Formel 1

Bangen um die Lebensversicherung

Von Alexander Mey
Sebastian Vettel ist beim China-GP Favorit auf den Sieg - aber nur mit KERS
© Getty

Sebastian Vettel ist auch beim China-GP (Training, Fr., 8 Uhr im LIVE-TICKER) wieder Favorit. Aber ohne KERS wird Red Bull auf der Rekordgeraden aufgeschmissen sein. McLaren wetzt die Messer und verspricht spektakuläre Überholmanöver.

Streckendaten:

  • Name: Shanghai International Circuit
  • Ort: Shanghai
  • Länge: 5,451 Kilometer
  • Runden: 56
  • Renndistanz: 305,256 Kilometer
  • Kurven: 9 Rechtskurven, 7 Linkskurven

Darauf kommt es an:

Vom Layout her hat die Strecke in China einiges mit der in Malaysia gemeinsam. Ellenlange Geraden, Spitzkehren, dazwischen schnelle und mittelschnelle Kurven. Außerdem ist der Kurs erneut unheimlich breit und lädt damit förmlich zum Überholen ein.

Prädestiniert dafür ist vor allem die längste Gerade im Rennkalender, die 1,2 Kilometer lange Gegengerade. An deren Ende kommt eine Spitzkehre - ein Paradies für Überhol-Spezialisten. Die Action dort wird umso größer werden, da die FIA auf der Gegengeraden die Nutzung des verstellbaren Heckflügels zulässt. Dieser reduzierte Luftwiderstand wird sicher neue Rekorde bei der Höchstgeschwindigkeit zur Folge haben.

Denn zusätzlich zum Heckflügel gibt es ja auf der langen Gegengeraden auch noch KERS. Ohne den Boost kann man dort im Prinzip gleich rechts ran fahren und den Warnblinker einschalten. Die 82 Zusatz-PS sind generell auf kaum einem anderen Kurs so wertvoll wie in Shanghai. Immerhin besteht er zu rund 50 Prozent aus Geraden.

Wetter-Prognose:

  • Freitag: starke Regenschauer, 21-27 Grad, 60 Prozent Regen-Risiko
  • Samstag: wolkig, 13-14 Grad, 10 Prozent Regen-Risiko
  • Sonntag: sonnig, 15-19 Grad, 0 Prozent Regen-Risiko

Reifenwahl:

Soft und hard: Pirelli bleibt sich auch beim letzten Übersee-Rennen treu und setzt auf die bewährten beiden Mischungen. Im Vergleich zu Malaysia sollte es in Shanghai aber wieder weniger Boxenstopps geben. Erstens ist der Asphalt nicht so rau und zweitens ist für das Wochenende ein Temperatursturz auf unter 20 Grad vorhergesagt. Es herrschen also ähnliche Bedingungen wie in Melbourne. Pirelli spricht von 30 Prozent weniger Reifenverschleiß als in Sepang. Zweistopp-Rennen scheinen also gut möglich zu sein.

Statistik:

  • Sieger 2010: Jenson Button (McLaren) in 1:46:42,163 Stunden
  • Pole-Position 2010: Sebastian Vettel in 1:34,558 Minuten
  • Schnellste Rennrunde 2010: Lewis Hamilton (McLaren) in 1:42,061 Minuten
  • Rekordsieger: Sieben Fahrer mit je einem Sieg

Die Favoriten:

Red Bull: Natürlich ist das schnellste Auto im Feld auch in China Favorit. Der Kurs lag in der Vergangenheit dem Red Bull immer, Sebastian Vettel stand dort 2009 und 2010 auf der Pole und gewann 2009 sein ersten Rennen für Red Bull. 2010 fiel er aufgrund unbeständigen Wetters und mangelhafter Strategie zurück.

Das Wetter sollte diesmal den Vorhersagen zufolge kein Problem werden, sicher aber KERS. Sollte das System nämlich wieder nicht zuverlässig funktionieren, bekommen Vettel und Mark Webber in China ein richtiges Problem. In Malaysia war die Zusatz-Power schon enorm wichtig, aber in Shanghai wird die Abhängigkeit noch größer sein.

