Kann Mercedes sogar gewinnen?

Von Alexander Mey
Donnerstag, 15.03.2012 | 13:03 Uhr
Mercedes geht als einer der Geheimfavoriten in das erste Rennen in Melbourne
© xpb
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Die Saison 2012 beginnt mit dem Australien-GP (Training, Fr., 6.30 Uhr im LIVE-TICKER). Red Bull geht als Favorit ins Rennen, hat aber harte Konkurrenz von McLaren und vielleicht sogar Mercedes und Lotus. Ferrari ist die Wundertüte, der keiner über den Weg traut.

Streckendaten:

 

  • Name: Albert Park Circuit
  • Ort: Melbourne
  • Länge: 5,303 Kilometer
  • Runden: 58
  • Renndistanz: 307,574 Kilometer
  • Kurven: 10 Rechtskurven, 6 Linkskurven

 

Darauf kommt es an: Die Tatsache, dass es am Freitag regnen soll, wird niemanden erfreuen. Am wenigsten die Teams, die nach den Wintertests noch nicht da waren, wo sie sein wollten. Ferrari zum Beispiel, aber natürlich auch Marussia und HRT, die überhaupt noch nicht zum Testen gekommen sind, bräuchten jede Minute im Trockenen, um ihre Autos in letzter Sekunde doch noch konkurrenzfähig, im Falle von Ferrari podiumsfähig zu bekommen.

Aber auch für die anderen ist die Abstimmung auf den nicht permanenten Stadtkurs durch den Albert Park immer schwierig. Der Asphalt ist rutschig, die Anforderungen ans Auto sind kaum mit denen auf den Teststrecken zu vergleichen.

In Melbourne kann also ein Team gut sein, mit dem man nach den Wintertests nicht unbedingt ganz vorne gerechnet hat. Genauso kann ein eigentlich stark aussehendes Team Probleme haben.

Grund dafür ist der Stop-and-Go-Charakter des Kurses mit nur wenigen schnellen Kurven, aber vielen engen Ecken. Dort zählt Traktion mehr als Aerodynamik.

Wer also in Melbourne ganz vorne ist, sollte sich mit Blick auf die Saison nicht zu früh freuen. Wer nicht gut ist, muss sich aber auch noch keine allzu großen Sorgen machen.

Wetter-Prognose:

 

  • Freitag: mäßiger Regen, 18-20 Grad, 85 Prozent Regen-Risiko
  • Samstag: wolkig, 19 Grad, 20 Prozent Regen-Risiko
  • Sonntag: wolkig, 20-21 Grad, 20 Prozent Regen-Risiko

 

Die Reifen: Medium und Soft. Pirelli geht mit ganz neuen Mischungen in die zweite Saison. Sie heißen zwar noch wie die alten und haben auch die gleichen Farben, aber ihre Charakteristik soll sich stark verändert haben. Generell sind die Reifen deutlich weicher, ohne aber weniger lang als die anvisierten 100 Kilometer zu halten. Sie sollen ihre Leistung konstanter behalten.

Die Medium-Mischung scheint die Standard-Mischung des Jahres werden zu können. Sie entspricht in etwa der weichen Mischung aus dem Vorjahr. Die neue weiche Mischung ist noch weicher geworden. 2012 sollen die Mischungen generell enger beieinander liegen, sodass es den Teams schwerer fällt, einen eindeutigen Favoriten fürs Rennen auszumachen. Das soll die Vielfalt an möglichen Strategien deutlich erhöhen.

Pirelli-Sportchef Paul Hembery im SPOX-Interview

Statistik:

 

  • Sieger 2011: Sebastian Vettel (Red Bull) - 1:29:30,259 Stunden
  • Pole-Position 2011: Sebastian Vettel (Red Bull) - 1:23,529 Minuten
  • Schnellste Rennrunde 2011: Felipe Massa (Ferrari) - 1:28,947 Minuten
  • Rekordsieger: Michael Schumacher (4 - 2000, 2001, 2002, 2004)

 

Die Favoriten:

Red Bull: Nach dem überlegenen Sieg 2011 und den guten Eindrücken bei den Tests ist Sebastian Vettel erneut Top-Favorit. Zumal das Team in Melbourne noch einmal deutliche Veränderungen am Auto vornehmen wird - wie wahrscheinlich alle Top-Teams. Das einzige kleine Fragezeichen hinter der Leistung des neuen Bullen stellen drei Getriebeschäden bei den Wintertests dar.

