Sonntag, 24.06.2012

Schmiergeld-Affäre schadet dem Image der Formel 1

Ära Ecclestone könnte bald enden

Mit Gebrauchtwagen in einem Hinterhof fing einst alles an. Mit Autos hat Charles Bernhard Ecclestone, den alle nur Bernie nennen, auch heute noch zu tun. Jetzt aber steht er auf der Weltbühne der Formel 1. Der nur 1,58 m große Brite ist Herr über mehr als 10.000 PS.

Die Schmiegeldaffäre treibt Bernie Ecclestone immer mehr in die Enge
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Die Schmiegeldaffäre treibt Bernie Ecclestone immer mehr in die Enge

Seit mehr als 30 Jahren geschieht in der Formel 1 nichts ohne Ecclestones Zustimmung. Sein Wille ist Gesetz. Der 81-Jährige ist Chefvermarkter eines Milliarden-Unternehmens. Ecclestone vergibt die Fernsehrechte, er allein entscheidet, wann und wo gefahren wird.

Und wen er nicht mag, der kommt auch nicht rein in seinen Zirkus. Mehr als drei Milliarden Euro Vermögen soll Ecclestone schon mit der Formel 1 angehäuft haben. Bislang hat der Promoter alle Krisen gemeistert. Auf die Frage, wie lange er den Job noch machen wolle, sagte der Engländer einst: "Aufhören werde ich erst, wenn ich sterbe."

Bestechung oder Erpressung?

Da könnte sich Ecclestone getäuscht haben. Vielleicht muss der Napoleon der Königsklasse doch noch zu Lebzeiten abdanken. Denn der "Fall Gerhard Gribkowsky" könnte das Ende der Ära Ecclestone beschleunigen. Dem Zampano wird Bestechung vorgeworfen. Ecclestone soll 2006 eine Summe von 44 Millionen Dollar an den damaligen Bankmanager Gribkowsky (54) gezahlt haben.

Im Gegenzug erhielt Ecclestone dann Formel-1-Vermarktungsrechte. Mit diesem Geständnis könnte der ehemalige Vorstand der BayernLB den Formel-1-Boss in arge Bedrängnis bringen. Doch Ecclestone bleibt (noch) gelassen.

Schaden auch für die Formel 1

In seiner Darstellung heißt es nämlich, er sei von Gribkowsky erpresst worden. Somit steht zunächst einmal Aussage gegen Aussage. Die Anwälte haben das Wort, es droht eine Schlammschlacht.

Doch je länger sich diese Affäre hinzieht, desto größer ist der Imageschaden für Ecclestone - und noch viel schlimmer: für die ganze Formel 1. Schlagzeilen wie "Muss Ecclestone jetzt ins Gefängnis?" sind nicht gut fürs Geschäft.

Das schreckt seriöse Unternehmen und Sponsoren möglicherweise ab, ihre Millionen in der Formel 1 zu investieren. Geld, das alle Teams in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise gut gebrauchen könnten.

Kritiker wollen (noch) anonym bleiben

Noch traut sich im Fahrerlager niemand, öffentlich das Wort gegen Ecclestone zu erheben. Noch ist die Angst vor Bernies Rache größer als der Schaden für die Formel 1. Beim Formel-1-Rennen in Valencia war die Schmiergeld-Affäre daher ein Tabu-Thema.

Doch es gibt eine Opposition gegen Mister E. und die könnte mit jedem Tag größer und lauter werden. "Für uns alle ist dieser Fall, die Außenwirkung eine Katastrophe", wird ein namentlich nicht genanntes Führungsmitglied eines Rennstalls von der angesehenen "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zitiert.

"Big Bernie" hat aber auch Befürworter, die nichts von der anonymen Kritik am großen Boss halten. "Diese Leute würden sehr schnell merken, was sie an Bernie gehabt haben, wenn er plötzlich nicht mehr da wäre", sagte Sebastian Vettels Teamchef Christian Horner dem Fachmagazin "auto motor und sport".

Steht der Nachfolger schon bereit?

In der Tat: Ecclestone hat aus dem Formel-1-Zirkus ein Wirtschaftsunternehmen gemacht, das drittgrößte Sportereignis weltweit nach Olympischen Spielen und Fußball-WM.

Das Problem käme zur falschen Zeit, sagt ein Teamchef, der nicht genannt werden will: "Es mag Leute geben, die Bernie am Zeug flicken wollen und sich bis jetzt nicht getraut haben." Frank Williams reagiert gelassener: "Auch andere Diktaturen haben Nachfolger gefunden. Es muss nicht unbedingt Chaos ausbrechen."

Nach Informationen von "auto motor und sport" stünde bereits ein Nachfolger bereit: Ex-Nestle-Chef Peter Brabeck-Letmathe.

Die Formel-1-WM im Überblick

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