Formel 1

Hamilton hat ein Ass im Ärmel

Von Alexander Mey
Sebastian Vettel holte in China die Pole-Position, Lewis Hamilton wurde Dritter
© Getty

Sebastian Vettel geht als haushoher Favorit in den China-GP (So., 8.45 Uhr im LIVE-TICKER) und steht kurz vor dem Sieg-Hattrick zum Saisonauftakt. Lewis Hamilton hat aber noch ein Ass im Ärmel. Mark Webber, Michael Schumacher und Nick Heidfeld werden nach vorne stürmen.

Sebastian Vettel wirkte leicht gelangweilt, als er in der offiziellen Pressekonferenz zum Qualifying in Shanghai nach seinem Ausblick auf das Rennen gefragt wurde. "Ich freue mich darauf. Es wird ein langes Rennen, in dem sehr viel passieren kann. Es ist immer alles möglich. Wir schauen nach vorne und versuchen, unser Bestes zu geben", sagte er.

Man reiche Vettel ein Phrasenschwein, er wird es innerhalb kürzester Zeit füllen. Aber was soll er auch sagen? Sein Red Bull und er passen so perfekt zusammen, dass ihm nur ein technischer Defekt, ein Unfall oder ein völlig missratener Start den Sieg nehmen können.

Zu stark waren im Training auch seine Zeiten auf den Long-Runs. Dort nahm er McLaren zeitweise bis zu einer Sekunde ab.

Vettel: Kein Grund zur Überheblichkeit

Er könnte sich ja einmal vor die Presse setzen und sagen: "Wenn alles auch nur halbwegs nach Plan läuft, fahre ich hier alles in Grund und Boden. Mir kann keiner das Wasser reichen." Das würde ihn bei Kollegen und Fans sicher total beliebt machen...

Vettel ist Profi genug, um zu wissen, dass auch der mögliche fünfte Sieg in Folge und der Hattrick in der laufenden Saison nicht zwingend ein Selbstläufer werden wird. Gerade wenn er an die Probleme seines Teams mit KERS denkt.

Bei ihm hat das System zwar an diesem Wochenende perfekt funktioniert, aber sein Teamkollege Mark Webber hatte erneut große Probleme damit. Sollten die zum Beispiel am Start auch Vettel einholen, müsste er sich wohl auf der Strecke an den beiden sehr starken McLaren vorbei kämpfen.

Hamilton setzt auf zusätzlichen Reifensatz

Bei denen war Jenson Button der Schnellere im Qualifying, der Dritte Lewis Hamilton opferte aber bewusst einen Angriff auf die erste Startreihe, um im Rennen einen frischen Reifensatz mehr zu haben.

"Das Rennen in Malaysia hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, gegen Rennende noch einen frischen Satz weiche Reifen zu haben", berichtete Hamilton von seiner leidvollen Sepang-Erfahrung, als er von Platz zwei auf sieben durchgereicht wurde.

Daraus hat er gelernt und nun für das Rennen zwei frische und einen leicht angefahrenen Satz weiche Reifen aufgehoben. Auch wenn er damit unwillkürlich verrät, dass er eine Dreistopp-Strategie plant, könnte der zusätzliche frische Reifensatz gegen Button und vielleicht sogar Vettel ein Ass im Ärmel sein. Vorausgesetzt, Hamilton kann entsprechend schnelle Rundenzeiten am Limit fahren. Das war aber noch nie sein Problem.

Button hofft auch ohne einen zusätzlichen Reifensatz, Vettel Paroli bieten zu können. "Unsere Pace sollte im Rennen etwas näher an der von Red Bull dran sein", sagte der Weltmeister von 2009. So schonend, wie er mit den Reifen umgeht, könnte er auf eine Zweistopp-Strategie setzen. Dafür reichen auch seine Reifen völlig aus.

Rosberg und Alonso kämpfen um Platz vier

Hinter dem Spitzentrio geht es für Nico Rosberg und Fernando Alonso darum, den vierten Platz nach Hause zu fahren und zu hoffen, dass es vor ihnen Ausfälle gibt. Dann ist für beide ein Podium drin.

"Die besten Drei sind zu schnell für uns", gestand Alonso ein. "Bei normalem Rennverlauf wissen wir, dass es für uns schwer wird, aufs Podium zu fahren."

Das sieht Rosberg genauso, aber für ihn wäre nach zwei Nullnummern zum Auftakt auch ein vierter Platz schon ein riesiger Erfolg. "Wir haben hart am Speed im Rennen gearbeitet und eine gute Chance, am Sonntag ein starkes Rennen zu fahren", sagte er.

Schumacher und Heidfeld hoffen auf Blitzstarts

Ein extrem starkes Rennen haben die drei großen Verlierer des Qualifyings nötig, wenn sie noch eine nennenswerte Punktzahl mitnehmen wollen. Michael Schumacher, Nick Heidfeld und Mark Webber starten von den Positionen 14, 16 und 18 aus ihre Aufholjagden.

Schumacher und Heidfeld setzen zuerst auf ihre bekannt guten Starts. "Ein guter Start wird entscheidend sein, ebenso wie eine gute Strategie. Zudem kann man hier überholen", sagte Schumacher und gab als Ziel für seine Aufholjagd Platz sechs aus. Malaysia-Blitzstarter Heidfeld begnügte sich bei der Zielvorgabe mit WM-Punkten.

Webber kann durchmarschieren

Webber fand bei der Prognose für sein Rennen erst einmal nur zynische Worte. "Es kann ja nur nach vorne gehen", sagte er angesichts der Tatsache, dass hinter ihm nur Lotus, Virgin und HRT stehen.

Sein einziger Vorteil ist, dass er durch sein frühes Ausscheiden im Qualifying für jede denkbare Rennstrategie genügend Reifen hat. Sollte bei ihm endlich mal die Technik mitspielen und er ein problemloses Rennen haben, kann er bei dem Speed, den der Red Bull hat, noch sehr weit nach vorne kommen.

Sogar Rosberg und Alonso sollten im Rückspiegel ein Auge auf einen fliegenden Bullen haben.

China-GP: Das Ergebnis des Qualifyings

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