Formel-1-Rookie Sergey Sirotkin: Verschrien als Paydriver

Von Nick Degner
Mittwoch, 21.03.2018 | 09:17 Uhr
Sergey Sirotkin bei der Präsentation des neuen Autos für Williams
© getty
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Wenn am Wochenende die Formel-1-Saison 2018 beginnt (Fr., 2 Uhr im LIVETICKER), geht Williams mit einem neuen Fahrer an den Start: Sergey Sirotkin. Der Russe hat viel Geld im Gepäck und gilt daher als klassischer Paydriver. Zu Recht?

Mit Robert Kubica und Pascal Wehrlein hatte Williams die Chance, die Saison mit einem bereits erfahrenen Piloten neben Lance Stroll anzugehen. Doch weder der Pole, der so hart um ein Comeback kämpfte, noch Wehrlein, der auf die Unterstützung von Mercedes hoffte, machten das Rennen. Den Zuschlag bekam vielmehr Sergey Sirotkin. Ein Mann, der seinem Ruf als Paydriver hinterherläuft.

Der 22-Jährige bringt nämlich laut Medienberichten um die 15 Millionen Euro durch seinen Sponsor SMP zu Williams mit. Blickt man zurück auf die Vergangenheit des Russen, kann die "du bist nur wegen Geld hier"-Geschichte aber gleich ad acta gelegt werden, findet auch SMP-Oberhaupt Boris Rotenberg: "Natürlich spielt Geld eine wichtige Rolle. Aber Sergey ist nicht wegen des Geldes, sondern aufgrund seiner Qualitäten bei Williams gelandet. Wir investieren lieber in Technologien."

Sergey Sirotkin: Umwege bis zur Formel 1

Im Alter von zarten 15 Jahren startete Sirotkin seine Karriere im Formelsport und erzielte gleich in mehreren Meisterschaftswertungen obere Platzierungen. Der Sprung in die höchste Klasse des Motorsports war von da an nur eine Frage der Zeit.

Im Jahr 2013 verkündete man die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Rennstall Sauber. Jedoch wurde aus der angekündigten Kooperation mit einer Reihe von russischen Partnern, mit denen Sirotkin zum GP-Star hätte aufgebaut werden sollen, letztlich nicht so viel wie erwartet. Doch immerhin wurde die Nachwuchshoffnung Testfahrt und durfte bei seinem Heim-GP in Russland im Freitagstraining erste Runden in einem F1-Boliden drehen. Es folgten 2015 und 2016 weitere Einsätze, nachdem er zwei Jahre in Folge in der Formel 2 den dritten Gesamtrang erreichte.

2017 dann der Durchbruch: Williams war nach einigen Testfahrten vom schnellen Russen überzeugt und nahmen ihn als Stammfahrer unter Vertrag. Auch Claire Williams schwärmte gegenüber RTL vom Rookie: "Wir sind sicher, dass Lance und Sergey die besten Ergebnisse für das Team liefern können." Sirotkin selber konnte sein Glück kaum fassen: "Zu sagen, ich bin glücklich und stolz in einem so berühmten Team wie Williams zu fahren, ist eine Untertreibung."

Sirotkins Karrierestationen:

RennserieZeitraum
Kartsport2008 - 2010
Formel Abarth2010 - 2011
Auto GP2012
Italienische Formel 32012
Formel Renault 3.52012 - 2014
Formel 1 (Testfahrer)2014
GP 22015 - 2016
Formel 12018

Williams' Philosophie: Entwicklung von jungen Talenten

Dabei entschieden sich die Williams-Verantwortlichen bewusst für den jungen Russen und gegen den ehemaligen GP-Sieger Robert Kubica. "Die Williams-Philosophie bestand schon immer darin, junge Talente zu entwickeln und Sergey passt genau zu diesem Anspruch", so Co-Teamchefin Claire Williams und fuhr fort: "Wir haben ein talentiertes Fahrergespann und sind zuversichtlich, dass es uns aufregende Ergebnisse liefern wird."

