Ist Mercedes schon an Ferrari vorbei?

Von Alexander Mey
Michael Schumacher fuhr im neuen Mercedes die neuntschnellste Zeit in Barcelona
© Getty
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Force India: 393 Testrunden - Bestzeit: 1:22,608 Minuten (Nico Hülkenberg, Platz 3)

Was Hülkenberg an seinen beiden Testtagen in Barcelona abgeliefert hat, war einfach nur stark. Einmal Bestzeit, einmal Rang zwei, dazu über 200 Runden gedreht.

In Sachen Standfestigkeit sieht der VJM05 sehr gut aus und auch der Speed scheint zu stimmen, wenngleich man sich nicht blenden lassen darf. Hülkenberg fuhr seine schnellste Zeit auf superweichen Reifen. Die Top-Teams sind überhaupt noch nicht auf Zeitenjagd gegangen.

Trotzdem sieht es für das Vorhaben, Best of the Rest zu bleiben, gut aus. "Wir haben eine gute Basis und eine ziemlich genaue Ahnung, wie das Auto reagiert. Das ist gut", sagte Hülkenberg.

Sauber: 394 Testrunden - Bestzeit: 1:22,312 Minuten (Kamui Kobayashi, Platz 1)

Noch so eine Spitzenzeit, die mit Vorsicht zu genießen ist. Zwar fuhr Kobayashi die Wochenbestzeit nicht mit superweichen, sondern mit weichen Reifen. Trotzdem geht niemand davon aus, dass Sauber die Großen herausfordern kann.

"Das Auto macht, was es machen soll. Alle Komponenten haben das bestätigt, was die Daten versprechen", hielt sich Chefdesigner Matt Morris bezüglich der Bestzeit zurück. Aber immerhin prognostizierte er selbstbewusst: "Ich glaube, dass der Abstand des Mittelfeldes zur Spitze in diesem Jahr kleiner ausfallen wird."

Sauber bringt wie wohl alle anderen Teams auch ein weiteres Update-Paket mit zum letzten Test. Damit seien 75 Prozent des Melbourne-Pakets am Auto.

Toro Rosso: 295 Testrunden - Bestzeit: 1:23,618 Minuten (Daniel Ricciardo, Platz 12)

Nach den Jerez-Tests sah es bei Toro Rosso in Sachen Rundenzeiten noch besser aus als in Barcelona. Und auch 100 Testrunden weniger als die direkte Konkurrenz im Mittelfeld lassen nicht gerade Euphoriestürme losbrechen.

Aber Vorsicht: Natürlich weiß auch im Fall von Toro Rosso niemand, welches Testprogramm die Piloten absolviert haben. Auf jeden Fall haben sie auf schnelle Showrunden wie die von Force India, Sauber und Williams verzichtet. Das muss noch nichts heißen.

Daniel Ricciardo äußerte sich nach wie vor positiv über das neue Auto, allerdings hat Ex-Pilot Wurz bei Toro Rosso und bei Sauber Probleme mit der Straßenlage ausgemacht. "Die haben beide noch Probleme an der Hinterachse", sagte der Österreicher.

Williams: 454 Testrunden - Bestzeit: 1:22,391 Minuten (Pastor Maldonado, Platz 2)

Die dritte Spitzenzeit der Woche - und die dritte von einem Team, von dem man die nicht erwartet hätte. Maldonado brannte auf superweichen Reifen seine Bestzeit auf den Asphalt und machte damit zumindest die Entschlossenheit von Williams klar, das Katrastrophen-Jahr 2011 vergessen zu machen.

Was die Zeit allerdings wert ist, ist ganz schwer zu sagen. Williams gibt zu, in langsamen Kurven Probleme mit der Performance zu haben. Die müsse man in den Griff bekommen, um in der Startaufstellung weiter nach vorne zu kommen.

Allzu viele langsame Kurven gibt es in Barcelona nicht. Der echte Härtetest wird diesbezüglich erst in Melbourne folgen.

Caterham: 240 Testrunden - Bestzeit: 1:26,035 Minuten (Heikki Kovalainen, Platz 18)

Die größte Aufmerksamkeit erhaschte das Team vor Beginn der Tests durch den Rauswurf von Jarno Trulli und der Verpflichtung von Witali Petrow als zweiten Fahrer.

Die Tests selbst machten aber nicht allzu viel Mut. Der Abstand zu Toro Rosso, Williams und Co., zu denen man eigentlich im dritten Jahr aufschließen wollte, ist sehr groß. Abgesehen von Lotus fuhr jedes vor Caterham platzierte Team deutlich unter 1:24 Minuten. Kovalainen und Petrow knackten nicht einmal die 1:26er Marke. Und so viel mehr Benzin als der Rest können sie auch nicht an Bord gehabt haben. Der Weg ins Mittelfeld scheint nach wie vor weit zu sein.

HRT: 0 Testrunden

Das einzige Team, das nicht in Barcelona war. Das neue Auto hatte zwei Crashtests nicht bestanden und liegt seitdem auf Eis. Nun hat es diese Tests zwar bestanden, ob es der kleine Rennstall nun aber schafft, das Auto rechtzeitig bis zum zweiten Barcelona-Test aufzubauen, ist fraglich.

Laut "Autosport" hofft man bei HRT, den F112 wenigstens für die letzten beiden Testtage zum Laufen zu bekommen. Das wäre schon einmal ein Fortschritt im Vergleich zum Vorjahr.

Marussia: 338 Testrunden - Bestzeit: 1:26,173 Minuten (Timo Glock, Platz 19)

Immerhin: Sowohl Timo Glock als auch Neuling Charles Pic konnten mal ein bisschen Formel 1 fahren. Zwar im alten Auto, aber okay. Solange das neue zum letzten Barcelona-Test fertig gewesen wäre, wäre das alles noch im Rahmen gewesen.

Aber jetzt? Ein Crashtest wurde nicht bestanden, alle offiziellen Tests vor dem Saisonstart sind gestrichen. Sollte das Auto die Nachprüfung durch die FIA bestehen, wäre höchstens noch ein Aerodynamik-Test auf gerader Strecke denkbar - keine ernsthafte Saisonvorbereitung.

Es sieht also für die Konkurrenzfähigkeit von Glocks Auto vorerst zappenduster aus. Da hilft auch die Zusammenarbeit mit McLaren, die dem neuen Auto angeblich eine tiefe Nase beschert hat, wenig.

Glock bleibt trotz aller Hiobsbotschaften kämpferisch: "Wir werden noch testen und wir werden in Melbourne mit unserem neuen Auto an den Start gehen."

Die Testzeiten in Jerez und Barcelona im Überblick

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