Donnerstag, 07.06.2012

Trendwende bei den Traditionsteams

Ferrari zieht an McLaren vorbei

Nach knapp einem Drittel der Saison hat sich das Kräfteverhältnis unter den beiden Traditionsteams Ferrari und McLaren gedreht. McLaren zahlt jetzt für seine Ineffizienz, Ferraris Gurke ist auf einmal siegfähig.

In Monaco war Ferrari schon schneller unterwegs als die Konkurrenz von McLaren
© Getty
In Monaco war Ferrari schon schneller unterwegs als die Konkurrenz von McLaren

Wer vor dem Kanada-GP auf den WM-Stand blickt, wird sich schwer tun, sich noch an die Prognosen vor der Saison zu erinnern. Damals war McLaren ganz klar das Team, das es zu schlagen galt. Ferrari war dagegen das Team, von dem man erwartete, dass es von fast allen geschlagen wird.

Sechs turbulente Rennen später führt Fernando Alonso in seiner vermeintlichen roten Gurke die Fahrerwertung an, die McLaren-Piloten liegen mit 13 (Lewis Hamilton) und 31 (Jenson Button) Punkten Rückstand auf den Plätzen vier und sieben.

Wo ist der anfangs so überlegene Speed des McLaren geblieben? "Wir fallen von Rennen zu Rennen weiter zurück", sagte Hamilton nach seinem fünften Platz in Monaco und warnte: "Wenn wir Pech haben, gleitet uns die WM durch die Finger."

Fehler über Fehler bei McLaren

McLarens Trend ist in der Tat fatal. Erst hatten sie das schnellste Auto, haben aber durch eigene Fehler jede Menge Punkte liegen gelassen. Jetzt scheint zu allem Überfluss das Auto auch nicht mehr in jedem Rennen schnell genug zu sein.

In Malaysia gingen gleich zwei Boxenstopps bei Hamilton in die Hose, in China patzte die Crew einmal bei Button. Zudem musste an Hamiltons Auto das Getriebe gewechselt werden. In Bahrain gingen wieder zwei Reifenwechsel bei Hamilton schief, wenngleich er dort wie in Monaco ohnehin nicht siegfähig gewesen wäre. Als Krönung folgte der Betankungsfehler im Qualifying in Barcelona, der Hamilton vom ersten auf den letzten Startplatz zurückwarf.

Monaco-GP: Webber sorgt für F-1-Rekord
Tags zuvor setzte es noch eine 5:3-Pleite gegen die Schweiz. Zur Belohnung ging es für die DFB-Elf zum Grand Prix nach Monaco. Nationalspieler müsste man sein
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Bitte lächeln! Gruppenfoto der Nationalmannschaft mit Michael Schumacher und Nico Rosberg vor der herrlichen Kulisse Monacos
© Getty
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Das Formel-1-Rennen von Monaco startete spektakulär. Zu Beginn gab es fliegende Boliden und jede Menge Schrott zu sehen
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Monaco ist bekannt für Glamour. Da dürfen Superstars nicht fehlen. Nicole Scherzinger (r.) und Hollywood-Superstar Will Smith (M.) grinsen mit Bernie Ecclestone um die Wette
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Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Nicole Scherzinger zeigt ihre Schokoladenseite...
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Ja, Nicole...wir haben es verstanden. Du hast das schönste Lächeln von Monaco
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Zurück zum Rennen. Pole-Setter Mark Webber sicherte sich den Start-Ziel-Sieg. Doch so einfach war es nicht. Zwischenzeitlich musste er ganz schön kämpfen
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Gleich in der zweiten Runde musste das Saftey Car raus, weil Romain Grosjaen sein Auto unfreiwillig auf der Zielgeraden parkte
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Pastor Maldonado, Sieger des Spanien Grand Prix, musste früh die Segel streichen. Sein Bolide wurde per Kran von der Strecke gehievt
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Am Ende wurde es richtig eng für Tagessieger Webber. In den letzten 10 Runden trennten die ersten fünf Fahrer nur zwei Sekunden
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Doch am Ende reichte es für den Australier und er bekam von Fürst Albert von Monaco höchstpersönlich die Trophäe überreicht
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Nach dem nervenaufreibenden Rennen hat sich Mark Webber die Schampus-Party redlich verdient
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Teamkollege Sebastian Vettel fuhr von Startplatz neun auf Rang vier. Sicherlich auch ein Grund zum feiern für den amtierenden Weltmeister
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Apropos Schampus. Da, wo viel Geld ist, darf dieser Herr nicht fehlen: Roman Abramowitsch. Der Chelsea-Besitzer posiert vor der Sauber-Box
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Jessica Michibata, Freundin von Jenson Button, muss nicht nur von vorne gut aussehen, wie die Blicke der Herren im Hintergrund verraten
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Schauspieler Antonio Banderas machte seinem Spitznamen "Latin-Lover" mit dieser schönen Frau an seiner Seite alle Ehre
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Beim Rennen in der High-Society-Hochburg Monaco darf Tamara Ecclestone, Tochter von Formel-1-Boss Bernie, natürlich nicht fehlen
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Hamilton macht noch das Beste daraus

