Formel 1

Formel 1: Ferrari findet keine Lösungen - Rosberg fordert Personalwechsel

Von SID/SPOX
Nico Rosberg fordert einen Personalwechsel bei Ferrari.

Das Beste war noch das Ergebnis: Sebastian Vettel und Ferrari hinken in der Formel 1 ihren Ansprüchen weiter klar hinterher. Nico Rosberg kritisiert das Konzept der Scuderia und fordert Personalveränderungen.

Vettel will seine Lina doch einfach nur "glücklich machen". Der Ferrari-Star und sein Team kommen aber nach wie vor nicht dahinter, wie die Reifen beim aktuellen Auto konstant auf die richtige Temperatur zu bringen sind. Und so verließ Vettel das mondäne Fürstentum Monaco zwar mit dem zweiten Platz im Gepäck - doch die glücklichen Umstände, wie dieser zustande kam, wollte der Heppenheimer keineswegs unterschlagen.

"Zufrieden bin ich, aber nicht komplett zufrieden. Wir sind immer noch nicht da, wo wir sein wollen", sagte der viermalige Weltmeister: "Das Ergebnis nehmen wir mit, aber wir haben hauptsächlich von den Fehlern der anderen profitiert."

Die üblicherweise so kritikfreudigen italienischen Gazetten hielten sich am Tag danach auffallend zurück. "Dieses Auto erlaubt es ihm (Vettel, d. Red.) nur, die zweite Geige zu spielen", schrieb die Gazzetta dello Sport, und der Corriere dello Sport stellte fast schon resignierend fest: "Einen Sieg Ferraris zu beanspruchen, ist zu viel verlangt."

Nico Rosberg: "Das Auto hat ein komplett falsches Konzept"

Nico Rosberg lieferte bei RTL einen Erklärungsversuch: "Das Auto hat ein komplett falsches Konzept. Sie haben nur darauf hingearbeitet, dass sie schnell auf den Geraden sind. Sie haben viel zu wenig Downforce in den Kurven. Und eine Konzeptänderung dauert meist Monate." Das weiß auch Ferrari-Teamchef Mattia Binotto, der bestätigte, dass sein Team ohnehin bereits am Wagen für die kommende Saison arbeite.

Bis dahin sammelt Ferrari wohl nur Einzelerfolge. Dabei wäre Vettel in Monaco beinahe noch zum ganz großen Nutznießer geworden: In der dramatischen Schlussphase der Hetzjagd durch die Straßen Monte Carlos griff der vor ihm fahrende Max Verstappen (Niederlande) den führenden Weltmeister Lewis Hamilton mit der Brechstange an. Der Frontflügel von Verstappens Red Bull berührte den Hinterreifen des Mercedes, oft genug ist in solch einer Situation ein Pneu geplatzt. Außerdem hatte Verstappen ja noch eine Fünf-Sekunden-Strafe zu verbüßen, wodurch Vettel ziemlich sicher den Sieg abgestaubt hätte.

Doch das wäre wohl zu viel des Guten gewesen und hätte die Probleme des Rekordweltmeister-Teams übertüncht. Der sechste WM-Lauf, der Mercedes durch WM-Spitzenreiter Hamilton (137 Punkte) den sechsten Sieg brachte, deckte nämlich gleich zwei Ferrari-Großbaustellen unbarmherzig auf: die Technik und die Taktik.

Nico Rosberg fordert Personalwechsel bei Ferrari

Vettels Teamkollege Charles Leclerc wurde bei seinem Heimspiel im Qualifying am Samstag ins Verderben geschickt. Durch eine eklatante Fehlkalkulation der Ferrari-Strategen schied der 21-Jährige schon im Q1 aus. Leclerc tobte, Teamchef Mattia Binotto kroch öffentlich zu Kreuze, sprach seinem Personal aber das Vertrauen aus. Die Technik-Tools müssten anders interpretiert werden, so der Italiener.

Rosberg wurde deutlicher: "Das gibt es nicht. Fehler in dieser Form darf man sich nicht erlauben." Der Weltmeister von 2016 forderte gar personelle Wechsel: "Der Ingenieur guckt noch nicht einmal aus dem Fenster. Der guckt nur in seine Zahlen auf dem Computer."

Die taktischen Probleme sind vielleicht kurzfristig zu beheben, doch beim Abstellen der Schwächen in langsamen Kurven sowie beim Treffen des vielzitierten Reifenfensters stochert Ferrari weiter im Trüben. "Wir haben da viel Arbeit vor uns", sagte Vettel, der sich mit seinem besten Saisonergebnis zwar auf WM-Rang drei verbesserte, aber angesichts von bereits 55 Punkten Rückstand auf Hamilton und 14 Rennen ohne Sieg wohl nur noch theoretische Titelchancen hat.

Lewis Hamilton droht: Kann noch eine Schippe drauflegen

Für ein wenig gute Laune sorgt zumindest die Aussicht auf das nächste Rennen in Montreal am 9. Juni. Der Circuit Gilles Villeneuve mit seinen langen Geraden "könnte uns besser liegen", sagte Vettel. Allerdings, betonte der 31-Jährige, sei Mercedes "das Maß der Dinge".

Das Weltmeisterteam, das in Monaco selbst die Nachricht vom Tod seines Team-Aufsichtsrats Niki Lauda wegsteckte, mache "keine Fehler", attestierte Vettel. Und auch Binotto wollte die Erwartungen nicht zu hoch schrauben: "Wir fahren mit dem gleichen Auto nach Kanada. Wir haben keine magische Lösung. Wir haben nur eine andere Strecke, andere Reifen, andere äußere Bedingungen."

Wie eine Drohung in den Ohren aller Ferraristi muss allerdings klingen, was Hamilton nach seinem 77. Grand-Prix-Sieg beinahe beiläufig fallen ließ. "Die ersten sechs Rennen waren fahrerisch eher durchschnittlich von mir", richtete der Champion aus. Aber der guten Ordnung halber sei erwähnt, dass er ja in Monaco nicht alleine unterwegs war. Im härtesten Rennen von Hamiltons Karriere, stellte die englische Sun fest, "war Niki Lauda der spirituelle Beifahrer in seinem Cockpit".

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