Selbst Teamorder hilft Alonso nicht

Sonntag, 13.10.2013 | 17:27 Uhr
Dasha Kapustina (l.) begleitete ihren Lebensgefährten Fernando Alonso in Suzuka
© getty
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Bis zum Großen Preis von Japan hatte sich Formel-1-Vizeweltmeister Fernando Alonso Hoffnungen auf eine Wende im Kampf um die Fahrer-WM gemacht. Nach dem Sieg von Sebastian Vettel gibt selbst der kämpferische Ferrari-Pilot auf und akzeptiert den bevorstehenden Titel für Red Bull. Der Spanier orientiert sich nach hinten: Mercedes und vor allem Lotus lauern.

Die Zeit für die Rechenschieber ist gekommen. Bei 90 Punkten Vorsprung wird Vettel schon in Indien Weltmeister, wenn er maximal Fünfter wird. Wird der Heppenheimer Sechster, Siebter oder Achter, muss Alonso gewinnen, um die Entscheidung bis Abu Dhabi aufzuschieben. Wird Vettel Neunter, Zehnter oder fällt aus, reicht auch ein zweiter Platz.

Das Rennergebnis in der Übersicht

Solche Spielchen will der Spanier allerdings nicht hören. Ob er das Momentum nochmal drehen könne? "Ich glaube nicht", räumte der Spanier nach dem Rennen in Suzuka erstmals ein. Bis zu diesem Wochenende hatte er immer wieder erklärt, er besitze noch Chancen auf seinen dritten Titel.

Damit ist es jetzt vorbei, zu wenig Grands Prix stehen noch aus. "Selbst wenn Sebastian bei allen vier Rennen ausfällt, müsste ich alle gewinnen", verrechnete sich Alonso: "Wir tun unser Bestes, aber es ist nur eine Frage der Zeit." Würde Vettel seinen Red Bull wirklich viermal in Folge nicht ins Ziel bringen, würden dem Ferrari-Star drei Siege und ein zweiter Platz reichen.

Stallregie schlägt fehl

Dabei half dem Spanier am Sonntag nicht mal die Stallregie von Ferrari für den Sprung aufs Podest. "Ja, es gab eine Order", bestätigte Felipe Massa die Anweisung. Der ausgebootete Brasilianer hielt sich aber nicht daran: "Wie ich schon mal gesagt habe, glaube ich nicht, dass das im Moment der richtige Zeitpunkt für Teamorder ist."

"Wir sollten daraus keine große Sache machen", bemühte sich Alonso um Beschwichtigung: "Was auch immer wir heute getan hätten, wir hätten das Rennen wohl auf denselben Plätzen beendet. Wir konnten nicht mehr erreichen."

Horner: "Es ist noch ein langer Weg"

Red Bull will von einer Vorentscheidung aber trotz der Überlegenheit immer noch nichts wissen. "Es sind noch immer vier Rennen und ein langer Weg. Wir können uns nicht auf andere, sondern nur auf uns selbst konzentrieren", so Teamchef Christian Horner.

Vettel: "Start so schlecht, wie er nur sein konnte"

Das klappte in Japan wie gewünscht. Zum ersten Mal seit dem zweiten WM-Lauf 2013 in Malaysia landeten beide Red-Bull-Piloten auf den ersten beiden Plätzen. Für den Sieg von Vettel brauchte es dieses Mal aber kein brachiales Überholmanöver entgegen der Anweisung des Teams.

Red Bulls Strategie-Split bringt doppelten Erfolg

Stattdessen brachte ein taktisches Meisterstück den Heppenheimer nach dem herausragend schlechten Start wieder nach vorn. Während Webber in Runde 25 zum zweiten Reifenwechsel hereinkam, hielt es Vettel zwölf Runden länger aus, bis er sich seinen dritten Reifensatz abholte. "Mark hat die Reifen schneller verbraucht als Sebastian und wir mussten ihn an die Box holen", begründete Teamchef Christian Horner die ungewöhnliche Entscheidung.

"Wir haben die Strategien an beiden Autos gesplittet: drei Stopps für Mark und zwei Stopps für Seb", erklärte Horner: "Beide Fahrer sind mit mutigen Manövern in Richtung Turn 1 an Romain vorbeigegangen und haben so die Strategie zum Funktionieren gebracht."

"Wir konzentrieren uns auf unsere Arbeit. Ich glaube, das haben wir die letzten vier Jahre immer so gemacht. Wir glauben ans uns", sagte Vettel und versuchte anschließend schnellstmöglich dem Thema Weltmeisterschaft auszuweichen: "Alles andere wird sich zeigen. Man soll den Tag nie vor dem Abend loben."

Ferrari orientiert sich nach hinten

So sehr sich der 26-Jährige auch bemüht, abkaufen kann ihm keiner, dass er nicht fest mit dem Titel rechnet. Zumal sich für Ferrari mittlerweile ganz andere Baustellen aufgetan haben.

"Wir werden in den noch ausstehenden Rennen beweisen, dass Ferrari nicht aufgibt, um Top-Platzierungen mitzukämpfen", kündigte Teamchef Stefano Domenicali Verbesserungen fürs Saisonfinale an.

Die sind auch nötig. In der Konstrukteurs-WM schickt sich Lotus an, Ferraris zweiten Platz zu gefährden. Vier Podestplätze können Romain Grosjean und Kimi Räikkönen in den letzten drei Rennen vorweisen, die Scuderia hat nur einen eingefahren. In der Gesamtwertung sind es nur noch 33 Punkte, die beide Rennställe trennen.

"Ich hatte gedacht, heute wäre der Tag meines ersten Siegs", erklärte Grosjean, nachdem er das Rennen 26 Runden angeführt hatte: "Leider war das Auto auf den harten Reifen nicht so wettbewerbsfähig." Die orange-markierte Pirelli-Mischung kommt allerdings erst wieder bei den letzten beiden Saisonrennen in Austin und Sao Paulo zum Einsatz.

Lauda: "Ärmel hochkrempeln"

"Wir müssen die Ärmel hochkrempeln", machte Niki Lauda deshalb Mercedes Druck. Weil Lewis Hamilton zum ersten Mal in seiner Mercedes-Ära ausfiel und Nico Rosberg nach einer Durchfahrtsstrafe nur Siebter wurde, sprach Motorsportdirektor Toto Wolff von einem "charakterbildenden Nachmittag".

"Rang vier war auf jeden Fall drin. Das wäre sehr wichtig gewesen, da Mercedes um die Konstrukteurs-WM kämpft und Ferrari heute geschwächelt hat - Lotus hingegen nicht", sagte Lauda, der nun befürchtet, dass die Silberpfeile trotz drei Saisonsiegen am Ende als Vierter der Herstellerwertung wertvolle Millionen aus dem Vermarktungstopf verlieren.

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