Formel 1

Formel 1 - Kommentar zu Lewis Hamiltons 5. WM-Titel: Mehr als Michael Schumachers Erbe

Lewis Hamilton hat fünf Weltmeistertitel auf seinem Formel-1-Konto.
© getty

Lewis Hamilton ist nach dem Großen Preis von Mexiko fünfmaliger Formel-1-Weltmeister. Damit steht er offiziell auf einer Stufe mit Legende Juan Manuel Fangio, doch im Fokus des Mercedes-Piloten befinden sich schon längst Michael Schumachers Rekorde. Zu Recht. Denn Hamilton ist mit dem siebenfachen Champion ebenbürtig - wenn nicht sogar mehr. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Dominik Geißler.

Als Lewis Hamilton elf Jahre alt war, traf er den damaligen McLaren-Boss Ron Dennis auf einer Gala und versprach: "Eines Tages fahre ich für Sie!" Dass der langjährige Teamchef die Worte dieses kleinen, vorlauten Buben damals ernst genommen hat, darf bezweifelt werden. Doch Hamiltons Ankündigung zeigt: Schon im Kartfahr-Alter hatte er genug Selbstbewusstsein für die Königsklasse des Motorsports. Er war sich sicher, dass der Weg ihn eines Tages ganz nach oben führen wird.

Dass er sich aber 22 Jahre später fünfmaliger Formel-1-Weltmeister nennen darf, das hatte selbst Hamilton nicht zu glauben vermocht. "Nicht in einer Million Jahre. Ich fühle mich geschmeichelt ob dieser Erfahrung", sagte er nach dem Titelgewinn in Mexiko sichtlich berührt.

Es ist eine Erfahrung, die vor ihm nur zwei weiteren Fahrern zuteil wurde: Alfa- und Mercedes-Pilot Juan Manuel Fangio, der in den 1950er-Jahren zu fünf Weltmeisterschaften fuhr und, natürlich, Michael Schumacher. Lange Zeit schienen die von Fangio erreichten Erfolge dabei uneinholbar - Jackie Stewart, Niki Lauda, Alain Prost, sie alle scheiterten an den Uralt-Rekorden. Erst Schumacher egalisierte und übertraf schließlich die Werte der argentinischen Legende mit seinem sechsten und siebten Titel. Von da an galten seine Errungenschaften wiederum als Bestmarken für die Ewigkeit.

Schumachers Rekorde für Hamilton in Reichweite

Diese Ewigkeit könnte Hamilton nun zerbrechen. Mit 33 Jahren ist er genauso alt wie Schumacher es bei seinem fünften Titel war. Und ein Karriereende scheint für den Engländer im Moment so fern wie lange nicht mehr. Er befindet sich auf dem (vorläufigen) Gipfel seines Könnens und hat in diesem Jahr bewiesen, dass er mehr ist als jemand, der von einem dominanten Mercedes profitiert.

Mit Sebastian Vettel und Ferrari hatte er über weite Strecken der Saison einen gleichwertigen, teilweise sogar stärkeren Gegner. Doch Hamilton ließ sich von der wiedererstarkten Scuderia nicht beirren und brannte nach der Sommerpause ein Feuerwerk ab, das seines Gleichen sucht. Während sich Vettel von Kollision zu Kollision drehte, fuhr Hamilton ein perfektes Rennen nach dem nächsten. Unantastbarkeit hatte wieder einen Namen.

Blickt man zum Vergleich auf Schumacher, so fällt auf: Hamilton ist dank seiner Gala-Vorstellungen nicht nur auf dem Niveau des vermeintlich besten Fahrers aller Zeiten, er ist statistisch gesehen sogar besser. In zwölf Saisons hat Hamilton zehn Siege mehr als Schumacher zum selben Zeitpunkt eingefahren, hat mehr Podien, fast doppelt so viele Pole Positions und weniger Ausfälle zu verzeichnen.

Fährt Hamilton so weiter - das ist bei seiner Konstanz alles andere als unwahrscheinlich -, wird er Schumachers Rekorde knacken und als rechtmäßiger Erbe in die Geschichte eingehen. Wenn nicht sogar mehr, schließlich weiß auch der von der Queen ausgezeichnete Brite: "Ich habe das Beste noch vor mir."

Vergleich zum Zeitpunkt des 5. WM-Titels

StatistikLewis HamiltonMichael Schumacher
Alter3333
GP227172
Saisons1212
Siege7161
Podien132108
Poles8146
Ausfälle2642

Hamilton rast als Jetsetter von Triumph zu Triumph

Diese Ansage wirkt wie eine Drohung an Schumachers Rekorde und die Konkurrenz um Vettel, Max Verstappen und Co. Denn dieser Hamilton, der das Beste noch vor sich zu haben scheint, hat in seiner bisherigen Karriere schon so viel Gutes gezeigt. Sei es sein erstes Formel-1-Jahr, in dem er als Rookie gegen Fernando Alonso um den Titel fuhr, oder die Zeit, in der er selbst in einem schwachen McLaren zu Siegen fuhr. Nicht zu verschweigen natürlich seine Dominanz seit der Hybrid-Einführung, die nur 2016 von Nico Rosberg durchbrochen wurde.

Erstaunlich dabei: Immer wenn man denkt, Hamilton kann nicht mehr besser, beweist er das Gegenteil. Und das, obwohl ihm allweil mentale Schwächen vorgeworfen werden, wenn es mal nicht so läuft. Oder mangelnder Fokus aufs Wesentliche, wenn er durch die Welt jettet und seine fast acht Millionen Follower bei Instagram davon teilhaben lässt.

Doch Hamilton braucht dieses Leben, dieses Flair. Er braucht das Dramatische, teils Pathetische. Er bedankt sich gerne bei den besten Fans der Welt, die er im Übrigen in jedem Land zu finden scheint, bei Gott und seinem Schicksal. Das ist seine Art, seine Motivation und letztlich das Elixier für die nimmer endenden Erfolge.

"Es war mein bestes Jahr", erzählte Hamilton nach dem Rennen in Mexiko: "Das war das Ziel. Denn als ich letztes Jahr Weltmeister wurde, dachte ich mir: Wie soll ich das noch toppen? Wie kann ich noch fitter werden? Wie kann ich mich besser konzentrieren? Wie kann ich mein Zeitmanagement verbessern? Wie kann ich ein besserer Rennfahrer werden? Nicht nur im Auto, sondern auch im Umgang mit dem Team. Und dieses Jahr habe ich mich in allen Punkten verbessert."

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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