Formel 1

Das Ende der Red-Bull-Dominanz

Von Alexander Mey
Red Bull ist in Melbourne weit von der Dominanz aus dem Vorjahr entfernt
© Getty

Wo ist Red Bulls Überlegenheit hin? Die Gegner von McLaren und Mercedes wundern sich, Sebastian Vettel verfällt aber vor dem Saisonstart in Melbourne (So., 6.45 Uhr im LIVE-TICKER) nicht in Panik. Schafft Michael Schumacher sein erstes Mercedes-Podium?

Sebastian Vettel wunderte sich nach dem Qualifying etwas. Er wunderte sich über die Bemerkung von "Sky"-Reporterin Tanja Bauer, dass er sogar hinter Michael Schumacher starten muss. "Wieso sogar?", fragte Vettel zurück. Jedermann habe doch bei den Wintertests gesehen, dass Mercedes einen Sprung nach vorne gemacht hat.

Das schon, aber jedermann glaubte auch gesehen zu haben, dass Red Bull weiterhin die Maßstäbe setzt. Das war zumindest im Qualifying nicht so. Nur die Startplätze fünf und sechs für Mark Webber und Vettel.

Qualifying: Hamilton und Button schocken Vettel

Red-Bull-Konkurrenz reibt sich die Augen

Da rieb sich sogar die Konkurrenz die Augen. "Ich bin genauso überrascht wie jeder andere auch", sagte Lewis Hamilton nach der überlegen herausgefahrenen 20. Pole-Position seiner Karriere. "Ich wusste, dass unser Auto schnell ist, aber ich hätte nicht gedacht, dass Red Bull so weit hinten ist."

Ähnlich ging es dem starken Vierten Schumacher. "Jeder von uns hat Red Bull vorne gesehen, jetzt stehen sie hinter uns. Das ist sehr überraschend. Sebastian fand das nicht ganz so witzig", sagte Schumi nach dem besten Qualifying seit seinem Comeback mit einem Augenzwinkern.

Vettel: "Kein Grund zur Panik"

Fand er in der Tat nicht. "Ich wäre liebend gerne näher an der Spitze dran gewesen, aber ich war nicht glücklich mit meiner Runde in Q3. Ich hätte einen oder zwei Plätze weiter vorne stehen können, aber an McLaren wäre heute keiner herangekommen", sagte Vettel.

Die Pole-Position wäre also unter keinen Umständen drin gewesen, und auf die war Vettel 2011 abonniert. Die Zeiten der Red-Bull-Dominanz könnten vorbei sein, was Vettel allerdings nicht sonderlich schockt.

"Natürlich würde ich gerne um die Pole-Position kämpfen, aber heute waren wir nicht gut genug. Das ist jetzt aber kein Desaster. Beim Auto sind wir nicht meilenweit weg. Kein Grund zur Panik", sagte Vettel.

Zwei DRS-Zonen, wohl kein Reifenpoker

Vettel und sein Team setzen die Hoffnungen auf zwei Dinge. Erstens auf den bei den Wintertests sehr guten Speed des Red Bull auf Long-Runs. Zweitens auf die Tatsache, dass es in diesem Jahr in Melbourne eine zweite DRS-Zone gibt, also eine zusätzliche Überholmöglichkeit. "Wir können es immer noch auf das Podium schaffen", sagte Mark Webber, der Vettel im Quali-Duell schlug, obwohl bei ihm KERS in Q3 nicht mehr funktionierte.

Der Reifenpoker, der 2011 oft Rennen entschieden hat und das nach dem Willen von Pirelli auch 2012 wieder tun soll, wird in Melbourne wohl keine allzu große Rolle spielen. Die Reifen halten sehr gut, sodass mit einer Zweistopp-, vielleicht sogar einer Einstopp-Strategie gerechnet werden kann.

Schumacher so nah am Podium wie nie

Es wird also hauptsächlich auf der Strecke entschieden werden, ob einer der beiden McLaren-Fahrer in der ersten Startreihe gewinnt, ob Romain Grosjean nach seinem sensationellen dritten Platz im Qualifying auch im Rennen glänzt, ob Vettel und Webber im Red Bull noch weit nach vorne kommen - und ob Schumi sein erstes Podium seit dem Comeback erreicht.

So nah dran wie diesmal war er vor dem Start eines Rennens noch nie. Jetzt muss zum guten Qualifying nur noch ein gutes Rennen kommen. Aber diesbezüglich ist Schumacher sehr zuversichtlich: "Wir hatten im Winter gute Long-Runs. Das war 2011 noch unser großes Manko. Das ist jetzt definitiv eine ganze Ecke besser."

Grundsätzlich sind Schumacher und auch Nico Rosberg mit ihrem Auto hochzufrieden. "Wir haben ein gutes Paket zusammengebaut. Es hat sich mächtig gesteigert. Da muss man Mercedes ein Riesenlob aussprechen", sagte Schumacher.

Qualifying-Duelle: Vettel liegt zurück, Schumacher führt

Ferrari noch schlechter als befürchtet

Von riesigem Lob ist Ferrari nach dem Debakel im Qualifying meilenweit entfernt. Im Gegenteil, die Ernüchterung ist beinahe grenzenlos. "Das ist ganz und gar nicht der Saisonstart, den ich mir vorgestellt hatte", sagte der Quali-16. Felipe Massa. "Das Auto hat sich sogar noch schlechter angefühlt als bei den Wintertests."

Und die waren schon sehr bescheiden. "Wir sind offensichtlich nicht schnell genug", sagte der Zwölfte Fernando Alonso. "Das haben wir nach den Wintertests vielleicht geahnt, aber nun haben wir die Bestätigung: Wir sind nicht konkurrenzfähig."

Beide HRT dürfen nicht starten

Es scheint vor dem Rennen in Melbourne sogar wahrscheinlicher, dass Nico Hülkenberg bei seinem Comeback von Startplatz neun aus Punkte holt als Doppel-Weltmeister Alonso.

Immerhin geht es dem Spanier besser als Sergio Perez im Sauber und den beiden HRT-Piloten. Perez muss nach einem Getriebewechsel zurück auf Startplatz 22. Damit ist er Letzter, denn beiden HRT-Piloten wurde nach dem Scheitern an der 107-Prozent-Regel der Start verweigert.

GP-Rechner: Jetzt das Rennergebnis in Melbourne durchtippen!

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