"Unser Auto ist immer noch konkurrenzfähig, aber wir haben nicht immer das Optimum herausgeholt", sagte Teamchef Martin Whitmarsh und gab zwischenzeitlich zu: "Ich bin sehr frustriert."

Hamilton nicht, zumindest nicht so, dass es Auswirkungen auf seine Leistungen gehabt hätte. Dieser komplette Wandel im Vergleich zum Vorjahr ist ihm hoch anzurechnen. Trotz aller Fehler und in Bahrain und Monaco mangelnden Speeds hat er immer wenigstens einige WM-Punkte gesammelt. Nur deshalb liegt er noch in Schlagdistanz zur Spitze.

Button hat komplett den Faden verloren

Die droht sein Teamkollege Button langsam komplett aus den Augen zu verlieren. Seine letzten drei Rennen waren ein totales Desaster. Zweimal die Top Ten im Qualifying verpasst und nur noch zwei Punkte geholt.

"Das ist meine schwächste Phase seit meiner Zeit bei Honda. Ich habe in den letzten Rennen das Gefühl für das Auto und den Speed verloren. Keine Ahnung, wo das alles auf einmal hin ist. So etwas hatte ich noch nie", klagte Button bei "Reuters". Ausgerechnet er, der den Beinamen Reifenflüsterer in den letzten Jahren gepachtet hatte, bekommt die Pirelli-Pneus nicht mehr zum Arbeiten.

Inklusive seiner jämmerlichen zwei Zähler hat McLaren in den letzten drei Rennen nur 20 Punkte geholt. In den ersten drei waren es 88. Das reicht zwar immer noch für Rang zwei in der Konstrukteurs-WM, aber allein Alonso hat in den letzten drei Rennen mit 39 Punkten fast doppelt so viele geholt wie Hamilton und Button zusammen.

