Formel 1

Die Abgehängten

Von Alexander Mey
Mercedes und Lotus-Renault haben den Anschluss an die drei Top-Teams verloren
© xpb

Während Red Bull, McLaren und Ferrari die Podestplätze unter sich ausmachen, haben Mercedes und Lotus-Renault den Anschluss verloren. Sie schlagen sich um die Brosamen, die die anderen übrig lassen.

Best of the Rest war in der Formel 1 schon immer ein Schimpfwort. Zu Zeiten der großen Dominanz von Ferrari und Michael Schumacher hieß Best of the Rest aber immerhin, um einen Platz auf dem Podium zu kämpfen.

Nun, da neben Red Bull auch McLaren und Ferrari den Speed und die Konstanz haben, ganz vorne mitzufahren, balgen sich ambitionierte Teams wie Mercedes und Lotus-Renault um die kläglichen letzten WM-Pünktchen. "Seine aktuelle Welt liegt zwischen Maldonado und Kobayashi - wo keine Sonne strahlt", lästerte der "Corriere dello Sport" über den Schumacher anno 2011.

Ganz so schlimm ist es in der Regel natürlich nicht, immerhin kämpfte er in Montreal noch um einen Podestplatz. Allerdings unter besonderen äußeren Bedingungen. Läuft alles normal, werden er und Nico Rosberg Siebter und Achter. "Niemandsland" nennt Schumacher diese Regionen.

Lotus-Renault löst Versprechen vom Saisonstart nicht ein

Und dahinter? Da tut sich Lotus-Renault immer schwerer, gegen Sauber, Force-India, Williams und nun sogar Toro Rosso überhaupt noch Punkte zu holen. Nach dem grandiosen Saisonstart mit zwei Podestplätzen für Witali Petrow und Nick Heidfeld hieß es noch vollmundig: "Wir wollen in jedem Rennen aufs Podium fahren".

In Valencia wurden daraus die Plätze zehn für Heidfeld und 15 für Petrow. "Ein zehnter Platz ist besser als in die Hose geschissen", resümierte Heidfeld flapsig. Im Ernst fügte er hinzu: "Sutil und einen Toro Rosso vor mir zu haben, ist nicht das Gelbe vom Ei."

Lotus-Renault braucht schnelle Kurven

Wie Mercedes kommt auch Lotus-Renault über wenige Highlights wie den fünften Platz von Petrow zuletzt in Montreal nicht mehr hinaus. Vor allem die Qualifyings sind zu schlecht. In den letzten drei Rennen war Startplatz neun das Höchste der Gefühle.

Lotus-Renault gibt als mögliche Erklärung für den Leistungsabfall die Charakteristiken der Kurse an. "Wir haben auf Strecken mit langsamen Kurven zu kämpfen. Daher hoffen wir, dass wir in den schnellen Kurven in Silverstone besser abschneiden", sagte Chefingenieur Alan Permane.

Dort sollte es zudem nicht so heiß sein wie in Valencia und entsprechend kleiner sollten sowohl für Lotus-Renault als auch für Mercedes die Probleme mit der starken Abnutzung der Reifen sein.

Haug: Top-Teams mittelfristig unerreichbar

Große Hoffnung auf den Quantensprung in England hat Mercedes trotzdem nicht. "Wir haben im Grunde dasselbe Auto, das wir schon seit längerem haben. Deshalb sehe ich keinen Grund, warum der Rückstand weniger werden sollte. Ich gehe also davon aus, dass sich in Silverstone nicht allzu viel ändert", sagte Schumacher nach Platz 17 beim Europa-GP. Und das, obwohl Mercedes einige neue Teile dabei haben wird.

Motorsportchef Norbert Haug beschrieb das generelle Dilemma, das auch für die nähere Zukunft nicht allzu viel Hoffnung macht: "Fakt ist, dass es in dem Geschäft drei Top-Teams gibt, wir haben uns als Viertes festgesetzt. Ich glaube nicht, dass man so ohne Weiteres von vier auf eins springen kann. Von sechs auf vier ist auch schwierig, aber von vier auf drei, auf zwei und eins, das sind die schwierigsten Schritte."

Kleineres Mercedes-Budget keine Entschuldigung

Haug blickt mit dieser Aussage schon auf die Saison 2012 voraus, in der es das im Vergleich zu Red Bull, McLaren und Ferrari kleine Mercedes-Team schwer haben wird, regelmäßig um Siege oder gar den WM-Titel zu fahren.

An den finanziellen Mitteln will Haug den Rückstand von Mercedes aber nicht festmachen. "Wir dürfen uns nicht hinter dem Budget verstecken, denn ich glaube nicht, dass das der limitierende Faktor ist", erklärte er. "Wir haben sicher nicht das höchste Budget, aber ein sehr ordentliches. Damit müssten wir weiter sein."

Lotus-Renault finanziell nicht auf Rosen gebettet

Auf jeden Fall ist das Mercedes-Budget deutlich höher als das von Lotus-Renault. Denn nur weil dort Renault drauf steht, steckt nicht das Geld von Renault drin. Es handelt sich um ein Privatteam, das genau überlegen muss, wie es sein Geld ausgibt.

Da hilft es sicher nicht, dass ausgerechnet Lotus-Renault den Auspuff am kompromisslosesten auf den angeblasenen Diffusor ausgelegt hat. Nun müssen sie das System wegen des Verbots ab Silverstone völlig umbauen. Das verursacht zusätzliche Kosten, die dann für die Weiterentwicklung des Autos fehlen.

Hoffnung auf besondere Rennen

Niemandsland für Mercedes und Rückfall ins große Mittelfeld für Lotus-Renault. So sehen die Szenarien für die zum Saisonstart so hoffnungsvollen Teams aus.

Keine schönen Aussichten, aber es wird sicher noch einige Rennen wie das in Montreal geben, wo besondere Umstände besondere Ergebnisse zulassen. Nicht aufgeben, heißt die Devise.

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung