Formel 1

Red-Bull-Stillstand sorgt für Frust

Von Adrian Franke
Daniel Ricciardo hadert mit der Motorleistung seines Autos
© getty

Bei Red Bull kehrt langsam Frust ein, auch wenn Daniil Kvyat versucht, positiv zu bleiben. Lewis Hamilton wollte in Monaco tatsächlich flüchten und Force India vermutet im Vorschlag der Werksteams ein Trojanisches Pferd. Außerdem: Der Russland-GP soll in Sotschi bleiben und Jean Todt sieht keine FIFA-ähnliche Korruption in der FIA.

Red-Bull-Frust wächst: Beim Qualifying von Montreal reichte es für Daniil Kvyat und Daniel Ricciardo nur zum achten beziehungsweise neunten Platz, vor allem auf den langen Geraden wurde die leistungsschwache Power Unit entblößt. Ricciardo ließ jetzt einen gewissen Frust durchblicken.

"Das ganze Wochenende war schon hart für uns. Wir hatten fast immer Probleme. Auf dieser Strecke kommt es hauptsächlich auf die Motorleistung an und da sind wir leider ziemlich eingeschränkt", gab Ricciardo zu: "Wir hatten in den letzten Rennen ein paar Updates, aber die haben eigentlich gar nichts gebracht. Vielleicht müssen wir einen Schritt zurückgehen und sehen, ob wir irgendwo fundamentale Probleme haben, wo wir sie nicht vermuten. Natürlich haben wir Defizite bei der Leistung, aber auch am Chassis gibt es Schwierigkeiten."

Kvyat versucht derweil, positiv zu bleiben: "Wir müssen weiterhin pushen um in der Startaufstellung weiter nach vorne zu kommen. Auf uns wartet noch viel Arbeit, bis wir auf den Geraden mit unseren Gegner mithalten können. Startplatz acht ist aber keine schlechte Position und hier kann, wie wir in der Vergangenheit oft gesehen haben, im Rennen ohnehin alles passieren."

Hamilton wollte in Wohnung flüchten: Lewis Hamilton plante, nachdem er den sicher geglaubten Sieg in Monaco verloren hatte, tatsächlich, in seine Wohnung im Fürstentum zu flüchten. Das bestätigte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff jetzt gegenüber Sky: "Es war einfach sehr emotional. Er hatte gerade ein Rennen verloren, das er unter Kontrolle hatte. Wenn es möglich gewesen wäre, dann wäre er nach Hause gelaufen, doch Regeln sind Regeln."

Nur um eine mögliche Disqualifikation zu vermeiden, sei er demnach zur Siegerehrung erschienen. Für Hamiltons Park-Stopp in der Portier-Kurve zeigte Wolff derweil Verständnis: "Er brauchte einfach einen Moment für sich selbst, um sich zu sammeln."

Kvyat froh über Team-Order: Kvyat feierte in Monaco sein bestes Rennwochenende und durfte sich am Ende über den vierten Platz freuen. Doch bis kurz vor Schluss musste er trotz guter Leistung zittern: In der hektischen Schlussphase erhielt Teamkollege Ricciardo weichere und schnellere Reifen, schloss zu Kvyat auf und hatte die Team-Erlaubnis, Jagd aufs Podium zu machen.

"Ich war erst mal nicht so begeistert darüber. Man denkt sich, man hat das ganze Rennen gut hinbekommen, und dann kommt einer auf Supersoft-Reifen hinter dir an. Ich habe natürlich verstanden, dass es keinen Sinn gemacht hätte, irgendetwas zu probieren", gab Kvyat bei Sky zu. Doch in der letzten Runde war klar, dass der Coup nicht mehr gelingen würde und Red Bull pfiff Ricciardo zurück.

"Wir hatten eine kleine Diskussion mit dem Team. Wir haben einander verstanden und ich habe Daniel seine Arbeit machen lassen. Am Ende hat sich das Team dann fair verhalten", so Kvyat: "Dafür war ich sehr dankbar. Es hat dem Vertrauen im Team geholfen, was gerade jetzt sehr wichtig ist. Wir können einander vertrauen und das ist sehr wichtig für die Zukunft."

Force India schießt gegen Werksteams: Der Vorschlag des Franchise-Autos, eine andere Art der Kundenauto-Idee, sorgt rund um den Montreal-GP für Streitereien. Die Privatiers befürchten, dass die Werksteams damit weiter versuchen, sie aus der Formel 1 zu verdrängen, indem vergleichsweise erschwingliche Komplettpakete angeboten werden. Robert Fernley, Co-Teamchef von Force India, fand gegenüber Reuters jetzt klare Worte.

"Ich würde es unter dem Motto "Vorsicht mit Geschenken der Griechen" werten", spielte Fernley auf den Mythos des Trojanischen Pferds an: "Es ist der letzte Schachzug der Herstellerteams, die Formel 1 unter ihre Kontrolle zu bringen - sowohl politisch, als auch finanziell." Für angeblich 50 Millionen Euro pro Saison dürften Teams in dem Konzept ein Komplettpaket aus Chassis, Antrieb und weiteren Bauteilen an maximal einen Kunden liefern. Mercedes-Aufsichtsratsboss Niki Lauda sprach aus finanziellen Gründen von der "besten Idee aller Zeiten".

Fernley aber wittert vielmehr etwa auch in der Einführung der teuren V6-Hybridmotoren einen langfristigen Plan und führte weiter aus: "Wir schaffen es ja nicht einmal die Kosten für den Antrieb zu senken. Und dafür gibt es einen Grund." Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn fügte mit Blick auf das Kunden-Paket hinzu: "Vor dem Hintergrund kommerzieller Interessen ist es ein Weg, mehr Einnahmen zu generieren. Dafür sind die anderen Teilnehmer aber nicht da und das will niemand sehen."

Todt: FIFA-Probleme in FIA "unmöglich": Der Korruptionsskandal erschüttert derzeit die FIFA in ihren Grundfesten, die Ermittlungen laufen. FIA-Präsident Jean Todt stellte gegenüber der Agentu TASS jetzt klar: "Es ist unmöglich, dass die FIA die gleichen Probleme mit Korruption wie die FIFA haben könnte." Im Gegensatz zum FIFA-Modell besitzt die FIA nicht die kommerziellen Rechte an der Formel 1, F1-Promoter Bernie Ecclestone stand dennoch erst im vergangenen Jahr wegen des Vorwurfs der Bestechung vor Gericht. Das Verfahren wurde gegen die Zahlung von 100 Millionen Dollar eingestellt.

Russland-GP soll in Sotschi bleiben: Nach einer Pause von 100 Jahren gab es 2014 endlich wieder einen Russland-GP, die Königsklasse feierte ihr Debüt in Sotschi. Geht es nach FIA-Boss Jean Todt, soll die F1 in Russland genau dort bleiben. "Man sollte in Russland sehr stolz darauf sein, eine Strecke wie Sotschi zu haben. Sie zählt zu den besten Rennstrecken der Welt. Warum sollte man auch etwas ändern? Warum Sotschi gegen einen Austragungsort woanders in Russland eintauschen?", betonte Todt gegenüber TASS.

Pirelli will bessere Regenreifen: Pirelli will endlich die Regenreifen verbessern. Bislang wurde der eigentlich eingeplante Test der Regenreifen vor Saisonbeginn oft kaum umgesetzt. Der Pirelli-Verantwortliche Paul Hembery bestätigte jetzt, dass künftig spezielle Regenreifen-Tests organisiert werden sollen. Diese finden voraussichtlich in Le Castellet in Südfrankreich statt und sollen zwei Tage lang gehen, wenngleich das Reglement eine solche Veranstaltung bislang nicht vorsieht.

Hembery erklärte: "Es wird eine Evolution geben. Deswegen wollen wir unbedingt einen Test. Wir wollen gemeinsam mit den Teams einen Regenreifen-Test durchführen. Für uns ist es wichtig, dass dies bei kontrollierten Bedingungen stattfindet. Es gibt nur bestimmte Phasen im Jahr, in denen man so etwas umsetzen kann - entweder ab Oktober oder im Februar oder März, denn sonst ist es zu heiß."

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