Formel 1

Susie Wolff schreibt Geschichte

SID
Susie Wolff steigt beim freien Training ins Williams-Cockpit und schreibt damit Geschichte
© getty

Susie Wolff wird am Freitag in Silverstone erstmals für Williams an einem freien Training teilnehmen und als erste Frau seit 22 Jahren an einem Grand-Prix-Wochenende fahren.

Felipe Massa weiß jetzt, was Susie Wolff wirklich drauf hat. Der Brasilianer setzte sich im Regen von Nürnberg neben die 31 Jahre alte Schottin auf den Beifahrersitz eines DTM-Boliden. Dem "tapferen Mann", so Wolff, sei das Lachen nicht vergangen. Am Freitag sehen sich die beiden Williams-Piloten im freien Training auf der Strecke wieder, wenn Wolff als erste Frau seit 22 Jahren an einem Grand-Wochenende in einem Formel-1-Renner sitzen wird.

"Wenn man als Brite für ein britisches Kultteam in der Formel 1 fährt und dazu noch der 50. Geburtstag des britischen Grand Prix und der 60. von Mercedes in der Formel 1 anstehen, dann weiß man, wieso es ein ganz besonderer Tag wird. Ich freue mich wahnsinnig auf die nächste Woche", schrieb Wolff in ihrer Kolumne auf "focus.de".

Emanzipation in der Königsklasse?

Aber nicht nur für die Frau von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, mit dem die ehemalige DTM-Pilotin seit Oktober 2011 verheiratet ist, wird der kommende Freitag ein Meilenstein in ihrer Karriere sein.

Gut 22 Jahre nach Giovanna Amati, die sich 1992 in Brasilien im Brabham nicht für das Rennen qualifizieren konnte, betreibt Wolff auch ein Stück weit Emanzipation in der Königsklasse.

Zwar betonte Wolff im Vorfeld des Rennes, dass sie nicht hier sei, "um die Geschichtsbücher umzuschreiben". Und schließlich sei ihr Boss, Claire Williams, ja auch eine Frau. Aber: "Ich möchte die beste Susie Wolff sein, die ich sein kann. Wenn das andere Frauen inspiriert, dann ist das natürlich eine tolle Sache.

Wolff selbst war von frühester Kindheit an mit dem Virus Motorsport infiziert. "Meine Eltern hatten eine Motorrad-Werkstatt in Schottland. Ich bekam mein erstes Motorrad, als ich zwei Jahre alt war, mit sechs saß ich im Kart, mit acht stand ich bei meinem ersten Rennen am Start. Es war einfach meine Leidenschaft", erzählt sie im Interview mit der "FAZ".

"Noch immer eine Männerwelt"

Der Weg in die Königsklasse war steinig, für den Respekt in der Macho-Branche musste Wolff "manchmal vielleicht doppelt so viel kämpfen, wie es ein Mann hätte machen müssen". Aber weil der Sport so abhängig von der Leistung sei, habe man es "sowieso schwer genug hat, dort hineinzukommen, ganz egal, ob man Mann oder Frau ist".

Bis zum ersten Test hat Wolff selbst nicht gewusst, ob sie aus dem Holz für die Königsklasse geschnitzt ist. "Es gab so viele Unbekannte. Aber nach meinem ersten Test war für mich klar, dass eine Frau dies schaffen kann. Das habe ich gespürt - auch wenn es anstrengend ist in so einem Cockpit", so Wolff: "Das hier ist noch immer eine Männerwelt. Aber ich möchte einfach sehen, wie eine der letzten Bastionen von Männlichkeit verschwindet".

Den Weltmeister hat sie in diesem Jahr bereits geschlagen. Bei den Testfahrten nach dem Rennen in Barcelona landete Sebastian Vettel hinter Susie Wolff. Ein kleiner Triumph, den Wolff am Freitag gegen die versammelte Formel-1-Elite nur zu gerne wiederholen würde. Dann könnte vielleicht in Zukunft auch noch ihr größter Traum Wirklichkeit werden: "Ich will in der Startaufstellung stehen."

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