Formel 1

"Ferrari muss immer um den Titel kämpfen"

Von Für SPOX in Monaco: Harry Miltner
Ferrari-Pilot Fernando Alonso hat den WM-Titel noch nicht abgeschrieben
© Getty

74 Punkte liegt Fernando Alonso in der WM hinter Sebastian Vettel zurück. Dennoch will der Ferrari-Pilot noch lange nicht aufgeben. Im Interview spricht er über die Krise der Scuderia, die Gefahr von Monaco und Vettels Entwicklung zum "Superfahrer". Außerdem erklärt er, warum Ferrari immer um den Titel mitfahren muss.

SPOX: Fernando, das Monaco-Wochenende stand im Schatten der heftigen Unfälle von Sergio Perez und Witali Petrow Unfälle. Ist der Kurs für die Formel 1 nicht mehr geeignet?

Alonso: Wir sollten uns die Strecke für das kommende Jahr auf jeden Fall noch einmal genauer ansehen und vielleicht muss man tatsächlich den einen oder anderen Teil umbauen, neu asphaltieren oder so etwas. Es gibt da diese Hügel nach dem Casino und dann bei der Tunnelausfahrt. Die sind beide nicht ungefährlich, wie man ja leider gesehen hat. Zudem ist das Grip-Niveau hier in Monaco einfach traditionell niedrig.

SPOX: Sie hatten durch die letzte Safety-Car-Phase einen Nachteil. Darf man nun zu Platz zwei gratulieren? Sehen sie darin ein gewonnenes Podium oder einen verlorenen Sieg?

Fernando Alonso: Man darf gratulieren. Der zweite Platz ist bisher unser bestes Resultat in dieser Saison, also müssen wir zufrieden sein...

SPOX: Das klingt nicht gänzlich überzeugend. Wann kann Ferrari wieder gewinnen?

Alonso: Siegen? Das hätten wir mit etwas mehr Glück schon hier in Monaco gekonnt. Aber im Endeffekt müssen wir unsere Qualifying-Performance weiter verbessern. Die Rennpace stimmt meistens schon. Aber Montreal und Valencia sind für uns auch gute Pflaster, denn dort sind wieder die Super-Soft-Mischungen im Einsatz, und die liegen dem Ferrari.

SPOX: Wieso war Ihr Team hier besonders stark?

Alonso: Die Wahrheit ist, dass es in Monaco vor allem auf das Gefühl des Fahrers ankommt und drauf, wie man als Pilot den Rhythmus findet. Die Aerodynamik ist hier weniger bedeutend, weswegen Red Bull nicht so weit weg war, wie auf anderen Strecken.

SPOX: Wie ist nun die Stimmung im Team? Ist der Druck nicht enorm, wenn Ferrari vier Jahre ohne WM-Titel ist?

Alonso: Die Stimmung im Team ist positiv, alle sind hoch motiviert. Natürlich ist der Druck enorm. Aber wer in der Formel 1 fährt, muss mit Druck eben umgehen können. Und wer bei Ferrari ist, weiß, dass die Erwartungen besonders hoch sind. Bei mir sind es aber die eigenen Erwartungen, die am höchsten sind.

SPOX: Erwartet man nicht von Ihnen, dass Sie für Ferrari Weltmeister werden?

Alonso: Ich denke, Ferrari muss immer um den Titel kämpfen. Jedes Jahr, in dem man antritt. Ferrari ist das Team, das es zu schlagen gilt. Das war immer so - und das wird auch immer so bleiben.

SPOX: Nun musste ja kurz vor Monaco Technikchef Aldo Costa gehen. Waren Sie involviert?

Alonso: Ich wusste bis zum Morgen der Bekanntgabe nichts von der Entscheidung, da meine Aufgaben im Team ganz andere sind. Es war wohl sehr schwierig, da uns mit Costa eine freundschaftliche Beziehung verbindet. Aber das Team brauchte Antworten und das möglichst schnell.

SPOX: Wie steht es um Teamchef Stefano Domenicali? Ist auch er in Gefahr?

Alonso: Wir haben alle großes Vertrauen in seine Entscheidungen. Er führt das Team ausgezeichnet und wir haben den Titel im Vorjahr nur ganz knapp verpasst. Jetzt musste er reagieren, hat dies getan und mich dann am Telefon darüber informiert.

SPOX: Pat Fry soll nun Costas Aufgaben bei ihnen im Team übernehmen. Sie kennen ihn ja bereits aus Ihrer Zeit bei McLaren Mercedes....

Alonso: Pat ist ein absoluter Profi mit viel Erfahrung. Ich bin mir sicher, dass er einen ausgezeichneten Job machen wird.

SPOX: Sie haben kürzlich Ihren Vertrag bis 2016 verlängert. Haben Sie wegen der aktuellen Krise der Scuderia vielleicht ein kleines bisschen gezögert?

Alonso: Nein.

SPOX: Können Sie sich dennoch theoretisch vorstellen, für Red Bull zu fahren?

Alonso: Ich habe doch gerade bei Ferrari verlängert....

SPOX: Ok. Dann reden wir kurz über Sebastian Vettel. In Deutschland jubelt jeder über ihn. Wie hat er sich Ihrer Meinung nach gegenüber 2010 verbessert?

Alonso: Sebastian hat sich enorm entwickelt und dominiert momentan die WM. Er hat nun fünf von sechs Rennen gewonnen und damit ist der Titel schon sehr nahe gerückt, wie uns die letzten Jahre bewiesen haben. Er macht einen klasse Job und wird von seinem Team in Sachen Rennwagen, Boxenstopps, Strategie etc. perfekt unterstützt. Er ist sehr talentiert und wurde nicht aus Zufall Weltmeister, sondern weil er ein Superfahrer ist.

SPOX: Ist die WM also schon gelaufen? Sie sind schließlich bereits 74 Punkte hinten...

Alonso: Nein. Kanada ist kein normaler Kurs und Valencia auch nicht. Dort haben wir, wie gesagt, Chancen, aber es kommt auf die typischen Strecken an und da müssen wir auf die Updates warten. In Barcelona waren wir im Verhältnis zwei Minuten hinten und in Monaco zwei Sekunden. Aber wichtig wird sein, dass wir dran bleiben, immer weiter arbeiten, den Wagen verbessern und an unsere Chance glauben. 2009 war Jenson [Button, Anm. d. Red.] schon meilenweit voraus und am Ende wurde es doch noch eng für ihn.

Der aktuelle WM-Stand in der Übersicht

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