Formel 1

Formel 1 - Ferrari-Pleite beim Australien-GP: Alarmstufe Doppelrot

Sebastian Vettel wurde beim Großen Preis von Australien Vierter.

Die Formel-1-Saison 2019 hat gerade erst begonnen, doch schon herrscht im Ferrari-Lager Krisenstimmung. Beim Großen Preis von Australien war Sebastian Vettel nicht nur gegen Mercedes und Max Verstappen chancenlos, sondern ließ auch den neuen Teamkollegen Charles Leclerc nur dank einer Stallorder hinter sich.

0,704 Sekunden fehlten Sebastian Vettel auf die Pole-Zeit von Lewis Hamilton. In der Formel 1 ohnehin eine Welt, an diesem Samstag aber eine noch viel größere. Immerhin war Ferrari nach den überzeugenden Winter-Testfahrten als Favorit nach Australien gereist. Doch der Eindruck aus den Freien Trainings bestätigte sich im Qualifying: Mercedes hat Konkurrenz und Experten getäuscht. Anstatt ins Mittelfeld abzurutschen, wie manch ein Pessimist schon prognostizierte, präsentierten sich die Silberpfeile erneut als das Team, das es zu schlagen gilt.

Trotzdem hatte Vettel am Samstag stets ein Lächeln im Gesicht. Er wirkte wenig geschockt vom Mercedes-Hammer und trat vielmehr mit einer ungewohnten Lockerheit auf. Ja, es schien, als habe der Heppenheimer keine allzu großen Probleme mit dem großen Rückstand auf Mercedes.

Immerhin fehlten auch im vergangenen Jahr fast sieben Zehntel auf Hamilton, als es um die Startplatzvergabe ging. Der spätere Rennsieger damals: Vettel. Der viermalige Weltmeister wusste also, dass eine schlechte Qualifikation im Albert Park nichts Schlechtes für den Sonntag heißen muss.

Sebastian Vettel klagt: "Waren einfach nicht schnell genug"

Diesmal jedoch konnte er nicht auf sein Rennglück bauen. Vettel beendete den Auftakt in die diesjährige Saison auf dem vierten Platz - der Traum vom Podium oder gar von einem möglichen Sieg war dabei schneller ausgeträumt, als er sich das wohl vorstellen konnte.

"Ich hatte unheimlich zu kämpfen, weil ich nicht den Speed hatte", klagte Vettel nach dem verpassten Podium bei RTL: "Wir waren einfach nicht schnell genug." Dass das Tempo nicht für eine Champagnerdusche reichte, stellte er dabei schon nach 43 von 58 Runden fest. "Warum sind wir so langsam?", fragte er verwundert in Richtung Kommandostand. Die wenig hilfreiche Antwort seines Renningenieurs Riccardo Adami: "Wir wissen es im Moment nicht."

Diese zumindest nach außen kommunizierte Ratlosigkeit hetzt nicht nur die italienische Presse auf Ferrari, sondern zeigt noch etwas ganz anderes: Die Scuderia hat sich verzockt. Anstatt als Titelkandidat Nummer eins in die nächsten Rennen zu gehen, herrscht bei den Italienern Alarmstufe Rot. Wenn nicht sogar Doppelrot.

Ferrari mit Stallorder: Leclerc darf Vettel nicht überholen

Denn nicht nur, dass Ferrari Stand jetzt hinter Mercedes und Red Bull dritte Kraft ist, man wird sich auch mit Kritik an der vollzogenen Stallorder auseinandersetzen müssen. Doch der Reihe nach: Während Vettel Hamilton im ersten Stint noch einigermaßen folgen konnte und den Abstand nie viel größer als drei Sekunden werden ließ, riss die Lücke nach dem Boxenstopp immer weiter auf. Vettel fuhr auf den Mediumreifen so langsam, dass Max Verstappen in Windeseile aufholte. Als der Niederländer schließlich zur Attacke ansetzte, kämpfte Vettel mit stumpfen Waffen. Wehrlos musste er den Red Bull ziehen lassen.

