Formel 1

Vettel siegt zum ersten Mal in Spa

Von Alexander Mey
Sonntag, 28.08.2011 | 15:54 Uhr
Sebastian Vettel ging von der Pole-Positon aus in den Belgien-GP
© Getty

Sebastian Vettel hat zum ersten Mal in seiner Karriere den Belgien-GP gewonnen und damit einen riesigen Schritt in Richtung WM-Titel gemacht. Mark Webber komplettierte den Red-Bull-Doppelsieg. Michael Schumacher glänzte als Fünfter.

Deutscher Tag in Spa. Sebastian Vettel hat seine Pole-Position souverän in seinen ersten Sieg in den Ardennen umgemünzt und einen riesigen Schritt in Richtung Titelverteidigung gemacht. Mark Webber machte den Doppelsieg der überlegenen Bullen perfekt.

"Das war eines unserer dominantesten Rennen. Wir haben die Reifen richtig behandelt und das Rennen beherrscht", jubelte Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Vettel gesteht große Sorgen vor dem Start

Ganz so sorgenfrei, wie er behauptet, war er aber sicher nicht. Denn Vettel verriet: "Ich bin überglücklich. Denn wir haben uns schon große Sorgen gemacht, ob der Reifen durchhält, nachdem wir schon im Qualifying Blasenbildung hatten. Wir haben sogar überlegt, ob wir das Auto umbauen und in Kauf nehmen, von ganz hinten zu starten. Letztlich sind wir ein großes Risiko eingegangen und haben gehofft, dass die Reifen halten. Das war keine einfache Situation."

Vettel musste die Führung am Start kurzzeitig an Nico Rosberg abgeben und hatte immer wieder mit abbauenden Reifen zu kämpfen. Trotz allem hatte er aber den Speed, um sich immer wieder von den Gegnern abzusetzen. "Mein Start war eine Pleite, aber der Rest des Rennens war hervorragend", resümierte Vettel erleichtert.

92 Punkte Vorsprung für Vettel

Der Weltmeister hat nun in der Fahrerwertung sagenhafte 92 Punkte Vorsprung vor Webber. Jenson Button verlor trotz einer grandiosen Aufholjagd von Startplatz 13 auf Position drei ebenso an Boden auf Vettel wie Fernando Alonso, der in Spa Vierter wurde.

"Ich denke, Jenson war der Racer des Tages. Wir mussten bei ihm den Frontflügel wechseln und er ist danach von 19 auf drei gefahren. Er hätte bei optimalem Verlauf heute sogar um den Sieg fahren können", sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, gestand aber auch ein: "Der Titelkampf ist heute schwieriger geworden."

Held des Tages: Michael Schumacher

Als Fünfter kam der Mann des Rennens ins Ziel, Michael Schumacher. Er pflügte nach seinem Pech im Qualifying wie zu besten Zeiten durchs Feld und machte in seinem Jubiläumsrennen 19 Plätze gut. Kurz vor Schluss überholte er sogar noch Mercedes-Kollege Nico Rosberg, der ganz zu Beginn noch geführt hatte.

"Ich habe sehr viel Spaß gehabt, denn ich hatte sehr viele Möglichkeiten, mich in Szene zu setzen. Ich konnte das Feld vor mir her jagen", sagte Schumacher. Rosberg freute sich vor allem über seinen Start: "Es war ein sehr schönes Gefühl zu führen. Freie Sicht nach vorne, Stau der Red Bulls hinter mir, das war schon toll."

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug war mit dem Wochenende rundum zufrieden: "Allein für den Start hat sich die Reise nach Spa gelohnt. Beide zusammen haben 13 Positionen gut gemacht. Nicos Start war ganz toll. Es war klar, dass wir die Führung nicht ewig halten konnten, aber immerhin haben wir uns mal gezeigt. Das ist gut für die Moral. Diese Strecke lag unserem Auto mit dem starken Motor aber auch besser als zum Beispiel Ungarn. Michaels Aufholjagd beim Jubiläum war wie im Film. Daran hätte ich nie geglaubt."

Hamilton fliegt nach Crash ab

Adrian Sutil war als Siebter der vierte Deutsche, der nach einer starken Vorstellung in die Punkteränge fuhr. Timo Glock beendete den Grand Prix auf Position 18.

Tragische Figur des Tages war Lewis Hamilton. Er schied in Runde 13 nach einer unglücklichen Kollision mit Kamui Kobayashi aus und kann damit auch die letzten Hoffnungen auf den WM-Titel begraben.

"Lewis' Ausfall ist unglaublich unglücklich. Er hat nichts Unnormales gemacht, sondern ist nur auf seiner Linie gefahren", sagte Whitmarsh. Hamilton selbst gab nach Ansicht der TV-Bilder via Twitter zu, dass der Crash "zu hundert Prozent" sein Fehler war. Er habe nicht nach links ziehen dürfen.

Schlüsselszenen des Rennens:

Vor dem Start: Aufregung bei den Top-Teams. Die Vorderreifen an den beiden Red Bulls, an Hamiltons McLaren und an Alguersuaris Toro Rosso weisen nach dem exzessiven Einsatz im Qualifying offenbar Blasen auf. Ein Antrag, sie wechseln zu dürfen, wurde von der FIA abgelehnt. Frühe Boxenstopps für Vettel und Co. drohen.

Start: Vettel kommt gut weg und verteidigt die Führung, dahinter bleibt Webber fast stehen und wird durchgereicht. Rosberg kommt pfeilschnell weg und ist nach La Source schon Zweiter. Im Hinterfeld kracht es mehrere Male. Senna bremst zum Beispiel viel zu spät und schießt Alguersuari ab. Ausgerechnet die beiden Überraschungen des Qualifyings zerstören ihre Rennen.

