Formel 1

Gestatten, Geheimfavorit!

Von Christoph Köckeis
Iceman Kimi Räikkönen und sein Lotus lassen die Konkurrenz um Red Bull staunen
© getty

Der Saisonauftakt in Melbourne rückt unaufhaltsam näher: Noch drei Wochen bleiben für den letzten Feinschliff. In Barcelona hielten sich die Top-Teams abermals bedeckt. Erste Tendenzen wurden bei den viertägigen Testfahrten erkennbar. SPOX hat zumindest einen brandheißen Tipp parat.

Red Bull: 322 Runden - Bestzeit: 1:22.197 (5. Sebastian Vettel)

Irgendwie mutete es grotesk an: Die Mechaniker verrenkten sich regelrecht mit ihren Sichtblenden. Selbst die Fotografen trickste man durch Parken unter dem Boxendach aus. Dabei werden die Verantwortlichen nicht müde zu betonen, dass der RB9 nur eine Evolution ist. Warum also diese Geheimnistuerei? Oder sollten dadurch bewusst Spekulationen befeuert werden?

Sebastian Vettel konnte jedenfalls die Wahrnehmung aus Jerez bestätigen: Mal wieder designte Adrian Newey einen Boliden, der von Grundspeed und Balance überzeugt. Letzteres könnte ob kritischem Verschleiß der Reifen von übergeordneter Bedeutung sein. Entsprechend fokussierte man sich auf Dauerläufe. Was die Konstanz betrifft, fiel Mark Webber dabei im Vergleich zu Mercedes, Lotus oder McLaren etwas ab.

Sebastian Vettel: "Auch diesmal haben wir das Abtanken anderen überlassen. Es geht darum, unter der Haube die Komponenten noch besser anzuordnen und standfest zu machen. Am ersten Tag legte uns ein Software-Problem lahm, das Bauteil kam aber von McLaren."

Mark Webber: "Die große Herausforderung besteht darin, die Reifen zu verstehen. Sieben von 100 Runden sind gut, da hast du Grip, um Setupveränderung zu verstehen. Aus diesen beschränkten Daten müssen wir das Maximum herauslesen."

Der Fahrplan bis zum Saisonstart

Ferrari: 360 Runden - Bestzeit: 1:21.875 (2. Fernando Alonso)

Dem Testauftakt blieb Fernando Alonso fern, arbeitete stattdessen an der physischen Konstitution. Mit Spannung wurde demnach sein Auftritt in Barcelona erwartet - auch von der Scuderia. Nach der Jungfernfahrt durften die Techniker aufatmen. Der F138 sei ein himmelweiter Fortschritt. Lediglich 27 Tausendstel fehlten zur Wochen-Bestzeit. In Abwesenheit von Vettel setzte der spanische Vize-Weltmeister eine Duftmarke.

Selbst wenn dahinter ein Show-Run vermutet wird - der Psycho-Krieg scheint wieder aufzuflammen. Apropos Flammen: In Jerez bereiteten zu hohe Temperaturen Kopfzerbrechen, diesmal überhitzte der Auspuff kontrolliert. Damit sollte die Belastungsgrenze erforscht werden. Unter der Nase war übrigens ein Schlitz zu sehen. Über den Zweck des "Haifischmauls" wird gerätselt. Man vermutet eine Verbesserung der Strömung.

Felipe Massa übernahm am feuchten Freitag das Cockpit, konnte die Performance-Anstrengungen Alonsos nicht fortführen. Über lange Distanzen lässt die Scuderia noch Nachholbedarf erkennen.

Fernando Alonso: "Das neue Auto fühlt sich ungefähr gleich an wie beim Finale in Brasilien. Damals waren wir weit weg von Red Bull und McLaren. Die böse Überraschung vom Vorjahr blieb uns erspart. Ich bin sicher, dass wir in Australien stark sein werden."

Die Testzeiten im Überblick

McLaren: 315 Runden - Bestzeit: 1:21.848 (1. Sergio Perez)

Der MP4-28 hat Potenzial - großes Potenzial. Sergio Perez konnte dies belegen. Mit 1:21.848 brannte er am Mittwoch die Bestzeit in den Asphalt. Tags darauf musste sich Jenson Button mit Rang sieben begnügen - vollbeladen und auf harten Reifen. Der britische Weltmeister von 2009 wertete seine 1:22.840 als "ziemlich gut". Und trotzdem zeichnen sich Sorgenfalten auf der Stirn ab.

Der MP4-28 bleibt ein Mysterium. "Manchmal fühlt er sich gut an, manchmal nicht", betonte Button. Warum, das sollte in Barcelona beantwortet werden. Nach vier Tagen grübelt die McLaren-Crew noch immer. Trotz Aerodynamik-Adaptionen, Systemchecks und Longruns vermisst man schlichtweg das Verständnis. Noch drei Wochen bleiben, bis zum Saisonstart in Melbourne: Die Uhr tickt!

Jenson Button: "Es geht derzeit darum, sicherzustellen, dass es so funktioniert, wie wir das erwarten. Manchmal war das nicht der Fall. Dafür läuft es ein andermal ziemlich gut. Mit der eigentlichen Testarbeit haben wir noch gar nicht begonnen."

Sergio Perez: "Wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren, blicken nicht auf andere Teams. Das Auto ist an Jensons Fahrstil angepasst, nahezu darauf ausgerichtet. Um in Melbourne vorne dabei zu sein, haben wir noch sehr viel zu tun."

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