Formel 1

Revolution dank EU-Beschwerde?

Von Adrian Franke
Ecclestone muss sich bald mit einer Sammelbeschwerde der kleineren F1-Teams beschäftigen
© getty

Die EU nimmt womöglich bald die Verwaltungsstruktur der Formel 1 unter die Lupe, offenbar wird derzeit an einer offiziellen Beschwerde gebastelt. Michelin könnte bei der Reifen-Debatte indes schon wieder aus dem Rennen sein, während Roberto Merhi um seinen Platz kämpft. Außerdem: Danica Patrick ist bei Haas wohl kein Thema mehr.

Strategiegruppe im EU-Visier? Die EU könnte schon bald damit beginnen, die Formel 1 in ihren Grundfesten zu erschüttern. Offenbar wächst die Kritik an der mächtigen Strategiegruppe, die zwar über viele wichtige Themen entscheidet, in der Manor-Marussia, Sauber, Toro Rosso und Lotus aber nichts zu melden haben. Die Financial Times will jetzt erfahren haben, dass mehrere kleinere Teams eine formale Beschwerde bei der EU vorbereiten.

Demnach soll das Thema intern schon seit Monaten rumoren und die kleineren Teams werfen der Verwaltung vor, sie in die Krise zu drängen, indem die Wünsche der großen Teams priorisiert werden. Die Beschwerde soll zum einen die Strategiegruppe, zum anderen aber auch die Aufteilung der Gelder aus Medien- und Sponsorenverträgen kritisieren, wobei etwa Ferrari große Bonus-Zahlungen erhält.

F1-Boss Bernie Ecclestone erklärte gegenüber der Zeitung lediglich: "Es ist merkwürdig. Ich würde gerne wissen, was die kleineren Teams wollen. Niemand hat mir gegenüber je eine Anfrage gestellt. Wir werden abwarten, was passiert, sie haben alle die Verträge unterzeichnet."

Im Zuge der Pleite von Caterham und den großen finanziellen Problemen von Marussia war EU-Wettbewerbs-Kommissarin Margarethe Vastager schon Ende des Vorjahres auf das Thema aufmerksam geworden. Damals soll sich die britische EU-Abgeordnete Anneliese Dodds an Vastager gewandt haben. Sollte sie infolge einer Beschwerde tatsächlich Indizien für ein Fehlverhalten entdecken, würde ein offizielles Verfahren eingeleitet werden.

Michelin schon aus dem Rennen: Die Formel 1 bleibt wohl bei Pirelli. Wie das Motorsport-Magazin berichtet, wurde der Umstieg auf die von Michelin geforderten 18-Zoll-Reifen in der Strategiegruppe abgelehnt, Mercedes-Technikdirektor Paddy Lowe bestätigte auf einer Pressekonferenz: "Das Thema größere Reifen wurde die letzten fünf bis acht Jahre immer wieder angesprochen. Der breite Konsens ist, dass das keine gute Richtung wäre."

Vor allem das höhere Gewicht ist ein Kritikpunkt. Darüber hinaus müssten für größere Reifen weitreichende Umbauten am Auto durchgeführt werden, und "auch in Sachen Grip wäre das nicht sehr positiv. Solche Reifen hätten weniger Grip und das Gewicht würde deutlich nach oben gehen, deshalb ist es für die Performance keine wünschenswerte Richtung."

Ferrari-Technikdirektor James Allison fügte hinzu: "Wie Paddy gesagt hat, wird der Felgendurchmesser bleiben, wie er ist." Ein Engagement von Michelin ab 2017 wird damit zunehmend unwahrscheinlich. Stattdessen ist so Stand jetzt davon auszugehen, dass Pirelli weitermachen darf und ab 2017 breitere Reifen liefern wird. Bei den weiteren Vorschläge, etwa was individuelle Reifen-Zusammensetzungen und mehrere andere Vorschläge angeht, wurde allerdings keine Entscheidung getroffen.

Merhi will kämpfen: Manor-Marussia feuert den Konkurrenzkampf an, durch die Verpflichtung von Fabio Leimer muss wohl vor allem Roberto Merhi um seinen Platz im Cockpit zittern. Doch der Spanier, der bislang überhaupt nicht überzeugen konnte, kündigte in der Marca an: "Es geht auch um die Abstimmung. Ich fühle mich jetzt wohler und kann mehr pushen. Auch das Team hat an meinem Auto gearbeitet, um den Unterschied zwischen Stevens und mir zu verringern."

Doch laut Motorsport-Total wurde schon vor der Leimer-Verpflichtung von Rennen zu Rennen entschieden, ob Merhi weiterfahren darf oder ob er durch einen finanzkräftigeren Fahrer ersetzt wird. Wie der Blick berichtet, arbeitet der Schweizer schon jetzt daran, Sponsoren zu finden. Klappt das, ist die Beförderung zum Stammpiloten offenbar durchaus denkbar.

Diskussionen über Auto der Zukunft: Fünf bis sechs Sekunden schneller und eine aggressivere Optik - die Anforderungen an die 2017er Autos sind im Grundsatz klar. Doch McLaren-Chef Ron Dennis will mehr Details: Auf einer außerordentlichen Sitzung sprach er mit den Teamchefs von Mercedes, Ferrari und Red Bull über die Kundenautos, die demnach nur eine Notlösung sein sollen, aber auch über die Autos der Zukunft. Die schnelleren Zeiten sind dabei nicht das Problem - die entsprechende Optik aber schon.

So sind die Hersteller beim Gewicht wegen der aktuellen Antriebseinheiten eingeschränkt, mehr als 20 Kilo lassen sich einem Bericht der Auto Motor und Sport zufolge nicht herausholen. So scheint es denkbar, dass einige der aerodynamischen Restriktionen der vergangenen Jahre zurückgenommen und die Reifen verbreitert werden. Doch die Design-Vorschläge dürften die Königsklasse noch länger beschäftigen.

Ferrari und Red Bull hatten bereits Ideen eingereicht, doch aufgrund der Aerodynamik sind vorgeschriebene Formen schwer durchsetzbar. "Nur breitere Autos und breitere Reifen reicht nicht. Sie müssen auch anders ausschauen als heute, sonst ist ein Neubeginn umsonst", monierte etwa Niki Lauda und Mercedes-Teamchef Toto Wolff fügte hinzu: "Schöne Designvorschläge sind nicht automatisch schnell. Wir dürfen das eine Ziel nicht mit dem anderen totschlagen."

Haas: Patrick kein Thema mehr? Seit Wochen hielten sich Gerüchte um ein Engagement von Danica Patrick beim neuen Haas-Team, doch die 33-Jährige ist allem Anschein nach keine ernsthafte Option mehr. Team-Boss Günther Steiner betonte, dass Patrick in der Nascar glücklich sei und fügte hinzu: "Es wäre ein Risiko und ich weiß nicht, ob sie bereit dafür ist." Stattdessen nehme das Team derzeit, so Gene Haas, "mehrere" Fahrer unter die Lupe.

Die Formel 1 Saison im Überblick

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung