Formel 1

Vettel tritt auf Euphorie-Bremse

Von Adrian Franke
Sebastian Vettel mahnt auch nach den starken Testzeiten zur Bodenständigkeit
© getty

Sebastian Vettel mahnt nach den starken Testzeiten im Ferrari zu Bodenständigkeit, während Details zum Engagement von Formel-1-Motorenpapst Mario Illien bei Renault bekannt werden. Bernie Ecclestone arbeitet indes angeblich an der Zweiklassengesellschaft in der Formel 1 und Force India muss den nächsten Rückschlag bekanntgeben.

Vettel dämpft Erwartungen: Nach dem herausragenden Auftakt in die offiziellen Tests mit drei Topzeiten in vier Tagen ist im Ferrari-Fanlager bereits erste Euphorie ausgebrochen. Sebastian Vettel mahnte jetzt: "Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen. Vieles verändert sich, es gibt viele neue Dinge und wir haben viel gelernt. Daher sind die Tests wichtig, um das Auto kennen zu lernen."

Vor dem nächsten Test in Barcelona will Vettel deshalb auch viel Zeit im Simulator verbringen: "Ich werde in Maranello sein, um mich im Simulator überall zu steigern. Es ist das Gleiche wie auf der Strecke, wir versuchen das Auto zu verbessern und Zeit für das Verständnis und die Analyse zu haben. Das betrifft nicht nur mich, sondern das ganze Team wird alle Hände voll zu tun haben."

Ecclestone will Kundenautos: Gibt es doch bald die Zweiklassengesellschaft in der Formel 1? Informationen von "F1-insider.com" zufolge will F1-Boss Bernie Ecclestone eben jene durch vergleichsweise günstige Kundenautos erreichen. In diesem Szenario würden die Topteams ihre ausgemusterten Chassis den kleinen Teams zur Verfügung stellen.

Ecclestones Rechnung zufolge hätten weniger zahlungskräftige Teams so die Chance, für etwa 25 Millionen Euro ein fertiges Auto zu erwerben - 10 Millionen für die Chassis, 10 Millionen für einen V8-Einheitsmotor und 5 Millionen für ein passendes Getriebe

Mercedes allerdings soll entschieden gegen die so zweifellos entstehende Zweiklassengesellschaft sein. Wie das Portal weiter berichtet, sei Mercedes ohnehin mit Ecclestones Führungsstil unzufrieden, weshalb angeblich Niki Lauda als potentieller Nachfolger ins Gespräch gebracht wurde. Ecclestone soll daraufhin getobt haben: "Ich stelle sofort einen Scheck über 50 Millionen Pfund aus, wenn ich dadurch Mercedes loswerde."

Illien unterstützt Renault: Renault hat bei seiner Jagd auf Mercedes einen dicken Fisch an Land gezogen: Mario Illien, der Macher des Motors der großen McLaren-Mercedes-Zeiten, wird Renault mit seiner Motorenfirma als Berater unterstützen. "Mario bietet uns eine Gelegenheit, das zu bewerten, was wir tun. Wir müssen uns verändern und wir müssen offen sein. Wir dürfen keine Angst vor neuen Ideen haben", stellte Renaults F1-Direktor Cyril Abiteboul klar.

Dabei blickte er bereits in die Zukunft: "2016 wird ein entscheidendes Jahr. Alles könnte explodieren und sich in etwas komplett anderes verwandeln, aber laut den aktuellen Regularien ist es wirklich das Jahr, in dem du das richtige Paket haben musst."

Die erste Ausbaustufe von Illien wird es laut Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko aber "frühestens beim dritten Rennen in Schanghai geben". Bei den Tests in Barcelona werde zunächst erstmals der von Renault in der Winterpause verbesserte Motor zum Einsatz kommen, wie Marko gegenüber "F1-insider.com" bestätigte: "In Jerez gab es noch einen Mix aus alten und neuen Teilen und wir fuhren mit gedrosselter Motorleistung."

Cowell warnt vor Konkurrenz:Dem Mercedes-Antrieb konnte in der Vorsaison niemand das Wasser reichen, die Konkurrenz schätzte den Vorteil des V6-Turbo auf rund 60 PS. Motorenchef Andy Cowell sieht sein Team dennoch nicht außer Reichweite, wie er in der "Auto Motor und Sport" betonte: "Die Regeln, die Physik und die Chemie sind für alle gleich. Deshalb hat jeder die gleiche Chance. Ich sehe keinen Grund, warum es unseren Mitbewerbern nicht gelingen sollte, einen gleich guten Motor zu bauen wie wir."

Natürlich stehe Mercedes zwar nicht still, "aber je weiter oben du in der Entwicklung stehst, umso flacher wird die Kurve, dich zu verbessern. Andererseits haben wir bei Formel-1-Motoren gelernt, dass es kaum Grenzen gibt." Doch darüber hinaus kenne die Konkurrenz "das Ziel. Dank der GPS-Messungen wissen sie genau, in welchen Bereichen wir was leisten. Das ist ihr Vorteil. Ferrari und Renault werden höher zielen als das, was wir vorgelegt haben."

Darüber hinaus dementierte Cowell Gerüchte, wonach Mercedes die Saison mit dem alten Motor beginnen würde: "Ich versichere Ihnen, dass wir mit dem 2015er Motor in die Saison einsteigen. Schon ab dem ersten Test in Jerez waren alle Neuentwicklungen in dem Motor drin. Wir haben in den Bereichen Verbrennung, innere Reibung und Energieumwandlung viele neue Ideen einfließen lassen. Nach den zwölf Testtagen werden wir entscheiden, welche der Änderungen wir ohne Risiko auf die Zuverlässigkeit in Melbourne an den Start bringen."

Kopiert Red Bull den Williams? Red Bull will es womöglich Williams gleichtun und auf die kurze Nase setzen, zuletzt testete Red Bull in Jerez noch mit langer Nase. "Die hat uns bislang am besten gefallen", gab Chefingenieur Rob Marshall laut "Autosport" zu: "Ohne Zweifel wird es in Zukunft aber andere Nasen geben, und ich bin mir sicher, dass andere Teams andere Nasen, Flügel und wer weiß was alles vorbereiten werden. Was man am ersten Tag des ersten Tests sieht, ist nicht das, was wir später nutzen werden."

Das größte Fragezeichen bei den mutmaßlich aerodynamisch am besten nutzbaren kurzen Nasen ist ihre Stabilität und die Frage, ob sie die Pflicht-Crash-Tests bestehen. "Das war ein ziemlicher Balance-Akt, zwischen einer guten Aerodynamik-Lösung und einer Nase, die den Crash-Test besteht. Aber ich bin sehr zufrieden mit unserer Lösung", betonte Williams-Technikdirektor Pat Symonds.

Force India lässt warten: Wie zuletzt bereits spekuliert, lässt das neue Auto von Force India weiterhin auf sich warten. Der Rennstall bestätigte am Freitag, dass der Bolide sein Debüt nicht vor dem letzten Test in Barcelona feiern wird. Bis zuletzt hatte es Force India offen gelassen, ob das Auto schon bis zu den ersten Fahrten in Barcelona in der kommenden Woche fertig sein könnte.

"Wir werden zum Saisonstart in Melbourne sein, daran besteht kein Zweifel", hatte der stellvertretende Teamchef Bob Fernley jüngst gegenüber "Autosport" betont: "Ja, die Testzeit mit dem neuen Auto wird begrenzt sein, aber wir tun alles in unserer Macht stehende dafür, damit wir in Australien in vernünftiger Verfassung und mit möglichst vielen Kilometern auf dem Auto ankommen."

Dennis: Keine Hauptsponsoren mehr: McLaren-Vorstandsvorsitzender Ron Dennis sieht die Ära der großen Hauptsponsoren als beendet. Laut "Autosport" führte er aus: "Das existiert als Konzept nicht mehr. Normalerweise würde ein Hauptsponsor etwa 40 bis 50 Prozent deines Budgets ausmachen. Betrachtet man die Budgets eines konkurrenzfähigen Teams, wird klar: Keine Firma wird dir so viel Geld geben." Stattdessen baue er auf kleinere Deals, "damit du mehrere Firmen mit ähnlichen Philosophien auf dem Auto repräsentieren kannst".

Die Suche nach einem Hauptsponsor habe McLaren zwar noch nicht aufgegeben, "aber wir wollen keine großen Markennamen für geringe Preise auf unser Auto packen. Ich fühle mich ein wenig wie Manchester United, das einige schlechte Spiele hatte und in der Liga etwas abgestürzt war. Ich denke immer noch, dass wir Manchester United sind und Firmen fragen können, ob sie unser Sponsor sein wollen. Das Letzte was du machen solltest, sind Deals, die auf einmal die ligaweit schwächsten sind."

Neben der Sponsoren-Debatte wurde außerdem bekannt, dass McLaren die Kooperation mit Honda auch auf die Nachwuchsförderung ausdehnt. Nobuharu Matsushita wird künftig neben McLaren-Junior Stoffel Vandoorne für das Spitzenteam ART GP in der GP2-Serie starten. Der 21-Jährige hat als Honda-Schützling zuletzt die japanische Formel 3 gewonnen.

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