Tief entspannt auf Rekordjagd

Donnerstag, 31.10.2013 | 15:39 Uhr
Sebastian Vettel geht die Jagd nach weiteren Rekorden nach seinem vierten WM-Titel ruhig an
© getty
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Vom grünen Garten mit voller Energie in die Wüste von Abu Dhabi: Nach dem Gewinn seines vierten WM-Titels in Serie hat sich Sebastian Vettel mit glanzloser Gartenarbeit entspannt. Jetzt ist er voll motiviert, weitere Rekorde von Michael Schumacher zu attackieren.

Nachdem sich der 26-Jährige am vergangenen Sonntag zum mit Abstand jüngsten Vierfach-Champion der Geschichte gekrönt hatte, verzichtete der Red-Bull-Star auf ein Luxus-Dinner oder anderen abgehobenen Firlefanz. "Ich habe es genossen, dass es ein bisschen ruhiger war. Die Leute werden sich kaputt lachen, aber ich habe erst einmal Rasen gemäht", sagte Vettel vor dem Großen Preis von Abu Dhabi: "Ich habe nicht viel nachgedacht und mit einem Dauergrinsen im Gesicht die Zeit und das schöne Wetter genossen."

Doch am Montag lag der Champion nach einer kurzen, aber offenbar umso härteren WM-Party erst einmal mit Kater im Bett. "Mir war relativ übel nach dem Sonntag. Nach dem Rennen hatten wir noch ein bisschen Spaß an der Hotelbar", verriet Vettel mit seinem typischen spitzbübischen Grinsen im Gesicht: "Das waren zu viele Drinks in einer zu kurzen Zeitspanne. Da musste ich erst einmal wieder fit werden."

Doch seine Konkurrenten um Mercedes-Pilot Lewis Hamilton und Ferrari-Star Fernando Alonso dürfen nicht hoffen, dass Vettel nach sechs Siegen in Serie, zehn in dieser Saison und seiner erfolgreichen Titelverteidigung nun die Füße hochlegen wird. "Ich liebe, was ich mache, liebe den Wettbewerb", sagte der Heppenheimer: "Wenn ich die Möglichkeit habe, will ich gewinnen."

Vettels Rekordjagd geht weiter

Im 17. von 19 Saisonrennen jagt Vettel weiter zwei Bestmarken von Rekordweltmeister Schumacher. Der 44 Jahre alte Kerpener hatte 2004 die ersten sieben Rennen der Saison und insgesamt 13 gewonnen. Shooting-Star Vettel kann seine beeindruckende Serie in Abu Dhabi und danach noch bei den Rennen in Austin (USA) und beim Saisonfinale in São Paulo (Brasilien) ausbauen und den Schumacher-Rekord einstellen.

Zwar gewann Alberto Ascari gewann in den 50er Jahren neun F1-Rennen in Folge, damals zählten aber auch die 500 Meilen von Indianapolis zur Weltmeisterschaft. Dort trat Ferrari wie die übrigen Formel-1-Teams nicht an. Die Serie des Italieners endete also streng genommen nach sieben Siegen.

Vettel und Red Bull scheinen aktuell nur durch technische Defekte schlagbar."Er hat einen unglaublichen Job gemacht und die Latte ziemlich hochgelegt", lobte Lewis Hamilton den Vierfachweltmeister. Der Brite war in Ungarn der letzte Pilot, der Vettel einen Sieg streitig machen konnte.

FIA untersuchte Legalität des Red Bull

Die Überlegenheit hat unterdessen abermals Kritiker auf den Plan gerufen. Der frühere Stewart-Chefingenieur Gary Anderson deutete an, dass Red Bull mit einem illegalen Auto fährt. Sowohl beim Team aus Milton Keynes als auch bei Mercedes schleift das vordere Ende des Unterbodens fast dauerhaft auf dem Asphalt. Anderson vermutete, dass Red Bull ein hitzeempfindliches Material einsetzt, durch das sich das vordere Ende nach oben biegt.

Die FIA ging dem Vorwurf laut einem Bericht von "Auto Motor und Sport" nach. Das Reglement schreibt vor, dass der Unterboden der Formel-1-Autos plan ist. Jo Bauer untersuchte demnach Vettels Auto und erhitzte die vordere Kufe auf 300 Grad Celsius und verwies die Verschwörungstheorie ins Reich der Fabeln. Der Unterboden bog sich nicht.

Somit bleibt der Rennstall mit österreichischer Lizenz auch in Abu Dhabi der eindeutige Favorit. Der Abstand könnte sogar noch größer werden. Auf dem 5,554 Kilometer langen Yas Marina Circuit ist die größte Stärke des Red Bull gefragt: Traktion.

Mercedes attackiert für Platz zwei

Abgesehen von den zwei langen Geraden ähnelt der Kurs dem Hungaroring in der Nähe von Budapest. Die Autos werden deshalb auf maximalen Abtrieb ausgelegt. Das kommt auch Mercedes entgegen: Lewis Hamilton und Nico Rosberg gewannen 2013 die Stop-and-Go-Fahrten in Monaco und Ungarn. "Noch sind drei Rennen in dieser Saison zu fahren und wir geben weiter Vollgas: Unser Team kann im Saisonendspurt noch viel erreichen", kündigte Lewis Hamilton an.

Ein weiterer Erfolg käme wie gerufen. In Indien haben die Silberpfeile Ferrari Platz zwei bei den Konstrukteuren wieder abgenommen. "Jeder in unserem Team weiß, dass der Kampf um den zweiten Platz in der Konstrukteurswertung bis zum letzten Rennen andauern wird und wir sind bereit dafür", gab sich auch Motorsportdirektor Toto Wolff kampflustig.

Die Scuderia hat die Saison dagegen nun vollends abgehakt. Es zählt allein der WM-Titel 2014. "Red Bull hat in den letzten vier Jahre die Formel 1 dominiert, deshalb müssen wir einen besseren Job als in den letzten vier Jahren machen. Wir wollen gewinnen, deshalb heißt es jetzt ranklotzen", erklärte Fernando Alonso.

Nicht mal auf Wetterkapriolen kann der Spanier hoffen beim Kampf um Platz zwei hoffen. Regen ist laut den Meteorologen ausgeschlossen. Der Start am Sonntag erfolgt bei über 30 Grad, wobei die Temperaturen während des Rennens um etwa 15 Grad Celsius sinken und somit den Grip reduzieren.

Eskaliert der Lotus-Zoff?

Damit kam im Vorjahr Kimi Räikkönen am besten zu Recht und steuerte seinen Lotus erstmals seit seinem Comeback zu Jahresbeginn zum Sieg. Die Beziehung ist aber Bestätigung des Iceman-Engagements bei Ferrari gestört. In Delhi wurde Räikkönen vom Team angebrüllt, weil er sich gegen Teamkollege Romain Grosjean auf abgefahrenen Reifen hart verteidigte.

"Im Nachhinein betrachtet hätte man Kimi das auch weniger emotional sagen können. Wir waren in diesem Moment einfach sehr angespannt, aber einige der Worte, die da verwendet wurden, waren einfach nicht angemessen", gab Teamchef Eric Boullier zu.

Als Reaktion ließ Räikkönen am Donnerstag in Abu Dhabi sämtliche Medientermine aus. Das Team konnte keinen Grund für seine Abwesenheit nennen. Auch Nico Hülkenberg fehlte. Der Emmericher hatte aber einen guten Grund: Er hat sich in Indien einen Magen-Darm-Virus eingefangen und versucht rechtzeitig wieder gesund zu werden.

Der WM-Stand im Überblick

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