Als die Rundenzeiten des 52-maligen GP-Siegers auch im Anschluss nicht besser wurden, brachte selbst Kevin Magnussen im eigentlich unterlegenen Haas schnellere Rundenzeiten auf die Anzeigetafel. Und: Charles Leclerc holte mit Siebenmeilenstiefeln auf.

Der Monegasse verkürzte mit frischeren und härteren Reifen den Rückstand von mehreren auf nicht mal eine Sekunde. Dank DRS hätte er seinen neuen Stallgefährten mit Leichtigkeit überholt, doch zu einem Überholmanöver kam es nicht. Warum? Das deutete Vettel später nur vorsichtig an: "Ich hatte unheimlich zu kämpfen und wusste, dass Charles schneller ist. Unter normalen Bedingungen wäre er durch. Ich hätte nicht groß dagegenhalten können, weil ich die Pace nicht hatte."

Die Stallorder, welche eigentlich schon während des Rennens offensichtlich war, bestätigte Leclerc dann mit deutlicheren Worten. "Das Team hat entschieden, dass wir die Positionen halten, weil nach vorne nichts mehr gegangen wäre", so der 21-Jährige, der sich dem Wunsch seines Arbeitgebers ohne Diskussionen beugte.

Reifen machen Sebastian Vettel Probleme

Die Saison könnte nicht jünger sein, da setzt Ferrari schon ein erstes Ausrufezeichen. Zwar nicht in Sachen Speed, aber im Umgang mit seinen Fahrern. Eine Tatsache, die viele mit Argwohn zur Kenntnis nehmen werden.

Dass Vettel als Nummer-1-Pilot das Vertrauen seines Teams spürt, dürfte ihn dabei zwar beruhigen, seinen Frust über das verkorkste Wochenende aber nur bedingt schmälern. "Wir hatten kein Problem", stellte er mit einigen Fragezeichen im Gesicht fest: "Wir waren einfach nicht schnell genug. Wir wissen noch nicht, warum. Wir haben uns schwer getan, die Reifen zu Ende zu bringen. Und wenn kein Grip da ist, kann ich nicht viel machen. Irgendetwas haben wir verpasst. Ich habe nur noch versucht, das Auto nach Hause zu bringen."

Für alle Tifosi bleibt nun zu hoffen, dass Ferrari seine Probleme schnell in den Griff bekommt. Ob das gelingt? "Ferrari hat auf jeden Fall Hausaufgaben zu machen", äußerte sich Sky-Experte Ralf Schumacher skeptisch bezüglich einer schnellen Trendwende. Zwischen den Rennen könne "man nur schwer etwas machen", sollte ein größerer Fehlgriff zugrundeliegen.

Ferrari: Australien-Schlappe nur ein Ausrutscher?

Mehr Hoffnung macht da ausgerechnet Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, der in Formel-1-Kreisen allerdings auch nicht gerade dafür bekannt ist, Gegner kleinzureden: "Ferrari ist beim Set-up in die falsche Gasse abgebogen. Ihre Pace aus Barcelona hat etwas anderes ausgesagt. Bahrain wird ganz anders. Eine andere Strecke, andere Temperaturen."

Tatsächlich hatte Melbourne in der Vergangenheit nicht immer die größte Aussagekraft für den restlichen Saisonverlauf. Mit Blick auf den überlegenen Sieg von Valtteri Bottas und die Tatsache, dass Hamilton von einem Schaden am Unterboden eingebremst wurde, wird es Vettel an diesem Sonntag jedoch schwerfallen, in seinem fünften Jahr mit Ferrari an den ersten Titel zu glauben. Sein wohl größter Hoffnungsschimmer: Die Saison ist noch jung.

Australien-GP: Das Rennergebnis

PlatzFahrerTeamZeit
1Valtteri Bottas (Finnland)Mercedes1:25:27,325
2Lewis Hamilton (England)Mercedes+0:20,886
3Max Verstappen (Niederlande)Red Bull+0:22,520
4Sebastian Vettel (Deutschland)Ferrari+0:57,109
5Charles Leclerc (Monaco)Ferrari+0:58,230
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung