Formel 1

Ein Roter stiehlt Hamilton die Show

SID
Fernando Alonso belegte im Rennen in Abu Dhabi in seinem Ferrari den zweiten Platz
© Getty

Auch in der Formel-1-Saison 2011 bewertet SPOX-Redakteur Alexander Mey nach jedem Grand Prix die fahrerischen Leistungen der Piloten und stellt sein persönliches Driver-Ranking auf. Teil 18: Abu Dhabi-GP.

Mein vorletztes Ranking der Saison sieht ausnahmsweise mal keinen Sebastian Vettel auf dem Podium. Den Sieg gebe ich nicht Lewis Hamilton, da ich Fernando Alonsos Leistung mit dem schwächeren Auto noch besser fand. Der Kampf um Platz zwei der Gesamtwertung zwischen Alonso und Button bleibt offen.

Meine Wertung für den Abu Dhabi-GP:

Platz 1, Fernando Alonso: Wenn die Ferrari-Bosse Alonso feiern und er selbst nach einem zweiten Platz so restlos zufrieden aussieht wie in der Pressekonferenz nach dem Rennen, dann muss ihm etwas Außergewöhnliches gelungen sein. Offensichtlich war der Ferrari dem McLaren und dem Red Bull deutlicher unterlegen, als es das Ergebnis ausgedrückt hat. Nur 8,5 Sekunden haben Alonso letztlich zu Sieger Hamilton gefehlt, damit war nach Platz fünf im auch schon guten Qualifying nicht unbedingt zu rechnen. Alonso ist nach eigener Aussage jede Runde im Rennen wie eine Quali gefahren, und das, ohne den geringsten Fehler zu machen. Dazu kam sein starkes und wichtiges Manöver gegen Button in der ersten Runde, das ihm Platz zwei frühzeitig sicherte. 42 Sekunden Vorsprung auf Teamkollege Massa zeigen, dass allein Alonso das Podium herausgeholt hat, nicht das Auto. Das will ich belohnen.

Platz 2, Lewis Hamilton: Er hat fraglos vom Ausfall von Vettel am meisten profitiert und niemand weiß, ob er das Rennen im direkten Duell gegen Vettel auch gewonnen hätte. Aber es war auf jeden Fall sein bestes Rennwochenende seit langem. Die Trainings hat er dominiert, im Qualifying hat er nur die entscheidende letzte Runde gegen Vettel nicht perfekt hinbekommen. Sein Rennen war dominant und fehlerlos. Allein das sorgte bei Hamilton schon für große Erleichterung.

Platz 3, Jenson Button: Ihm ist ganz hoch anzurechnen, dass er es ohne KERS geschafft hat, Webber das halbe Rennen lang einen großartigen Kampf zu liefern. Nur seiner tollen Verteidigung ist es zu verdanken, dass der Red-Bull-Pilot nicht genügend Vorsprung herausfahren konnte, um mit seiner Strategie aufs Podium zu klettern. Buttons großer Rückstand auf Hamilton ist ausschließlich durch seine technischen Probleme und die zahlreichen Zweikämpfe zu erklären. Daher sehe ich beide McLaren-Piloten nahezu gleichauf. Hamiltons etwas besserer Speed in Training und Qualifying gibt den Ausschlag.

Platz 4, Mark Webber: Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er nach dem wieder einmal nicht optimalen Start nicht gekämpft hätte wie ein Löwe. Er hat für die meiste Rennaction gesorgt, aber beim Überholen manchmal unter dem fehlenden Top-Speed seines Red Bull gelitten. Sein Speed am Ende mit den frischen Reifen war beeindruckend, aber das Podium hat ihn seine Boxencrew gekostet. Da fällt der übermächtige Vettel einmal aus, und Webber kann die Chance zu glänzen trotzdem nicht nutzen. Er ist und bleibt eine der traurigen Gestalten der Saison.

Platz 5, Sebastian Vettel: Mit seiner Platzierung habe ich mich sehr schwer getan. Mir ist natürlich klar, dass er, hätte er das Rennen beenden können, den Speed gehabt hätte, um zu gewinnen. Sein überragendes Qualifying und sein Blitzstart haben das eindrucksvoll gezeigt. Aber ich kann kein Rennen bewerten, das er nicht gefahren ist. Von daher habe ich mich gegen einen Podestplatz für ihn entschieden. Wie in der Wirklichkeit spielt es auch hier für seinen Gesamtsieg ohnehin keine Rolle mehr.

Platz 6, Adrian Sutil: Ein ganz starkes Wochenende von ihm, wie ich finde. Vor allem, wenn man den Druck bedenkt, unter dem er steht. Wer kann schon seine Bestleistung bringen, wenn seine Zukunft in den Sternen steht? Sutil hat es getan. Sowohl mit Platz neun im Qualifying als auch mit dem starken achten Platz im Rennen. Ein paar Runden mehr und er hätte sogar Schumacher noch knacken können. Mehr als in Abu Dhabi kann Sutil nicht für seine Weiterbeschäftigung tun. Der Rest hat nichts mehr mit fahrerischem Können zu tun.

Platz 7, Nico Rosberg: Weiter geht's im Deutschland-Pack. Zu Nico Rosberg fällt mir nicht mehr viel Neues ein. Er war im Qualifying stark unterwegs, hat es aber in der letzten Runde verpasst, Massa zu überholen. Im Rennen lieferte er sich einen tollen Zweikampf mit Schumacher, der beinhart, aber fair war. Wiederum hätte er fast Massa eingeholt, aber eben nur fast. Frappierend war, wie viel schneller er diesmal war als Schumacher. Das war im Qualifying rund eine Sekunde.

Platz 8, Rubens Barrichello: Der alte Mann hat es in seinem vielleicht vorletzten Rennen noch einmal gezeigt: Er kann es noch. Nach seinem großen Pech im Qualifying ist er vom letzten Startplatz aus ein sehr beherztes Rennen gefahren. Zwischenzeitlich sah es sogar einmal danach aus, als hätte er Chancen auf einen WM-Punkt, aber am Ende reichte es nur zu Rang zwölf. In einem Williams trotzdem eine beachtliche Aufholjagd.

Platz 9, Kamui Kobayashi: Auch der Japaner kam im Rennen nach schwachem 16. Platz im Qualifying weit nach vorne. Im Kampf um den letzten WM-Punkt ging er sogar noch an Sauber-Kollege Perez vorbei und belohnte sich für sein starkes Rennen.

Platz 10, Michael Schumacher: Vom reinen Speed her war er von Rosberg sehr weit weg. Das muss sich auch in der Platzierung im Ranking niederschlagen, obwohl ihm in Sachen Platzierungen am Wochenende nichts vorzuwerfen ist. Er hat sich sowohl im Qualifying als auch im Rennen hinter Rosberg gehalten. Wie schon bei Rosberg erwähnt, war der Kampf der beiden Mercedes-Piloten in Runde eins eine Augenweide.

Härtefall, Felipe Massa: Der Rückstand auf Alonso war erneut frappierend. Auf den weichen Reifen ging es noch halbwegs, aber auf der Medium-Mischung fiel Massa dafür umso gnadenloser ab. Massa schiebt seine Leistung auf den nicht einsatzbereiten neuen Frontflügel und generell auf die bösen harten Reifen. Das kann es aber nicht sein, denn da draußen sind schließlich noch 23 andere, die mit den Reifen besser zurechtkommen als er. Sein Dreher, der ihn fast noch den Platz gegen Rosberg gekostet hätte, war die Krönung einer erneuten Demonstration der Unterlegenheit gegen Teamkollege Alonso.

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

Meine Punkte für das Abu Dhabi-Wochenende:

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