Pirelli kocht sich sein eigenes Rennen
Jenson Button (l.) und Romain Grosjean als Köche? Mit prominenter Hilfe stellte Pirelli in Monaco ein Kochbuch vor, in dem auf amüsante Weise F-1-Motive nachgestellt werden
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Los geht's mit der Vorstartphase. Letzte Vorbereitungen der Mechaniker (l.), bevor es in die Einführungsrunde geht (r.)
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Die Autos kommen zurück und stellen sich auf ihre Startpositionen (l.). Die ersten Lichter der Startampel gehen an, gleich wird es ernst (r.)
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Es geht los! Die Autos rasen auf die erste Kurve zu (l.). Nach engen Duellen in der ersten Kurve sortiert sich das Feld langsam (r.)
© pirelli
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Im Kampf um die Positionen wird es eng. Die ersten Gegner greifen einander an (l.). Ein Verbremser zu viel und der Unfall ist nicht mehr zu vermeiden (r.)
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Das ist das Aus für einen der Beteiligten (l.). Das Auto steht so ungünstig, dass das Safety-Car auf die Strecke kommen muss (r.)
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Die perfekte Gelegenheit für die Führenden, in die Boxengasse abzubiegen (l.). Die Crew steht schon für das heran rasende Auto bereit
© pirelli
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Die Boxenmannschaft ist ein eingespieltes Team. Jetzt geht es um Sekunden (l.). Alte Reifen runter, neue Reifen drauf, dann geht es weiter (r.)
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Bei der Boxenausfahrt geht es um Zentimeter (l.). Beide Führenden jagen sich in den letzten Runden. Die Reifen sind in den Schikanen am Limit (r.)
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Dann das entscheidende Überholmanöver kurz vor Ende des Rennens (l.). Die Zielflagge wird geschwenkt, der Sieger steht fest (r.)
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Auf dem Podium reihen sich die ersten Drei des Rennens zur Siegerehrung auf (l.). Der Rest ist einfach nur noch eine große Party (r.)
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Ferrari von der Gurke zum Sieganwärter

Womit wir beim Gegenpol zu McLaren wären. In dem Maße, in dem die Briten absteigen, steigt Ferrari auf.

Profitierte der in der Tat viel zu langsame F2012 in den ersten Rennen noch von unberechenbarem Wetter, Fehlern der Gegner und der Genialität von Alonso, ist seit dem großen Umbau vor dem Spanien-GP auch der Speed da. Alonso schnupperte sowohl in Barcelona als auch in Monaco aus eigener Kraft am Sieg.

"Ich bin mir sicher, dass Ferrari mit all der Erfahrung, die sie haben, für den Rest des Jahres sehr konkurrenzfähig sein werden", sagte Hamilton über seinen wieder erstarkten Gegner.

Ferrari erwartet weitere Steigerungen

Alonso profitiert jetzt davon, dass er in der Schwächephase von Ferrari immer in die Punkte gefahren ist und bei der einzigen Chance zum Sieg, die er in Malaysia hatte, eiskalt zugeschlagen hat. Der Spanier hat sich im Vergleich zu seinen Startplätzen in jedem Rennen verbessert. Hamilton fiel in vier von sechs Rennen zurück.

"Wir hatten einen schwierigen Saisonauftakt, wenn man den Speed des Autos betrachtet. Aber jetzt haben wir die WM-Führung inne, egal ob erwartet oder unerwartet", sagte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali und kündigte weitere Steigerungen an: "Wir sind immer noch nicht da, wo wir sein wollen, und werden weitere Verbesserungen am Auto vornehmen. Unser Ziel muss es sein, Pole-Positions herauszufahren."

Hamilton und Alonso sehen sich gegenseitig als WM-Favoriten

Die ging bisher unabhängig von der Strafe in Barcelona dreimal an Hamilton, den alten Konkurrenten von Alonso, den er aber mittlerweile in hohem Maße respektiert. Das geht so weit, dass er in Monaco sagte: "Wenn ich einen Weltmeister tippen müsste, würde ich Hamilton wählen. Er ist der einzige Fahrer, der auch in einem Auto, das kein Gewinner ist, den Unterschied ausmachen kann."

Diese Worte ausgerechnet von Alonso, der seinerseits 2012 zur Genüge bewiesen hat, dass eigentlich er es ist, der genau dieses Talent hat? Klar, dass Hamilton das Kompliment umgehend zurückgab: "Sobald Alonso das entsprechende Auto hat, wird er nur sehr schwer zu schlagen sein."

Klingt nach einem tollen Kampf zweier toller Fahrer. Aber das noch Tollere an dieser Saison ist, dass es mit Sebastian Vettel, Mark Webber, Nico Rosberg, Kimi Räikkönen und vielleicht auch noch Button eine Handvoll Piloten gibt, die in diesen Titelkampf einsteigen können.

Stand in der Fahrer- und Konstrukturs-WM

Alexander Mey

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