Formel 1

Formel 1 - Driver-Ranking zum Singapur-GP: Lewis Hamilton als der König der Löwen

Lewis Hamilton ist auf dem besten Weg zu seinem fünften Formel-1-Titel.
© getty

Platz 5, Sebastian Vettel:

"Missing Ferrari", "Ferrari ein Phantom" - die italienischen Medien nahmen die Scuderia nach der neuerlichen Pleite wie zu erwarten auseinander. Dass die Rennstrategie mit einem zu frühen Stopp und dem falschen Reifensatz eher schlecht als recht war, ist offenkundig. Allerdings tat Sebastian Vettel mit einem alles andere als perfekten Qualifying sein Übriges.

Zunächst bekam Vettel nämlich seine Hypersofts nicht ins Arbeitsfenster, dann verbremste er sich bei seinem schnellsten Pole-Versuch zu allem Übel auch noch in Kurve 13. Das reichte zwar, um unter anderem Stallgefährte Räikkönen und Bottas im zweiten Mercedes hinter sich zu halten, gegen Hamilton und Verstappen zog er aber klar den Kürzeren. 0,613 Sekunden auf die Pole Position sind eine Hausnummer, die Abzüge geben muss.

Lobenswert hingegen war Vettels Weitsicht am Start. Während er sich in Italien noch zu übermütig ins Duell mit Hamilton stürzte, steckte er diesmal gegen Max Verstappen zurück - zumindest kurzzeitig. Auf der langen Gegengeraden nutzte er dann den Geschwindigkeitsüberschuss seines SF71H, um den Niederländer zu kassieren.

Die gewonnene Position behielt der Heppenheimer, dessen WM-Chancen sechs Rennen vor Ladenschluss auf ein Minimum geschrumpft sind, allerdings nur bis zum 15. Umlauf. Anschließend durfte er sich dank der besagten semi-durchdachten Ferrari-Strategie 47 Runden auf den Ultrasofts durch die Nacht von Singapur quälen. Das tat er den Umständen entsprechend gut.

Platz 4, Charles Leclerc:

Von einem "fast perfekten Rennen" sprach der Ferrari-Fahrer der Zukunft nach der Zieleinfahrt. Die Strategie arbeitete gut, die Balance seines Saubers stimmte und zur Belohnung gab's auf der bis dato für ihn unbekannten Strecke die ersten Zähler seit dem Österreich-GP vor zweieinhalb Monaten. Stark war sein Überholmanöver gegen Gasly, bei dem er in Sachen Linienwahl alles richtig machte und gekonnt am Franzosen vorbeizog. Der unnötige Crash in die Mauer am Freitag war damit vergessen.

Platz 3, Fernando Alonso:

Er fuhr zwischenzeitlich die schnellste Rennrunde, sprach von einer "magischen Leistung" und war hochzufrieden mit dem Ergebnis. Man könnte meinen, dass Liberty Media die Zeitmaschine angeworfen und uns alle in die Mitte des letzten Jahrzehnts geworfen hat. In eine Zeit, in der Alonso die Formel 1 prägte, zu zwei Weltmeistertiteln fuhr und hier gerade von seinem x-ten Sieg schwärmte.

Aber: "Zurück in die Zukunft" ist eben nur ein Film, Zeitreisen sind (nach Meinung der Mehrheit) unmöglich und Alonso sprach nicht von einem Sieg, sondern von einem siebten Platz mit fast anderthalb Minuten Rückstand auf den Sieger. Ja, die Wirklichkeit tut manchmal weh.

Das jedoch soll nicht an Alonsos fahrerischer Leistung an diesem Wochenende rütteln. Den Fakt, dass sein McLaren verhältnismäßig gut zum Streckenlayout passt, nutzte er perfekt. In Zweikämpfe wurde der scheidende Pilot nicht verwickelt, stattdessen konzentrierte er sich darauf, die Lücke zu seinen Hintermännern zu halten. Mehr als "Best of the Rest" war nicht drin.

Platz 2, Max Verstappen:

Zum ersten Mal seit sechs Rennen brachte Red Bull wieder beide Autos ins Ziel. Während Daniel Ricciardo jedoch auf P6 enttäuschte, feuerte Verstappen eine tadellose Leistung in den Asphalt. Seine Qualifying-Runde, begleitet von Motoraussetzern, hatte mehr als nur den Hauch von Extraklasse. Und auch die Vorstellung im Rennen war von einer nahezu tadellosen Leistung gekennzeichnet. Wie sehr ihm der Renault-Antrieb währenddessen zu schaffen machte, zeigte sich beim Boxenstopp: Nachdem ihn die Mechaniker abgefertigt hatten, kam Verstappen kaum vom Fleck.

Trotzdem gelang es ihm, vor Vettel auf die Strecke zurückzukehren - die Basis für Platz zwei. Mit ein bisschen mehr Glück hätte er sogar noch Lewis Hamilton im Überrundungschaos angreifen können. Doch der Mercedes-Pilot fuhr Kampflinie und versperrte Verstappen so den Weg.

Platz 1, Lewis Hamilton:

Trotz aller Freude über den nächsten Sieg wollte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff dann doch noch etwas klar stellen. "Es gibt immer die Kritik an uns, wie wir Lewis bloß auf die ganzen Modeschauen lassen können", sagte der Österreicher am RTL-Mikrofon, nur um den Nörglern zu entgegnen: "Dann kommt er her und bläst alles weg."

"Wegblasen" trifft es dabei ganz gut. Wie ein Hurrikan fegte Lewis Hamilton über die Konkurrenz hinweg, machte aus einer Mercedes-Angststrecke einen silbernen Vergnügungspark und regierte in der Stadt der Löwen wie ein König mit dem Zepter in den Händen und der (WM-)Krone fast schon auf dem Haupt.

Besonders beeindruckend war dabei das Qualifying. Für viele Experten war die Pole-Runde eine der besten aller Zeiten, auch Hamilton selbst sprach von der vielleicht größten Quali-Leistung seiner Karriere. Verfolgt man die Onboard-Aufnahmen, sieht man tatsächlich einen Fahrer nahe der Perfektion: Jede Kurve trifft Hamilton ideal, nie drehen die Reifen durch. Außergewöhnlich.

Sein weltmeisterliches Niveau hielt der Brite dann auch am Sonntag. Den Start meisterte er problemlos, Vettels Bemühungen im ersten Stint hielt er Stand und im entscheidenden Moment drückte er auf die Tube, um sich eine entsprechende Lücke herauszufahren. Nachdem er den WM-Rivalen nicht mehr im Kreuz hatte, cruiste Hamilton gen Zielflagge. Ein rundum perfekter Auftritt.

So stimmten die User ab:

Auch die User belohnten Lewis Hamilton für seine tadellose Leistung. Mit 47 Prozent der Stimmen sicherte sich der Mercedes-Crack den Spitzenplatz vor Sebastian Vettel (17 Prozent) und Max Verstappen (12 Prozent).

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