Formel 1

Kann Kimi Räikkönen den Pegel halten?

Von Alexander Maack
Kimi Räikkönen (M.) hat den ersten Grand Prix des Jahres 2013 gewonnen
© getty

Mit dem Großen Preis von Australien hat Kimi Räikkönen zum zweiten Mal in seiner Karriere das Auftaktrennen der Formel-1-Saison gewonnen. Schon 2007 fuhr er in Melbourne zum Sieg vor Fernando Alonso. Damals gewann der Finne die Weltmeisterschaft. Ein gutes Omen?

Der Funkspruch während der Auslaufrunde nach seinem 20. Sieg war ein typischer Räikkönen. Während sein Lotus-Team ihn mit Jubelchören feierte, antwortete Räikkönen lapidar: "Ich habe euch ja gesagt, wir haben ein gutes Auto." Auch auf dem Podium bot Räikkönen ein gewohntes Bild. Kühl, abgeklärt und ohne Freudenstrahlen beantwortete der 33-jährige Lotus-Pilot die Fragen von Interviewer und Ex-F1-Pilot Martin Brundle.

Dabei hätte der Finne mal wieder allen Grund zur Freude gehabt. Während das übrige Fahrerfeld das ganze Rennen über mit abbauenden Reifen kämpfte, fuhr Räikkönen drei Runden vor Schluss eine neue absolute Bestzeit. "Ich wollte einfach sicherstellen, dass wir einen etwas größeren Vorsprung haben, falls der Regen kommt oder Probleme auftreten", spielte der Finne seinen Parforceritt herunter. Räikkönen war der einzige der zwölf erstplatzierten Fahrer, der lediglich zwei Mal neue Reifen holen musste.

Allgemeines Lob für den Iceman

Die Konkurrenz blickte neidisch und etwas verwundert auf den überlegenen Finnen. "Wir waren am Ende nicht dazu in der Lage, das Rennen zu gewinnen. Kimi war fantastisch", lobte Vizeweltmeister Alonso, der mit seinem zweiten Platz das selbstgesteckte Ziel erreichte.

Ging der Spanier 2012 noch als Zwölfter ins Rennen, startete er in diesem Jahr immerhin als Fünfter. Während der 58 Runden war die Scuderia zudem plötzlich deutlich schneller als Red Bull. "Sie hatten in allen Trainingssessions und im Qualifying einen großen Abstand und wir haben erwartet, dass sie auch im Rennen Erster und Zweiter werden", zeigte sich Alonso überrascht.

Statt weiter mit Dominanz zu überzeugen und die Doppel-Pole von Sebastian Vettel und Mark Webber in einen Doppelsieg umzuwandeln, kämpfte das österreichische Weltmeisterteam mit stärker abbauenden Reifen.

"Sebastian hatte mehr Probleme mit den Reifen als Mark. Das ist ungewöhnlich", wunderte sich Teamchef Christian Horner. Den deutschen Weltmeister beunruhigt das jedoch nicht. "Wir waren im Rennen nur die dritte Kraft und freuen uns über Platz drei", sagte Vettel: "Manchmal muss man auch zugeben, dass Andere schneller waren."

Räikkönen fährt kontrolliert zur Führung

Im Gegensatz zu Vettel fuhr Räikkönen über die gesamte Renndistanz außerordentlich konstant. Von Platz sieben ins Rennen gehend gewann er durch den schlechten Start von Mark Webber im Red Bull einen Rang und schonte durch einen kontrollierten Fahrstil seine Reifen. Dennoch attackierte Räikkönen den langsamen Lewis Hamilton: Bereits in der zweiten Runde zog der Finne außen am Mercedes-Piloten vorbei und übernahm Position vier.

Als die meisten Piloten schon zum zweiten Mal in die Box kamen, fuhr Räikkönen einfach weiter. "Es geht, weil das Design des Autos und das Setup es zulassen. Das war schon im vergangenen Jahr unsere Stärke", erklärte Teamchef Eric Boullier bei "RTL". In der 23. Runde übernahm Räikkönen dadurch erstmals die Führung und kam nach 25 Runden auf den Medium-Slicks erst zu seinem zweiten Stopp an die Box, als schon fast 60 Prozent der Renndistanz absolviert waren.

