Indien-GP: Rennanalyse

Vettel setzt Rekordjagd fort

Von Alexander Mey
Sonntag, 30.10.2011 | 11:50 Uhr
Sebastian Vettel führte den Indien-GP vom Start weg souverän an
© Getty
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Sebastian Vettel hat die Premiere in Indien nach Belieben dominiert und locker den elften Saisonsieg nach Hause gebracht. Jenson Button wurde Zweiter vor Fernando Alonso. Michael Schumacher zog an Nico Rosberg vorbei.

Grand Slam nennt man das, was Sebastian Vettel in Indien geschafft hat. Er hat das Rennen gewonnen, in jeder einzelnen Runde geführt, die schnellste Rennrunde gedreht und die Pole-Position geholt. Besser und dominanter geht es nicht.

Vettel steht nun bei elf Saisonsiegen und hat den ewigen Rekord von 13 Siegen, die Michael Schumacher 2004 erreichte, bei zwei noch ausstehenden Rennen weiter im Visier.

"Das Rennen lief sehr glatt für mich", sagte Vettel, war aber in der Pressekonferenz auch nachdenklich und gedachte der beiden verstorbenen Rennfahrer Dan Wheldon und Marco Simoncelli: "Ich habe gemischte Gefühle. Auf der einen Seite bin ich sehr froh und stolz, der erste Gewinner in Indien zu sein. Auf der anderen Seite haben wir in den beiden letzten Wochen zwei unserer Kollegen verloren. Unsere Gedanken sind bei ihnen und ihren Familien."

Button fährt mit Trauerflor

Neben dem Weltmeister standen Jenson Button und Fernando Alonso auf dem Podium. Beide zogen an Mark Webber im zweiten Red Bull vorbei, der erneut den ersten Saisonsieg deutlich verpasste.

Auch Button und Alonso betonten in ihren Statements nach dem Rennen ihre Anteilnahme am Tod der beiden Kollegen. Button fuhr mit einem Trauerflor. Vor dem Start hatte es eine Gedenkminute für Wheldon und Simoncelli gegeben.

Schumacher zieht an Rosberg vorbei

Hinter dem Vierten Webber kamen beide Mercedes-Piloten ins Ziel, von denen Michael Schumacher den besseren Tag erwischte als Nico Rosberg. Schumi arbeitete sich von Startplatz elf aus noch an seinem Teamkollegen vorbei und wurde Fünfter.

"Das lag daran, dass seine Reifen jeweils früher fertig waren als meine. Das heißt: Er musste an die Box. Normalerweise ist immer der schneller, der später hereinkommen und frische Reifen holen kann", erklärte Schumacher, warum er Rosberg schnappen konnte. "Normalerweise sind die Plätze sieben und acht das Maximum für uns. Heute hat es sich ausgezahlt, unsere Stärken zu nutzen und konstant durchzufahren, während anderen Fehler unterliefen."

Schon wieder Crash zwischen Massa und Hamilton

Er profitierte von einem erneuten Crash zwischen Felipe Massa und Lewis Hamilton. Die Intimfeinde der Saison gerieten wieder einmal aneinander. Diesmal wurde Massa dafür bestraft und fiel später wegen eines Aufhängungsbruchs aus.

Hamilton wurde nach einem Notstopp Siebter. "Ich habe versucht, ihn zu überholen, aber er hat mir nicht den geringsten Platz gelassen. Ich habe noch versucht zurückzustecken, aber wir sind kollidiert. Tut mir sehr leid für das Team", sagte Hamilton.

Adrian Sutil holte beim Heimspiel für Force India als Neunter wichtige WM-Punkte. Timo Glock schied nach einer Startkollision aus.

Schlüsselszenen des Rennens:

Vor dem Start: Der Grand Prix beginnt mit einer Gedenkminute für die verstorbenen Rennfahrer Dan Wheldon und Marco Simoncelli.

Start: Vettel kommt ganz gut weg und kann die Führung behaupten. Webber bleibt zunächst Zweiter, Button schlüpft gegen Alonso durch. Danach nutzt er den Schwung auf der langen Geraden und geht in Kurve vier außen an Webber vorbei - Platz zwei für Button hinter dem davon eilenden Vettel. Schumacher kommt sehr gut weg und ist schon Achter hinter Rosberg. Im Hinterfeld kracht es: Barrichello fährt sich an Maldonados Auto den Frontflügel ab, beide Sauber und Glock rauschen in die Trümmer. Das Aus für Glock und Kobayashi, Barrichello, di Resta, Petrow und Perez müssen an die Box. In Kurve drei wird Trulli umgedreht, auch er muss zum Stopp kommen.

Runde 14: Die Toro Rosso sind auf dem Vormarsch. Alguersuari geht nach der Geraden außen an Sutil vorbei. Eine Runde später folgt Buemi. Zwischen den beiden Teams geht es um Platz sechs in der Konstrukteurs-WM. Vorne hält Vettel den Vorsprung gegen Button konstant auf rund vier Sekunden.

