"Nicht hier, um uns in die Politik einzumischen"

Rennen wird zum Hochsicherheitsevent

SID
Freitag, 20.04.2012 | 14:48 Uhr
Straßensperren und Autodurchsuchungen sollen mögliche Anschläge an der Strecke verhindern
© Getty
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Die Angst ist inzwischen ein ständiger Begleiter. Gepanzerte Polizeiautos säumen den Weg zur Strecke, Straßensperren sorgen für Staus und jedes Fahrzeug wird auf Bomben untersucht. Hubschrauber kreisen über dem Gelände und jeder Gast muss durch eine Sicherheitsschleuse.

Die Formel 1 wird zum Hochsicherheitsevent. Doch Promoter Bernie Ecclestone wird nicht müde, die Diskussionen im Keim zu ersticken.

"Wenn wir nicht hier wären, würde niemand über Bahrain sprechen. Es gibt viele andere Länder, über die man viel mehr schreiben könnte", sagte Ecclestone.

Ecclestone will sich nicht einmischen

Die Formel 1 will sich nicht in die Politik einmischen, tut dies aber durch ihre bloße Anwesenheit. Doch Ecclestone will auch davon nichts hören. "Es gibt in so vielen Ländern politische Probleme. Wir sind nicht hier, um uns in die Politik des Landes einzumischen", sagte er.

Die Proteste der Opposition gegen die Regierung am Rande des umstrittenen Grand Prix verfehlen ihre Wirkung trotzdem nicht und sorgen für einen Domino-Effekt: Zum einen wird der Formel-1-Zirkus beinahe hermetisch abgeriegelt.

Auf der anderen Seite schüren die dadurch schon fast kriegsähnlichen Zustände die Angst bei Teams und Fahrern. Auch wenn die Beteiligten das zumindest nach außen weiterhin hin nicht zugeben wollen.

Risiko gibt es überall

Im Fahrerlager ist die Sicherheit trotzdem immer noch das Thema Nummer eins. Auch wenn sich Weltmeister Sebastian Vettel und Co. endlich auf den Sport konzentrieren wollen.

Rekordchampion Michael Schumacher will "den Sport nicht mit der Politik mischen". Fragen zu Bahrain blockt der 43-Jährige ab. Ob er sich sicher fühle? "Ja", sagte der Mercedes-Pilot lediglich. Und Vettel habe niemanden Bomben werfen sehen. "Außerhalb kann es vielleicht ein Risiko sein, aber das kann es überall sein", sagte Vettel.

Das bekam das Team Force India des deutschen Piloten Nico Hülkenberg hautnah zu spüren, hat sich aber trotzdem gegen eine kollektive Abreise aus Bahrain entschieden. "Keine Chance, dass wir uns zurückziehen", sagte der stellvertretende Teamchef Bob Fernley. Man wolle dazu beitragen, dass der Grand Prix möglichst normal über die Bühne gehe, sagte Fernley.

Das indische Team ließ das Training am Freitagnachmittag aus Sicherheitsgründen aber sausen, da man nicht im Dunkeln die Strecke verlassen wolle.

Die Sicherheit stehe an erster Stelle, sagte Fernley dem britischen Fachmagazin "autosport". Und brach eine Lanze für die Entscheidung des Automobil-Weltverbandes FIA, den Grand Prix trotz aller Bedenken auszutragen. "Bei allem Respekt, weder die FIA noch die Regierung Bahrains haben eine 100 prozentige Sicherheit zugesagt."

Begleitschutz für Force India

Zugesagt hat Ecclestone dem indischen Team allerdings persönlichen Begleitschutz. "Wenn sie länger arbeiten wollen, dann fahre ich mit ihnen zurück, auch nachts", sagte der 81-Jährige. Er wisse nicht, ob sie wirklich das besondere Ziel der Angriffe gewesen seien.

"Ich hoffe nicht. Keines der anderen Teams hatte Probleme", sagte Ecclestone. Am Mittwoch war ein Force-India-Minivan mit vier Mechanikern aufgrund einer Straßensperre in Krawalle zwischen Demonstranten und der Polizei geraten und einem Anschlag nur knapp entgangen. Daraufhin reisten zwei Teammitglieder vorzeitig ab.

Am Donnerstag wurde auch das Sauber-Team zumindest Zeuge von gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Teammitglieder beobachteten auf dem Rückweg zum Hotel, dass wenige vermummte Gestalten auf die Fahrbahn liefen. Auf der Fahrbahn brannte zudem eine Flasche. Zu Schaden kam vom Team aber niemand.

Und die Krawalle werden wohl weitergehen. Zwar hatten die Organisatoren im Vorfeld erklärt, man werde den erhöhten Schutz gar nicht mitbekommen.

Doch die Realität sieht anders aus. Da die Unruhen und Krawalle zunehmen, je näher das Rennen rückt, sehen sich die Ordnungshüter offenbar in der Pflicht, die Gewalt mit aller Gewalt einzudämmen. Am Donnerstag gingen Polizisten bei vereinzelten Zusammenstößen in Manama mit Tränengas und Blendgranaten gegen Demonstranten vor.

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