Vettel: "Unbewusstes Schattenboxen"

Von Alexander Maack/Christoph Köckeis
Montag, 04.03.2013 | 18:34 Uhr
Weltmeister Sebastian Vettel ist mit dem neuen Red Bull noch nicht zufrieden
© getty
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Die letzten Testfahrten sind beendet. Die Erkenntnisse sind gering. Mercedes beeindruckt mit Fabelzeiten, doch nahezu alle Teams kämpfen mit dem Verschleiß der Pirelli-Reifen. SPOX ordnet die Ergebnisse der Tage in Barcelona ein.

Mercedes: 481 Runden - Bestzeit: 1:20,130 Minuten (1. Nico Rosberg)

Die Silberpfeile verblüfften in Barcelona die Konkurrenz. Nachdem Lewis Hamilton am Samstag in 1:20,558 Minuten fast sieben Zehntelsekunden schneller war als Felipe Massa im Ferrari, unterbot Nico Rosberg die Bestzeit am Folgetag nochmals um vier Zehntel. Der schnellste Umlauf seit vier Jahren, als Rubens Barrichello eine 1:18.926 in den Asphalt brannte.

Ob mit dem F1 W04 ein neuer Coup gelungen ist? Hamilton hat seine Zuversicht wiederentdeckt und sprach während der Tests von Rennsiegen in dieser Saison. Auch die übrigen Top-Teams haben Mercedes wieder auf der Rechnung. "Das Auto war immer schnell. Jeden Tag und unter allen Bedingungen", erklärte McLarens sportlicher Leiter Sam Michael.

Die Verbesserung ist nicht allein auf den neuen Unterboden, den weiterentwickelten Frontflügel und die schlankere Motorabdeckung zurückzuführen, wie Teamchef Ross Brawn verrät: "Wir haben hier nicht nur neue Aerodynamikteile zum letzten Test mitgebracht. Einige Neuentwicklungen sind unter der Verkleidung versteckt."

Ausschlaggebend könnten Verbesserungen am Fric-System sein, das die vier Dämpfer hydraulisch miteinander vernetzt. Bei korrekter Abstimmung kommt die Wirkung des Systems einer aktiven Aufhängung gleich: Alle vier Reifen liegen jederzeit flach auf dem Untergrund auf, Kippbewegungen des Autos werden vermieden, die Position des Wagens ist jederzeit aerodynamisch optimal.

Lewis Hamilton: "Neuer Unterboden, Frontflügel, Heckflügel - all dies wurde hier noch probiert. Die Zuverlässigkeit, die Laufleistung sind ermutigend. Ich denke, wir können irgendwann in dieser Saison gewinnen. Nur wann das sein wird? Wer weiß."

Nico Rosberg: "Wir müssen vorsichtig sein, denn wir sind überzeugt, dass unsere Mitbewerber noch nicht ihr volles Potenzial gezeigt haben. Hätte ich eine Rakete unter dem Hintern, wäre ich vielleicht zufrieden. Ich denke, dass wir eine gute Basis haben. Die Balance ist die größte Stärke."

Der Fahrplan bis zum Saisonstart

Red Bull: 314 Runden - Bestzeit: 1:22,541 Minuten (12. Sebastian Vettel)

Auf dem Zeitentableau begnügten sich Sebastian Vettel und Mark Webber mit Mittelmaß. Das lag mitunter an der Reifenwahl. Meist blieb die Soft-Mischung in den Heizdecken. Zudem testet Red Bull fast traditionell mit mehr Sprit. Das Problem: Selbst nach Abzug der Differenz, die durch das zusätzliche Gewicht entsteht, liegt Red Bull hinter Mercedes und Ferrari.

"Wir hätten gerne mehr am Setup gearbeitet und die Änderungen besser verstanden", erklärt Motorsport-Berater Helmut Marko: "Aber die Reifen haben leider immer nur eine Runde durchgehalten. Selbst bei Sonne und warmem Asphalt wurde es nicht viel besser."