Wie schwierig diese Taktik war, bewiesen die Silberpfeile. Zwar wollte auch Mercedes seine Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton mit einer Zwei-Stopp-Strategie weit nach vorne bringen, das Vorhaben scheiterte aber durch den Ausfall des Deutschen und die Vehemenz, mit der sich Hamilton gegen das Überholmanöver von Fernando Alonso wehrte.

Größte Rennintelligenz gewinnt Saisonauftakt

Räikkönen war intelligenter. Er fuhr konstant schnell, ohne die Reifen zu stark zu beanspruchen. Als er den bei seinem Comeback nach einjähriger Pause überzeugenden Force-India-Rückkehrer Adrian Sutil in der 43. Runde schließlich ohne Probleme überholte, war abzusehen, dass Lotus der zweite Sieg in der jüngeren Teamgeschichte nicht mehr zu nehmen sein würde.

Der Erfolg ist in mehrfacher Hinsicht ein Triumph. Das Team kann sich schon jetzt über ein gelungenes Auto freuen. Kämpfte Lotus in den letzten Jahren noch mit einzelnen Bauteilen, die nicht in das Gesamtkonzept passten, scheint in diesem Jahr alles stimmig. Die guten Zeiten von Romain Grosjean im Regen am Samstag bewiesen zudem, dass das Auto 2013 auch unter schwierigen Bedingungen fahrbar ist.

Außerdem wirkte sich die Personalrochade im Winter nicht negativ aus. Räikkönens letztjähriger Renningenieur Simon Rennie hatte sich im Januar zu Red Bull verabschiedet, um dort Webber zu betreuen. Beim Sieg des Finnen in Abu Dhabi erntete Rennie für seine Ratschläge die mittlerweile Kult gewordene Antwort: "Lass mich in Ruhe. Ich weiß schon, was ich tue." Im Gegenzug wechselte der bisherige Ingenieur des Australiers, Ciaron Pilbeam, als Chefingenieur zur Truppe aus Enstone.

Räikkönen zieht mit Häkkinen gleich

Mit dem Triumph in Australien ist Räikkönen nun nach Rennsiegen mit seinem Landsmann Mika Häkkinen gleichgezogen. Der gewann 1998 und 1999 zweimal den WM-Titel. Auch diese Zahl will Räikkönen in diesem Jahr einstellen. "Wir freuen uns über diesen Sieg. Aber es ist noch viel zu tun, wenn man die WM gewinnen will", so Räikkönen, der noch eine Kampfansage für die Konkurrenten übrig hatte: "Wir hätten auch schneller fahren können. Das war einer der leichtesten Siege. Ich zählte nur noch die Runden herunter."

Ob Lotus schon am nächsten Sonntag in Malaysia einen weiteren Schritt geht und den nächsten Sieg verbucht? So optimistisch wie der Iceman ist nicht das komplette Team. "Das wissen wir nicht", antwortete Boullier. "Das einzige, was wir wissen, ist, dass wir nichts wissen." Einen Favoriten festzulegen, wäre nach dem Rennen im Albert Park zu früh.

Zudem warf das schlechte Abschneiden von Räikkönens Teamkollege Romain Grosjean ein zwiespältiges Licht auf die Performance des Teams. "Etwas an meinem Auto fühlte sich falsch an", sagte der Franzose, der Zehnter wurde: "Ich muss mich mit dem Team hinsetzen und analysieren, wo das herkam." Grosjean kämpfte mit Balance-Problemen, dabei hatte er beim Abschlusstraining am Samstag noch bei Trockenheit und Regen die Bestzeiten aufgestellt.

"Am Freitag war das Tempo bei einigen Teams ein ganz anderes als im Rennen", erklärte auch Pilbeam. Zu speziell war die Strecke, zu wenig aerodynamischer Grip wurde gefordert, zu kurios waren die Wetterbedingungen im Albert Park. Dass die Meteorologen in Kuala Lumpur am Samstag aktuell eine Regenwahrscheinlichkeit von 60 Prozent berechnen und leichtes Gewitter prognostizieren, könnte Lotus nach den Erfahrungen dieses Wochenendes zumindest gefallen.

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