Der Sprung in die Königsklasse wird, wie für alle anderen Rookies auch, eine riesen Veränderung für den Moskauer mit sich bringen - Sirotkin ist jedoch bereit, für das Projekt Formel 1 alles zu geben. "Dank gemeinsamer Anstrengungen kann ich meinen Traum verwirklichen. Das Team kann sich darauf verlassen, dass ich mein Bestes geben werde", so der Russe bei motorsport.com.

Teamkollege Lance Stroll, der im vergangenen Jahr seine Debüt-Saison fuhr, hält genauso viel vom Russen und zeigt sich glücklich über die Entscheidung: "Ich kenne Sergey und bin mir sicher, dass wir schnell eine enge Arbeitsbeziehung aufbauen werden."

Williams enttäuscht bei Testfahrten in Spanien

Die Zusammenarbeit der Fahrer kann so gut sein, wie sie will - wenn das Auto nicht mitspielt, kommen keine akzeptablen Ergebnisse zustande. So erging es dem Williams-Team beim Test in Barcelona.

"Es gibt ganz offensichtlich noch ein paar Probleme. Ich denke, um ehrlich zu sein, dass es kein großartiger Test gewesen ist", schätzte der Russe die Ergebnisse aus Spanien ein.

Diese Dinge müssen nun analysiert werden , "um bis Australien aussortiert zu sein", sagt der studierte Ingenieur. Sirotkin sieht trotzdem viel Potenzial im Williams-F1-Team und glaubt nicht, dass die Performance beim Test maximiert werden konnte: "Wir hatten nicht die Zeit, alle Schwachstellen am Auto zu finden", stellte der Williams-Pilot in Barcelona klar.

Auch aufgrund der katastrophalen Witterungsbedingungen, vor allem der erste Woche, weiß Sirotkin nicht genau, wo man letztendlich wirklich stehe. Die Verantwortlichen des Williams-Team haben dagegen bereits eine Vorstellung, wo es in der Saison hingehen soll. Man möchte als vierte Kraft hinter Mercedes, Ferrari und Red Bull dienen, so Claire Williams auf Nachfrage von Motorsport-magazin.com: "Um P4 wollen wir fahren. Dafür müssen wir hart arbeiten."

Hoher Druck für Sirotkin

Das Auto leidet noch unter Abtriebsschwankungen, was dem Fahrer ein schlechteres Gefühl für das Auto gibt. Auch die neuen Pirelli-Reifen funktionierten nicht wirklich gut am Williams, man fuhr meistens auf den Soft- und Medium-Gummis. Dem jungen Russen fehlt allerdings die Erfahrung dazu, die Probleme ohne fremde Hilfe zu lösen.

Der erfahrene Robert Kubica war gleich schneller als Stroll - auf den Russen fehlte dem Polen allerdings eine halbe Sekunde. Trotzdem erzeugte der Altmeister mit seiner starken Leistung Druck auf das junge gesetzte Fahrer-Duo im britischen Rennstall.

Sirotkin als Aushängeschild für Russland

Am Ende reihte sich der Moskauer in Barcelona auf Platz 16 ein und kam auf etwas mehr als 350 Runden auf dem Circuit de Catalunya. Für seine Debüt-Saison sieht er sich trotz all den Problemen gut vorbereitet, weiß aber auch, dass viel Arbeit auf ihn zukommt. "Ich bin zwar ein neuer Fahrer im Feld, aber die Formel 1 ist ja nicht neu für mich. Die Herausforderung ist groß, aber das macht das Ganze auch so spannend", so der Russe bei speedwerk.com.

Neu für den jungen Russen ist allerdings, das Aushängeschild für sein Land darzustellen. Nachdem Daniil Kvyat kein Cockpit für 2018 erhielt und ist lediglich Testfahrer bei Ferrari ist, geht Sirotkin als einziger Russe im Teilnehmerfeld an den Start.

Für Rotenberg zeigt dieser Prozess, was für Nachwuchsfahrer in ihrer Karriere alles möglich sein kann: "Es ist großartig und ein gutes Beispiel dafür, dass junge Piloten mit unserem Nachwuchsprogramm zum Erfolg gelangen können. Wir haben in Russland mehr als 1500 Kart-Talente, die nun wissen, dass sie es in die Formel 1 schaffen können."

Ein Porträt zu Charles Leclerc, dem zweiten Rookie in der Formel-1-Saison 2018, gibt es hier.

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