Intern soll Vettel bereits über die schlechte Balance des RB9 klagen. Selbst die Updates, die am Sonntag erstmals ans Auto gebracht wurden, führten nicht zu Verbesserungen. Der deutsche Dreifach-Weltmeister spult nun in der Fabrik in Milton Keynes Testkilometer im Simulator ab, damit der Auftakt in Melbourne gelingt.

Die eigene Leistungsfähigkeit will Red Bull aktuell nicht vergleichen. "Wir wissen das nicht mal über uns selbst", sagt Vettel über die Longrun-Performance: "Was willst du auch rausfinden, wenn nach drei Runden die Reifen nachlassen?"

Stirnrunzeln bereitet sämtlichen Renault-Teams unterdessen die Entscheidung der FIA bezüglich des Motor-Mappings. Nachdem in der letzten Saison die Drehmomentkurve des Motors auf den Stand eines der ersten vier Rennen festgelegt wurde, wollten die Franzosen die Einstellung in dieser Saison wieder verändern. Der Diffusor sollte angeblasen werden, wenn der Fahrer vom Gas geht. Der Automobilverband erklärte, die Regelung der kommenden Saison bestehe weiter.

Sebastian Vettel: "Die neuen Teile funktionieren noch nicht so, wie wir uns das erhofft haben. Wir müssen erst verstehen, was genau das Auto braucht. Es war die Wintertests schwierig etwas herauszulesen. So schwierig wie nie. Es war quasi unbewusstes Schattenboxen. Man kann keine Favoriten erkennen."

Mark Webber: "Letztes Jahr hatten wir mehr Baustellen. Es war schwerer das Auto zu verstehen. Das hat man auch an den Ergebnissen gemerkt. Wir müssen uns nun auf alle Szenarios vorbereiten. Wir haben vor allen Gegnern Respekt."

Die Testzeiten im Überblick

Ferrari: 428 Runden - Bestzeit: 1:20,494 Minuten (2. Fernando Alonso)

Am zweiten Tag der letzten Barcelona-Tests zog Fernando Alonso ein erstes Fazit. "Ich glaube, wir sind etwas hinter den Top-Teams. Das haben wir erwartet", sagte der Spanier zu "Sky Sports F1". Der Rückstand hat sich unterdessen weiter verkürzt.

Wie Nico Rosberg fuhr Fernando Alonso am Sonntagvormittag Qualifying-Runs. Das Ergebnis: Der Spanier reihte sich in der Wertung dreieinhalb Zehntelsekunden hinter dem Deutschen ein. "Wir hatten einen deutlich besseren Winter als im letzten Jahr", erklärte Technik-Chef Pat Fry: "Im Vorjahresauto waren einige fundamentale Fehler eingebaut. Daraus haben wir viel gelernt. Diesmal können wir auf einer guten Basis aufbauen."

Im Gegensatz zu den meisten anderen Teams fuhr Ferrari in Barcelona noch nicht das für den Saisonauftakt gedachte Auto. "Die Teile für Australien kommen nicht zu diesem Test. Wir werden sie am Freitag vor Ort ausprobieren", sagte Alonso. Zudem plant die Scuderia schon jetzt die nächsten Verbesserungen. "Es kommen weitere kleinere Teile nach Melbourne, weitere nach Malaysia und in China gibt es ein größeres Upgrade", so Fry gegenüber "Autosport": "Ich habe keine Ahnung, wo wir genau stehen, aber wir haben eine vernünftige Balance und beide Fahrer sind glücklich über das Auto."

Fernando Alonso: "Wir haben einen besseren Ausgangspunkt als im letzten Jahr und ich habe aus einigen Fehlern gelernt. Ich bin besser vorbereitet und stärker als vergangenes Jahr. Ich denke, dass wir die Lücke aus Brasilien reduziert haben und in besserer Verfassung in Australien ankommen. Das bedeutet, dass wir 200 Mal besser sind als im letzten Jahr."

Felipe Massa: "Der Red Bull ist ein wettbewerbsfähiges Auto. Man kann sehen, dass er ein sehr gutes Heck hat. Sie sind beständig auf Longruns. Wir müssen das erste Rennen und das erste Qualifying abwarten um klar zu sehen, wo wir stehen. Wir sind zuversichtlich, dass wir besser starten als letztes Jahr."

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