Dieses Problem spielt Vettel aber herunter: "Natürlich wäre ich gern mehr gefahren, aber unsere Zuverlässigkeit ist alles andere als desaströs. Ich glaube, es sah schlimmer aus, als es war." Vettels Fazit: "Wir sind bereit."

McLaren: Die Zuversicht bei den Briten ist sehr groß, das ist verdächtig. Aber es ist auch kein Wunder, denn wenn McLaren 2010 nach seinen katastrophalen Wintertests schon konkurrenzfähig war, wie stark werden sie dann erst nach den problemlosen Tests in diesem Jahr sein? Eine echte Lücke zwischen Red Bull und McLaren war nicht zu erkennen. Es könnte also eng werden.

"Wir glauben, dass wir konkurrenzfähig sind", sagt Teamchef Martin Whitmarsh. Und er glaubt, dass es für den Saisonauftakt keinen klaren Favoriten gibt: "Die schlechte Nachricht ist: Wir scheinen nicht zu dominieren. Die gute Nachricht ist: Bei allen anderen sieht es genauso aus."

Ferrari: Die große Wundertüte. Nach den schwachen Tests herrschte Panik und Podestplätze wurden bereits für unerreichbar erklärt. In den beiden Wochen vor dem Australien-GP hat Ferrari das Auto jedoch eilig umgebaut. Ob das hilft, um zurück in Podiumsnähe zu kommen? Bei McLaren hat es 2011 geklappt, aber das ist keine Garantie.

"Wir müssen uns auf jeden Fall noch deutlich verbessern und den F2012 besser verstehen", sagt Fernando Alonso. "Bei den ersten Rennen müssen wir die Zähne zusammenbeißen und alles geben, um zu Beginn der WM so viele Punkte wie möglich nach Hause zu bringen." Dennoch sei er grundsätzlich "zuversichtlich", denn: "Erst die Rennen zeigen die Wahrheit. Bei den Wintertests gibt es immer Teams, die schnell sind, aber beim ersten Rennen sind sie es auf einmal nicht mehr."

Auch die Gegner trauen Ferraris angeblicher Schwäche nicht. "Der Hype über die Schwierigkeiten ist zu groß. Fernando Alonso scheint zwar noch etwas Probleme zu haben, aber ich würde sie niemals abschreiben", warnt Michael Schumacher. Mercedes-Sportchef Norbert Haug sagt: "Ich glaube nicht, dass Ferrari solche Probleme hat, wie überall berichtet wird."

mySPOX-Tippspiel zum Saisonstart: Wer gewinnt in Melbourne?

Mercedes: Womit wir bei einem der vermeintlichen Gewinner des Winters wären. Mercedes war vor allem auf den Long-Runs bei den Tests sehr stark. Laut einer von "auto, motor und sport" veröffentlichten Testanalyse war Mercedes auf die Distanz sogar schneller als Red Bull und McLaren. Die Silberpfeile haben auch dank eines F-Schachts in Front- und Heckflügel, der in Melbourne offiziell für legal erklärt wurde, einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Aber gleich von Siegen zu sprechen, ist den Protagonisten zu viel.

"An Siege zu denken wäre zu optimistisch. Wir haben aber ein deutlich stärkeres Team und sind in einer besseren Position", sagt Teamchef Ross Brawn. Ganz abschreiben will er den großen Coup aber nicht. "Aus eigener Kraft können wir nicht gewinnen. Aber wer weiß - in Australien kann auch immer ein ungewöhnlicher Faktor wie zum Beispiel Regen oder das Safety-Car eine Rolle spielen."

Lotus: Der Geheimtipp nach den Tests. Wie im Vorjahr beeindruckte Lotus im Winter. Damals war der Saisonstart mit zwei Podestplätzen entsprechend stark. Auch diesmal ist mit dem Team zu rechnen, vor allem im Qualifying-Modus sah das Auto gut aus. Aber auch die Long-Runs konnten sich sehen lassen. Vieles spricht für ein gutes Paket.

"In Melbourne brauchst du gute Traktion, gutes Einlenkverhalten in Kurven und stabile Bremsen. Nach den Testeindrücken scheint unser Auto all das zu haben", macht Rückkehrer Kimi Räikkönen Mut.

Zeitplan:

 

  • Freitag, 2.30 Uhr: 1. Training
  • Freitag, 6.30 Uhr: 2. Training
  • Samstag, 4 Uhr: 3. Training
  • Samstag, 7 Uhr: Qualifying
  • Sonntag, 7 Uhr: Rennen

 

GP-Rechner: Jetzt den Australien-GP und die ganze Saison durchtippen!

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