Die verrücktesten Monaco-Rennen aller Zeiten

Der Wahnsinn hat Methode

Von Alexander Mey
Freitag, 25.05.2012 | 13:02 Uhr
1965 versenkte Paul Hawkins sein Auto im Hafenbecken von Monaco
© Imago
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Der Monaco-GP ist ein irres Spektakel. Früher sogar noch irrer als heute. Von daher lohnt sich mal ein Blick in die Geschichtsbücher auf der Suche nach den verrücktesten Rennen, die das Fürstentum je gesehen hat. Hier die Top Ten in chronlogischer Reihenfolge mit allen Stars von Ayrton Senna und Alain Prost bis hin zu Michael Schumacher und Sebastian Vettel.

Monaco-GP 1965: Das Bad im Hafenbecken

Sieger: Graham Hill

Der Vater von Damon Hill ist heute noch bekannt unter dem Namen "Mr. Monaco". Der zweimalige Weltmeister hat in seiner Karriere nur 14 Formel-1-Rennen gewonnen, aber fünf davon in Monaco. Genauso viele wie Michael Schumacher.

1965 feierte er seinen wohl spektakulärsten Sieg. Er führte das Rennen klar an, als er einem mitten in der Hafenschikane liegen gebliebenen Auto ausweichen musste. Er schoss geradeaus in den Notausgang, musste aussteigen, das Auto eigenhändig zurückschieben und konnte dann erst weiterfahren. Trotz riesigen Rückstands holte er all seine Gegner noch ein und gewann nach 100 Runden souverän.

Noch spektakulärer als Hills Sieg war aber der Unfall des Australiers Paul Hawkins. Er verlor in der Hafenschikane die Kontrolle über seinen Lotus, flog über die Streckenbegrenzung und plumpste samt Auto ins Hafenbecken. Das Auto sank bis auf den Grund, aber Hawkins konnte zum Glück zu einem Rettungsboot schwimmen. Das Auto wurde später gehoben. Es war der zweite Abflug eines Autos ins Wasser nach Alberto Ascari 1955 - und bis heute der letzte.

Monaco-GP 1970: Diese verdammte letzte Kurve

Sieger: Jochen Rindt

Es war der zweite von sechs GP-Siegen des Österreichers und der erste seiner tragischen Titelsaison. Rindt startete nur von Platz acht, kam aber im Laufe des Rennens auch durch technische Defekte seiner Gegner bis auf Platz zwei nach vorne.

In Runde 61 von 80 hatte er neun Sekunden Rückstand auf den souverän führenden Jack Brabham. Doch Rindt legte in den letzten Runden einen unglaublichen Speed vor und holte Brabham tatsächlich noch ein. Nur überholen konnte er ihn nicht.

Als Brabham in der letzten Runde auf die Rascasse zufuhr, hatte Rindt sicher schon aufgegeben. Doch der Australier machte den unfassbaren Fehler, mit dem keiner mehr rechnen konnte, auch Rindt nicht. Brabham verbremste sich und rutschte in der allerletzten Kurve des Rennens geradeaus. Er schlug nicht an und konnte Rang zwei ins Ziel retten, aber den Sieg hatte er Rindt wenige hundert Meter vor der Ziellinie geschenkt.

Rindt gewann in dieser Saison noch vier weitere Rennen, verunglückte aber im Training zum Italien-GP in Monza tödlich. Er wurde posthum zum Weltmeister gekürt.

Monaco-GP 1982: Das irrste Finish aller Zeiten

Sieger: Riccardo Patrese

Bis zwei Runden vor dem Ziel sah Alain Prost wie der sichere Sieger aus. Er führte in seinem Renault haushoch, als Regen einsetzte. Aus der Hafenschikane heraus trat Post zu heftig aufs Gas und warf das Auto in die Leitplanken. Eigentlich schon dramatisch genug, aber da ging es erst los.

Riccardo Patrese hatte die Führung geerbt, kam aber nur bis in die vorletzte Runde, bevor er sich in der Loews-Kurve drehte. Die Führung ging an Didier Pironi, dessen Ferrari allerdings in der letzten Runde im Tunnel ohne Benzin liegen blieb.