Runde 1: Rosberg kommt mit mehr Schwung aus Eau Rouge und geht dank Mercedes-Power an Vettel vorbei. Ein Mercedes führt! Auch Schumacher hat von ganz hinten schon zehn Plätze gutgemacht.

Runde 3: DRS ist freigegeben und Vettel nutzt das sofort aus, um sich von Rosberg die Führung zurückzuholen.

Runde 6: Vettel zollt den abgenutzten Reifen am Start Tribut und kommt schon jetzt an die Box, um neue Reifen zu holen. Webber und Button waren sogar noch früher drin. Rosberg muss sich derweil beiden Ferraris und Hamilton beugen.

Runde 13: Hamilton geht nach seinem ersten Stopp dank DRS an Kobayashi vorbei, doch der Japaner wehrt sich und setzt sich außen daneben. Das sieht Hamilton nicht und kracht in den Sauber, als er die Kurve anfahren will. Hamilton fliegt heftig ab. Das war's! Das Safety Car kommt raus.

Runde 14: Vettel reagiert sofort und kommt zu seinem zweiten Stopp. Schon wieder hat ein Vorderreifen Blasen geworfen. Er kommt als Dritter hinter Alonso und Webber zurück auf die Strecke. Schumacher ist schon Achter - eine tolle Aufholjagd.

Runde 17: Nach dem Restart nutzt Vettel den Vorteil der neuen Reifen und geht direkt an Webber vorbei. Eine Runde später ist auch Alonso fällig. Vettel geht wieder in Führung und kann sich leicht absetzen.

Runde 20: Button geht in einem starken Manöver an Schumacher vorbei und ist Siebter. Die beiden sind im Formationsflug auf dem Vormarsch.

Runde 26: Button pflügt durch das Feld und holt rasant in Richtung Spitze auf. Er geht an Massa und Rosberg vorbei und jagt jetzt schon Webber.

Runde 32: Nach seinem dritten und letzten Boxenstopp ist Vettel auf den harten Reifen deutlich schneller als Button und geht in Führung. Von nun an fährt er dem Sieg entgegen.

Runde 37: Die Stopps sind durch, Webber ist auf harten Reifen der schnellste Mann im Feld und greift Alonso an. Dank DRS kommt er locker vorbei. Damit fährt Red Bull einem Doppelsieg entgegen.

Runde 42: Zwei späte Positionswechsel: Button vollendet seine Aufholjagd auf Alonso und schnappt dem Spanier noch den Podestplatz weg. Im Mercedes-internen Duell arbeitet sich Schumacher an Rosberg vorbei - ein Prestigeerfolg.

Ziel: Das Rennen ist aus. Vettel gewinnt zum ersten Mal in Spa und kommt seinem zweiten Titel einen riesigen Schritt näher. Webber und Button landen auf dem Podium.

Mann des Rennens: Michael Schumacher. Das war mal ein Jubiläumsrennen! Schumacher ist als Letzter ins Rennen gegangen und schon in der ersten Runde neun Plätze nach vorne gekommen. Im Gegensatz zu anderen Rennen in dieser Saison hat er ausschließlich kontrollierte Manöver gezeigt und sich dadurch bis auf Rang fünf nach vorne gearbeitet. Er ist vor Teamkollege Rosberg ins Ziel gekommen, der nach der ersten Runde noch geführt hat. Das zeigt, was ohne das Pech im Qualifying möglich gewesen wäre. Von wegen alter Sack!

Flop des Rennens: Bruno Senna. Was für eine Chance für den Neuling, sich gleich im ersten Rennen zu profilieren! Er ist ein großartiges Qualifying gefahren und hatte von Startplatz sieben aus alle Chancen auf WM-Punkte. Und dann wirft er alles gleich in der ersten Kurve weg, indem er jenseits von Gut und Böse bremst. Dass er damit nicht nur sein eigenes, sondern auch das Rennen des anderen Überraschungsmanns Jaime Alguersuari zerstört hat, ist noch das Sahnehäubchen.

Manöver des Rennens: Crash zwischen Hamilton und Kobayashi. Das endgültige WM-Aus für Hamilton kam in Runde 13. Hamilton geht dank DRS auf der Kemmel-Geraden vorbei, doch der Japaner will kontern und setzt sich außen neben den McLaren. Hamilton sieht den Sauber nicht und holt ganz normal fürs Einlenken in Les Combes aus. Die Folge ist absehbar. Es kracht, Hamilton fliegt ab und ist draußen.

Analyse: Sebastian Vettel und Red Bull kommen perfekt erholt aus der Sommerpause. Das Team hat den Trend, dass Ferrari und McLaren die Lücke geschlossen haben, wieder umgekehrt und steuert ungefährdeter denn je beiden WM-Titeln entgegen.

Und das, obwohl beide Fahrer auf den weichen Reifen große Probleme mit Blasenbildung hatten.

Button und Alonso sind gute Rennen gefahren, müssen sich aber dennoch Gedanken machen, ob sie Vettel nicht einfach die Hand entgegen strecken und ihm zum zweiten WM-Titel gratulieren. Alles andere scheint nach dieser Vorstellung Utopie. Hamilton ist nach seinem Ausfall ohnehin aus dem Rennen.

Ein großes Rennen für seine Verhältnisse absolvierte Mercedes. Mehr als die Plätze fünf und sechs war nicht drin und die zwischenzeitliche Führung für Rosberg und die unglaubliche Aufholjagd von Schumacher von 24 auf 5 waren in dieser Saison rar gesäte Ausrufezeichen.

LIVE-TICKER: Das Rennen in Spa zum Nachlesen

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