Die Rückkehr von Ron Dennis

Der Imperator baut McLaren um

Freitag, 31.01.2014 | 11:45 Uhr
Als Ron Dennis (r.) McLaren-Teamchef war, zählte Nicole Scherzinger zu den Stammgästen in der Box
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McLaren freut sich auf seinen Erfolgsgaranten: Nach fünf Jahren ohne direkten Einfluss ist Ron Dennis als Geschäftsführer wieder an der Spitze des Formel-1-Teams angekommen. Unter dem einst umstrittenen Briten soll die Reise wieder nach oben gehen - ohne Teamchef Martin Whitmarsh, aber mit Ex-Lotus-Mann Eric Boullier, der perfekt zum Team passt.

Es war ein eindeutiges Zeichen, das McLaren bei der Präsentation des neuen MP4-29 an die Öffentlichkeit sendete: Martin Whitmarsh blieb komplett außen vor. Während Sportdirektor Sam Michaels über das Design des letzten Mercedes-Autos des zweiterfolgreichsten Teams der Formel-1-Geschichte philosophierte und die Fahrer Optimismus verbreiteten, war vom amtierenden Teamchef keine Spur. Nicht einmal im umfangreichen PR-Material war Platz für einen Satz des 55-Jährigen.

Der Grund dafür ist die Rückkehr seines einstigen Förderers Ron Dennis. "Ron hat schon vor zwei oder drei Jahren versucht, Martin aus dem Amt zu heben. Das wurde damals durch den Vorstand verhindert und Ron musste sich geschlagen geben", sagte der frühere McLaren-Pilot John Watson gegenüber "GP-Update". Der frühere Teamchef hatte McLaren nach seinem Einstieg 1981 überhaupt erst zum Spitzenteam gemacht, das dauerhaft um die WM fährt.

Nach der erneuten Machtübernahme, soll McLaren dorthin zurückkehren. "Ron hat Kampfgeist und es ist für jeden hier aufregend, dass er wieder im Amt ist", sagte Jenson Button: "Das ist für mich die aufregende Sache in diesem Jahr." Der Weltmeister des Jahres 2009 erwartet viel vom Comeback des 66-Jährigen, unter dem sieben Konstrukteurs- und zehn Fahrerweltmeisterschaften gewonnen wurden: "Er ist so hungrig auf Erfolg, was großartig für das Team ist. Hoffentlich kehren wir auf die Siegerstraße zurück."

Seit der Machtübernahme von Whitmarsh blieb das Team nicht nur ohne Titel, es verschlechterte sich fast stetig. Im Jahr 2013 sprang zum ersten Mal seit 1980 kein einziger Podestplatz heraus. Zwar rühmte sich der Rennstall, 99,17 Prozent der Gesamtdistanz absolviert zu haben, mehr als die Plätze neun und elf in der Fahrerwertung und Platz fünf bei den Konstrukteuren sprangen jedoch nicht heraus.

Button: "Da braucht man einfach Veränderungen"

"Sagen wir mal so: Das zurückliegende Jahr war ein sehr schwieriges. Da braucht es manchmal einfach Veränderungen", gab sich Button diplomatisch und dennoch deutlich: "Als Team freut es uns sehr, dass Ron wieder an der Spitze steht." Der neue, alte Chef kündigte direkt an, er wolle Struktur und Personalien verändern. "Wenn es jemanden gibt, der eine klare Vision davon hat, wie man in der Formel 1 gewinnt und warum etwas eine Rolle spielt, dann ist er es", verdeutlichte Teammanager Jonathan Neal.

Dass Whitmarsh nicht mehr involviert wird, war nur der erste Schritt. Ein Comeback von Dennis an der Boxenmauer war durch die Kritik vor seinem Abgang 2008 und durch seine vielfältigen Aufgaben als Geschäftsführer und Vorstand der McLaren Group sowie als Vorsitzender bei McLaren Automotive jedoch ausgeschlossen.

Boullier als Statthalter von Dennis

Stattdessen brauchte der 66-Jährige als übergeordneter Imperator einen Statthalter, der das operative Geschäft übernimmt. Die Personalie war ein offenes Geheimnis. Fast zeitgleich zur Präsentation des MP4-29 gab Lotus bekannt, dass Teamchef Eric Boullier sich verabschiedet. Seit Donnerstag ist der Franzose offiziell Rennleiter bei McLaren.