Runde 20: Vettel schließt die erste Phase der Boxenstopps ab. Wieder sind bei allen weiche Reifen angesagt. Vettel bleibt vorne, verliert aber eine Sekunde auf Button. Dahinter wird es eng zwischen Alonso, Massa und Schumacher. Letztlich bleiben die Positionen aber, wie sie waren. Kovalainen kommt noch nicht zum Stopp und wird im Lotus daher bis auf Rang zehn nach vorne gespült.

Runde 25: Crash zwischen Hamilton und Massa! Zwischen wem sonst? Hamilton schließt nach einem Fahrfehler von Massa auf und greift eine Runde später an. Er setzt sich innen neben den Brasilianer, der wirft aber die Tür zu. Das kann nicht gut gehen! Massa dreht sich weg, kann aber weiterfahren, Hamilton muss an die Box und sich einen neuen Frontflügel holen. Massa erhält für den Zwischenfall eine Durchfahrtsstrafe.

Runde 40: Alonso wechselt zwei Runden nach Webber auf die harten Reifen und kommt dadurch am Australier vorbei auf Platz drei. In der ersten Runde muss sich der Ferrari-Pilot hart verteidigen, aber er übersteht die Phase ohne Grip und hält sich vorne. An der Spitze kontrolliert Vettel weiter das Geschehen vor Button.

Runde 51: Schumacher holt sich einige Runden nach Rosberg die harten Reifen und zieht so am Teamkollegen vorbei. Von Startplatz elf aus ist er jetzt Fünfter - stark!

Ziel: Vettel fährt den Start-Ziel-Sieg locker nach Hause und holt sich den Grand Slam mit Sieg, Pole und schnellster Rennrunde. Dahinter tut sich nichts mehr. Perez bleibt Zehnter vor Petrow.

Mann des Rennens: Michael Schumacher. Wie so oft ist der Rekordchampion nach mäßigem Qualifying im Rennen sehr weit nach vorne gekommen. Nach seinem Blitzstart war er schon Achter hinter Rosberg, danach hat er sich durch gute Schonung der Reifen und starke Zeiten noch bis auf Rang fünf nach vorne gearbeitet. Dass er dabei von den Problemen von Massa und Hamilton profitiert hat, kann man ihm wohl kaum vorwerfen. Ebenfalls sehenswert war sein kurzes Duell mit Alonso nach dessen Boxenstopp.

Flop des Rennens: Felipe Massa. Erst hat er sich den völlig unnötigen Crash mit Hamilton geleistet und ist dafür bestraft worden. Dann hat er den gleichen Fehler noch einmal gemacht, der ihn schon aus dem Qualifying geworfen hatte: Er ist zu weit über die hohen Randsteine gefahren und hat dabei seine Radaufhängung zerstört. Ein Wochenende zum Vergessen.

Manöver des Rennens: Crash zwischen Hamilton und Massa. Das gibt es ja nicht, wie oft sich diese beiden auf der Strecke in die Haare kriegen! Wieder ein Crash, und zwar nur, weil beide gegeneinander aufgrund der Vorgeschichte jegliche Rücksicht über Bord geworfen haben. Hamilton hat gnadenlos rein gehalten, Massa genauso gnadenlos die Tür zugeschmissen. Klar, dass das im Unfall endet. Ihre Teams sollten den beiden wegen ihrer Privatfehde, die immer wieder Ausfälle zur Folge hat, mal gehörig die Leviten lesen. Wer von beiden diesmal bestraft wurde - es war Massa -, ist fast schon nebensächlich. Beide schaden immer wieder ihren Teams.

Analyse: Die Premiere in Indien fand zwar auf einer für die Fahrer sehr interessanten Rennstrecke statt, für die Zuschauer war der Grand Prix aber sicher nicht der aufregendste des Jahres. Dazu waren die Reifen zu berechenbar und es war zu schwierig, auf der extrem staubigen Piste zu überholen.

Vettel hatte das Geschehen vom ersten Meter an im Griff. Sieg, Pole, schnellste Rennrunde, alle Runden in Führung gelegen - die Dominanz eines Weltmeisters. In dieser Saison erinnert er stark an Schumacher in seinen Glanzjahren 2002 und 2004. Leider führt das bei Nicht-Vettel-Fans mitunter zu Langeweile. Aber das sollte dem Champion herzlich egal sein.

Hinter Vettel bleibt das Duell um Platz zwei in der Fahrerwertung spannend. Button hat seine Ausgangslage durch den zweiten Platz vor Alonso und Webber enorm verbessert.

Im Mercedes-Duell hat Schumacher eine Duftmarke gesetzt und sich im Rennen für das schwache Qualifying rehabilitiert.

Die größte Spannung für den Rest der Saison besteht im Kampf um Platz sechs in der Konstrukteurs-WM zwischen Force India, Sauber und Toro Rosso. Alle drei Teams haben in Indien Punkte geholt.

LIVE-TICKER: Das Rennen in Indien zum Nachlesen

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