Nun wäre Andrea de Cesaris mit der Führung an der Reihe gewesen, aber auch sein Auto strandete ohne Benzin. Nächster virtuell Führender war Derek Daly, der sein Auto unglaublicher Weise nach einem Unfall ohne Heckflügel in Richtung Ziel schleppte. Aber auch er blieb wenige hundert Meter vor dem Ziel ohne Benzin liegen.

So kam letztlich wieder Patrese ins Spiel, dessen Auto bei dem Dreher in der Loews nicht beschädigt wurde. Streckenposten schoben ihn an und er konnte, während er bergab rollte, den Motor wieder starten.

Er konnte das Rennen fortsetzen und sein Glück kaum fassen, als er nach fünf Führungswechseln in den letzten beiden Runden als Sieger abgewunken wurde.

Monaco-GP 1984: Die Geburt des Ayrton Senna

Sieger: Alain Prost

Regen in Monaco, der Rennstart muss um 45 Minuten verschoben werden. Als es losgeht, liegt Prost schnell in Führung und kann sich im McLaren nach dem Ausfall von Nigel Mansell weit vom Rest des Feldes absetzen.

Doch von Startplatz 13 aus kommt ein gewisser Senna im Toleman furios auf und übernimmt in Runde 19 Position zwei, eine halbe Minute hinter Prost. Er holt mit riesigen Schritten auf und droht, den Franzosen aufzuschnupfen und seinem ersten GP-Sieg entgegen zu fahren.

Prost weiß das und gestikuliert aus dem Auto heraus wild in Richtung Rennleitung, sie möge das wegen des starken Regens beinahe irreguläre Rennen doch endlich abbrechen. In Runde 31 tut sie ihm den Gefallen und erklärt ihn zum Sieger.

Senna wird die Chance geraubt, seinen ersten Sieg zu feiern, und er ist stinksauer. Wie übrigens auch der Deutsche Stefan Bellof. Der war vom letzten Startplatz aus bis auf Rang drei gefahren und zum Zeitpunkt des Abbruchs sogar schneller unterwegs als Senna. Auch er hätte der Held des Tages werden können.

Für Prost folgte das dicke Ende dieses von ihm zum Teil provozierten Abbruchrennens am Saisonende. Er bekam für seinen Sieg nur die halben WM-Punkte, also 4,5 statt 9. Letztlich verlor er den WM-Titel gegen Niki Lauda um einen halben Punkt.

Monaco-GP 1988: Sennas größter Fehler

Sieger: Alain Prost

Ayrton Senna gewann den Monaco-GP sechs Mal - Rekord. 1987 zum ersten Mal, dann fünfmal in Folge zwischen 1989 und 1993. 1988 verlor er ihn - und zwar auf hochgradig dramatische Weise.

Es war das Jahr totaler McLaren-Überlegenheit. Senna holte die Pole mit 1,4 Sekunden Vorsprung vor Teamkollege Alain Prost. Der Dritte Gerhard Berger war weitere 1,2 Sekunden langsamer. Am Start fiel Prost jedoch hinter Berger zurück und steckte dort 54 Runden lang fest.

Perfekt für Senna, der bis dahin fast eine Minute Vorsprung herausfahren konnte. Als Prost frei fahren konnte, war er schneller als Senna. Er hätte den Brasilianer zwar nie mehr einholen können, aber er kratzte an dessen Stolz. Senna wollte die Rundenzeiten von Prost trotz des riesigen Vorsprungs kontern.

Dabei übertrieb er es allerdings und warf sein Auto elf Runden vor dem Ziel in die Leitplanken - den sicheren Sieg vor Augen. Während Prost gewann, kehrte Senna nicht in die Box zurück oder nahm an der Siegerehrung teil. Nein, er verschwand direkt von der Unfallstelle in sein Apartment in der Stadt.

Teil 2: Die chaotischsten Rennen der Neuzeit

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