"Als Freund habe ich ein bisschen Zeit mit ihm im Fahrerlager verbracht, aber das ist auch schon alles. Ich weiß nicht, wie er sich in der Rolle macht, die er bei Lotus innehatte", sagte Button. Die Antwort: Sehr gut. Der 40-jährige übernahm beim Team aus Enstone im Jahr 2010 den Posten des Teamchefs und machte aus dem Renault-Werksteam einen Privatrennstall, der besser abschnitt, als es das Budget eigentlich zuließ.

Auch die vorherigen Stationen passen optimal: Boullier studierte Aeronautik und Raumfahrt, stieg als Renningenieur in der Formel 3000 beim erfolgreichen Team DAMS ein und wurde nach einem kurzen Aufenthalt als Chefingenieur bei Racing Engineering schließlich technischer Direktor. Für McLaren ist er gerade deshalb die bestmögliche Wahl.

Die betriebswirtschaftlichen Aufgaben sind über den Konzern verteilt, für seine Arbeit braucht der 40-Jährige den Titel des Teamchefs nicht. In der neu geschaffenen Rolle des Rennleiter kann Boullier sich auf das konzentrieren, wovon er am meisten versteht: Rennsport.

Boullier: "Ehre, Privileg, wundervolle Gelegenheit"

"Ich sehe diese Anstellung als eine Ehre, ein Privileg und eine wundervolle Gelegenheit", erklärte der Franzose: "Ich will zukünftig bei der Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern der Teamführung eine aktive Rolle spielen und die nötigen Änderungen in Gang bringen um den Erfolg zurückzubringen."

Auch bei McLaren werden alle Fäden des Rennteams beim Franzosen zusammenlaufen, Dennis stellt die Führung aber breiter auf. "Die Verpflichtung von Eric ist ein wichtiger Bestandteil der Neustrukturierung des oberen Managements", erklärte der Chef der McLaren-Group: "Ich will, dass jeder bei McLaren seinen Verantwortungen in seinem Arbeitsbereich genau kennt."

Die flachere Hierarchie ergänzt der frühere Teamleiter durch einen noch nicht benannten Geschäftsführer. "Der wird mich dann informieren. Eric berichtet direkt an ihn", erklärte Dennis: "Ich glaube fest daran, dass wir mit der neuen Struktur den Anfang auf dem Weg zur vollen Konkurrenzfähigkeit machen und uns schnell und professionell das Talent, das in unserer Organisation vorhanden ist, zu Nutzen machen."

Für McLaren ist das überlebenswichtig. Noch immer wurde kein Hauptsponsor als Nachfolger von Vodafone präsentiert. Zudem ist das Unternehmen nicht mehr nur ein Rennteam, sondern eine breit aufgestellte Unternehmensgruppe, die sich beim eigenständigen Bau der Supersportwagen für die Straße verkalkuliert hat.

Übergangssaison unmöglich

Für McLaren ist das überlebenswichtig. Noch immer ist kein Hauptsponsor als Nachfolger von Vodafone präsentiert. Verbindlichkeiten in dreistelliger Millionenhöhe sollen das Budget belasten. Zusätzlicher Misserfolg auf der Rennstrecke unterstützt den Absatz der konzerneigenen Straßensportwagen nicht gerade.

Um die Konstruktionsarbeit zu verbessern, verpflichtete Whitmarsh bereits Peter Prodromou und Dan Fallows von Red Bull, sowie Ettore Griffini and Ciaron Pilbeam von Lotus. Mit Kevin Magnussen drückte Dennis ein Talent aus der eigenen Nachwuchsschmiede, das 2013 die Formel Renault 3.5 gewann, gegen Whitmarshs Wunschkandidaten Sergio Perez durch. Als Test- und Entwicklungsfahrer wartet der hochveranlagte Stoffel Vandoorne aus Belgien schon auf seine Chance.

"Ron sagte einmal, es gibt so etwas wie Pech nicht. Pech ist schlechtes Design, schlechte Fertigung, schlechte Konstruktion, schlechtes Fahren und schlechtes Management. Es sind konkrete Dinge", sagte Watson. Design, Fertigung, Konstruktion und Fahren sind für die Zukunft bereits bestens aufgestellt. Als einzige Stellschraube, an der er drehen konnte, blieb das Management. Die ausgezeichnete Zukunftsperspektive mit Top-Fahrern und Top-Ingenieuren ist für Whitmarsh letztlich zum Bumerang geworden.

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