Formel 1

Acht Punkte bis zum ersten Matchball

Von Alexander Mey
Sebastian Vettel startet in Monza zum 25. Mal in seiner Karriere von der Pole-Position
© Getty

Sebastian Vettel kann sich beim Italien-GP (So., 13.45 Uhr im LIVE-TICKER und bei Sky) schon den ersten WM-Matchball besorgen. Die Vorzeichen sind ausgezeichnet. Geht das Rosberg-Experiment auf?

Für Sebastian Vettel schließt sich ein Kreis. Vor genau drei Jahren stand er in Monza auf der Pole-Position und gewann am Tag danach sein erstes Rennen. Das war im Toro Rosso. Seitdem war er im Red Bull auf dem Highspeed-Kurs immer chancenlos.

Bis jetzt. Denn der Red Bull anno 2011 kann in Sachen Top-Speed mit seinen Konkurrenten mithalten und braucht nur eine Kurve, um McLaren und Ferrari fast eine halbe Sekunde aufzubrummen.

Dadurch steht Vettel zum zweiten Mal in seiner Karriere beim Italien-GP auf der Pole und kann seinen Vorsprung in der Fahrerwertung so deutlich ausbauen, dass er in Singapur schon Champion werden kann. Holt der Deutsche in Monza acht Punkte mehr als der Quali-Fünfte Mark Webber, ist der Titelgewinn in zwei Wochen rechnerisch möglich.

Qualifying-Duelle: Vettel hat Webber klar im Griff

Red Bull ist Button ein Rätsel

"Das Merkwürdige ist, dass Red Bull deutlich weniger Flügel fährt als wir und trotzdem im letzten Sektor fast eine halbe Sekunde schneller ist. Das ist schwer zu verstehen", schüttelte der Dritte Jenson Button angesichts der Red-Bull-Überlegenheit in der schnellen Parabolica-Kurve den Kopf.

McLaren fährt in Monza extra mit steileren Flügeln, um in den Kurven mit dem Red Bull mithalten zu können. Den Nachteil auf den Geraden hofft man durch den verstellbaren Heckflügel ausgleichen zu können. Der darf im Rennen im Gegensatz zum Qualifying aber nicht immer, sondern nur in den beiden DRS-Zonen flach gestellt werden.

Vettel im Rennen sogar noch stärker?

Ein zusätzliches Argument für einen Vettel, der auch im Rennen überlegen sollte. "Unsere Abstimmung ist eigentlich auf das Rennen ausgerichtet und nicht auf das Qualifying. Heute war also der schwierigere Tag für uns", wunderte sich Vettel über die Pole-Position mit fast einer halben Sekunde Vorsprung.

Konzentration auf das Rennen bedeutet konkret, das Red Bull bewusst mit sehr wenig Heckflügel gefahren ist, um im Rennen mit mehr Top-Speed nicht so anfällig für Überholmanöver zu sein. Man dachte, man müsste dafür Speed in den Kurven opfern, aber offensichtlich war der aerodynamische Grip des Red Bull trotzdem noch überlegen.

McLaren-Duo glaubt an Doppelsieg

Das sind ganz und gar keine guten Nachrichten für die Konkurrenz. Doch einschüchtern lässt man sich bei McLaren auf keinen Fall. "Wir haben eine gute Chance, unseren ersten Doppelsieg 2011 einzufahren", sagte Lewis Hamilton.

"Dank DRS ist die Pole-Position hier nicht mehr ganz so wichtig wie in den vergangenen Jahren", versprühte auch Button Optimismus. "Man sollte auch hier überholen können."

Aller Voraussicht nach wird das früh nötig sein, denn Red Bull machte im Training am Freitag auch auf den Long-Runs den konstantesten Eindruck. Ein McLaren-Sieg gegen Vettel wäre nach Lage der Dinge eine Überraschung, aber gerade Button und Hamilton waren in dieser Saison schon in einigen Rennen überraschend schnell.

Fernando Alonso nimmt das Wort Heimsieg gar nicht mehr in den Mund. Der Ferrari-Pilot wäre schon froh, den Tifosi einen Podestplatz schenken zu können. "Unter den Umständen an diesem Wochenende wäre das ein gutes Ergebnis", sagte Alonso mit Blick auf die Abstimmungsprobleme, die ihn beschäftigt haben.

Ferrari droht Gefahr von Rosberg

Ferrari muss sich möglicherweise eher nach hinten in Richtung Mercedes orientieren als Red Bull und McLaren anzugreifen. Denn vor allem Nico Rosberg droht von Startplatz neun aus.

Warum? Er hat im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Michael Schumacher in Q3 auf die härteren Reifen gesetzt und dadurch einen Trumpf im Rennen. Wenn alle anderen vor ihm zum Boxenstopp kommen, kann er weiterfahren und die Haltbarkeit der Medium-Pneus ausnutzen.

"Das ist ein Versuch. Es wird sich erst morgen zeigen, ob ich richtig oder falsch lag, aber unsere Strategie sieht sehr gut aus. Vielleicht kann ich richtig weit vorne rein fahren", sagte Rosberg.

Geht das Rosberg-Experiment auf?

Die Long-Runs haben gezeigt, dass Rosberg theoretisch mehr als 20 Runden auf den weichen Reifen fahren kann. Eine Einstopp-Strategie ist möglich, was ihn im Vergleich zu seinen Gegnern bei der Strategie flexibler macht.

"Es war von Anfang an unser Plan, uns voll auf das Rennen zu konzentrieren, auch wenn uns das eine oder zwei Startpositionen kostet. Wir hoffen, dass sich das für uns im Rennen auszahlt", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Geht das Rosberg-Experiment auf, könnte der Sonntag ein richtig guter Tag für Mercedes werden. Für Vettel auch, aber der braucht dafür keine Experimente.

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

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