr. Besonders am Samstag machte der 24-Jährige auf sich aufmerksam, als er in Q1 die Bestzeit fuhr und in Q2 nur den Red Bull und Fernando Alonso den Vortritt lassen musste.

Dass er in Q3 einen noch besseren Startplatz durch seinen einzigen Fehler am ganzen Wochenende verpasste, fällt in meiner Wertung nicht extrem ins Gewicht, weil die Leistung am Sonntag wieder bärenstark war. Bottas fuhr dauerhaft in den Top Ten und bewies Racer-Gene als er den langsamen Esteban Gutierrez in Turn 3 außen überholte.

Platz 4, Lewis Hamilton: Der Weltmeister von 2008 hat endlich seine Form wiedergefunden. Vor dem Wochenende kritisierte er sich noch selbst, der Abstand zu Teamkollege Nico Rosberg dürfte allerdings jeden Zweifler vorerst verstummen lassen. Der Mercedes war in Austin nicht reif für das Podest, Hamilton machte das Beste daraus und sicherte durch exzellentes Reifenmanagement Platz vier.

Das neue Chassis seines W04 hat die Formkrise beendet, die negativen Berichte gehen aber weiter. Den britischen Medien gefällt Hamiltons Funkverkehr mit dem Team nicht. Mal wollte er allein gelassen werden und weniger Informationen, dann forderte er mehr. Hätte Kimi Räikkönen so kommuniziert, würden alle jubeln. Bei Hamilton soll es ein Fehler sein. Für mich ergibt das keinen Sinn. Hamilton ist in den USA seinen besten Grand Prix seit langer Zeit gefahren. Nur darum geht's.

Platz 5, Fernando Alonso: Der selbsternannte Weltmeister der Normalsterblichen bewies einmal mehr, was ein Toppilot aus einem unterlegenen Auto herausholen kann. Während Scuderia-Kollege Felipe Massa abgeschlagen im Nirgendwo herumgurkte, jagte Alonso seine Vorderleute um den Circuit of the Americas, nachdem er beim Start noch eingeklemmt zurückfiel.

Erst manövrierte der Spanier Sergio Perez aus, dann legte er sich Nico Hülkenberg zurecht, zog in Turn 1 vorbei und ließ den Deutschen ins Leere fahren, als der zu kontern versuchte. Rechne ich Alonsos Sektorbestzeiten zusammen, wäre am Samstag zwar noch mehr drin gewesen. Ihm daraus einen Strick zu drehen, wäre aber falsch. Zwei Wochen nach seinem Flug in Abu Dhabi hätte Alonso eigentlich ein Beißholz gebraucht, um die daraus resultierenden Schmerzen zu kompensieren.

Platz 6, Nico Hülkenberg: Den vierten Startplatz werte ich als neuerliche Demonstration des Hülkenberg'schen Talents. Obwohl der Sauber zu Rennbeginn nicht gerade Weltklasse ist und er das Gaspedal lupfen musste, als Webber querstand, verlor der Sauber-Pilot nur einen Platz an Hamilton.

Dass der Emmericher das Cockpit bei Lotus wahrscheinlich nicht bekommt, ist eine Schande für die aktuelle, finanzgesteuerte Formel 1. Hülkenberg schlägt Rennen für Rennen Toppiloten in besseren Autos und bekommt dennoch nicht den verdienten Lohn. In Austin leistete er sich dabei allerdings einen Fehler. Als er zum Schluss seinen Konter gegen Alonso setzte, hätte er aus meiner Sicht vorne bleiben müssen. Die Hinterreifen des Ferrari waren durch die Aufholjagd schon verbraucht.

Platz 7, Mark Webber: Der 36-Jährige hatte im wohl vorletzten Grand Prix seiner Karriere einmal mehr die Chance auf den Sieg. Und er vergab sie wieder. Nur 18 von 20 Kurven bekam er im Qualifying hin, das reichte nur zu Platz zwei. Doch auch den verlor Webber direkt, weil er beim ersten Linksknick auf der Innenbahn Federn ließ. Gut, dass Hamilton ihn kampflos wieder vorbeiließ.

Es mag ungerecht sein, den Australier mit seinem überlegenen Teamkollegen zu vergleichen. Es muss aber sein. Vettel fährt zu zwölf Saisonsiegen, Webber hat keinen einzigen. Das allein sagt genug aus. So sympathisch und entspannt sich Webber präsentiert, ich glaube nicht, dass er noch annähernd das Optimum aus dem Auto herausholt.

Platz 8, Heikki Kovalainen: Obwohl er nur als 14. ins Ziel kam, hat die Leistung des Finnens höchste Anerkennung verdient. Kovalainen hatte vor dem USA-GP keinerlei Fahrpraxis im Lotus, dann verkürzten auch noch Nebel und der fehlende Rettungshubschrauber das 1. Freie Training.

Trotzdem schaffte er es ins Q3 und hatte nur fünf Zehntel Rückstand auf Teamkollege Grosjean. Im Rennen lag er auf Kurs für WM-Punkte, bis ihn ein Schaden am Frontflügel und KERS-Probleme zurückwarfen. In Brasilien wird Kovalainen wesentlich stärker sein. Da bin ich mir sicher.

Platz 9, Esteban Gutierrez: Die Bewertung des jungen Mexikaners fällt mir besonders schwer. Weil er Maldonado behinderte, wurde er um zehn Plätze strafversetzt. Für mich war die Entscheidung zu hart und kostete ihm seinen Top-Ten-Startplatz. Mit alternativer Strategie kam Gutierrez zwar wieder nach vorn, blieb aber punktlos. Er selbst war daran fast schuldlos.

Platz 10, Sergio Perez: Das war eine Ansage. McLaren gibt bekannt, dass Perez sich für 2014 ein neues Team suchen muss, der Mexikaner lässt Jenson Button in Training und Rennen hinter sich. Dabei half ihm sicherlich sein aggressiverer Fahrstil, während der englische Teamkollege Probleme hatte ,seine Reifen ins Arbeitsfenster zu bekommen.

Härtefall, Nico Rosberg: Nach dem Wochenende in Austin kann sich Nico Rosberg abschminken, sein Ziel in der Fahrer-WM noch zu erreichen. Sämtliche Konkurrenten punkteten, während der gebürtige Wiesbadener sich beim Setup für den völlig falschen Weg entschied und versuchte die Reifen zu schonen. Im kühlen Qualifying bekam er die Slicks nicht auf Temperatur, am Sonntag zerstörte er sich die Gummis im Verkehr. Das kann er besser.

Untauglich, Pastor Maldonado: Dem Venezolaner ist sein anstehender Abschied von Williams nicht gut bekommen. Das ganze Wochenende lang war er deutlich langsamer als Teamkollege Bottas. Während der Finne Bestzeiten fuhr, strich Maldonado schon nach Q1 die Segel. Der logische Gedanke: 'Das Team hat mein Auto manipuliert.'

Paranoia sind für einen Formel-1-Fahrer allerdings kein Pluspunkt. Statt sich selbstkritisch zu hinterfragen, polterte Maldonado lieber gegen seine Mechaniker. Warum aber sollte Williams, das 2013 wieder hinter den Erwartungen zurückblieb, einen zweiten Top-Ten-Startplatz verhindern?

Um es klar auszusprechen: Kein Team der Formel 1 würde absichtlich eines seiner Autos langsamer machen. Der Crash mit Adrian Sutil war für den Venezolaner wahrscheinlich die nächste Verschwörung. Maldonados Problem: Bottas hat sich an die F1 gewöhnt und fährt besser. Im nächsten Jahr würde er ihm um die Ohren fahren.

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