"KERS ist überall unverzichtbar, wo es lange Geraden gibt. Das ist hier der Fall, also wird es sicher nicht gut sein, wenn es uns fehlen sollte", sagte Webber. "Wir arbeiten also wirklich hart daran, es hinzubekommen."

Ähnlich äußerte sich Vettel in der offiziellen Pressekonferenz: "Ich habe oft gesagt, dass KERS ein Vorteil ist. Wir sind nicht stolz darauf, dass wir damit Probleme hatten. Aber wir haben einen großen Schritt gemacht, unsere Leute haben hart gearbeitet. Ich bin zuversichtlich, dass es hier zuverlässig arbeiten wird. Unser Ziel ist, es am ganzen Wochenende zu nutzen."

McLaren: Darauf, dass ihnen das nicht gelingt, hofft McLaren. Jenson Button und Lewis Hamilton waren 2010 die großen Sieger des China-GP und scheinen das Auto zu haben, um einen ähnlichen Erfolg erneut zu erreichen. McLaren versucht nach dem Fehlschlag in Malaysia zum zweiten Mal, einige Aerodynamik-Updates ans Auto zu bringen, die die Lücke zu Red Bull noch weiter schließen sollen.

"Es war in Malaysia sehr ermutigend zu sehen, dass Jenson am Ende sogar auf Vettel aufholen konnte. Wir sollten also in der Lage sein, Red Bull erneut einen harten Kampf zu liefern", sagte Lewis Hamilton. Button versprach vor allem jede Menge Action: "Auf der Gegengeraden werden wir spektakuläre Überholmanöver und vielleicht sogar direkte Konter sehen."

Ferrari: Noch steht nicht fest, ob und in welchem Umfang es die Scuderia schafft, das eigentlich erst für Istanbul geplante Update des Autos vorzuziehen. Die Bosse waren jedenfalls zwischen den beiden Rennen extra in Maranello, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Die Ungeduld angesichts des Rückstands auf Red Bull und McLaren ist groß.

Die Hoffnung, schon in China einen signifikanten Schritt nach vorne zu machen, aber nicht. "Der Red Bull von Vettel ist im Moment unschlagbar", sagte Fernando Alonso und mahnte zur Besonnenheit: "Wir müssen im Moment realistisch und ehrlich zu uns selbst sein und auch mal einen Podestplatz als Ziel für ein Wochenende ausgeben und nicht immer den Sieg."

Mercedes: Endlich einmal das aus dem Silberpfeil herausholen, was in ihm steckt - kein anderes Ziel können Michael Schumacher und Nico Rosberg für dieses Wochenende haben. Passt das Set-Up und funktioniert der verstellbare Heckflügel einwandfrei, dann ist im Kampf um die Plätze hinter Red Bull und McLaren vieles möglich. Aber auch nur dann.

"Uns ist klar, dass nach dem Rennen in Malaysia nur wenig Zeit bleibt, aber wir lernen mit jeder Runde hinzu. Wir reisen unvoreingenommen nach China und haben uns zum Ziel gesetzt, besser abzuschneiden als bei den ersten beiden Rennen", sagte Schumacher betont vorsichtig. Rosberg gab zu: "2010 bin ich nach meinem dritten Platz in Malaysia optimistischer nach China gereist."

Lotus-Renault: Ein Neuling im Favoritencheck, aber nach zwei dritten Plätzen zu Saisonbeginn unverzichtbar. Auch wenn beim dritten Rang von Nick Heidfeld in Malaysia etwas Glück im Spiel war, profitieren die Lotus-Renault vor allem von ihren Raketenstarts. Die sollen in China noch einmal ausgefeilt werden, um vielleicht in der berüchtigten Schneckenkurve wieder ganz nach vorne zu kommen. Witali Petrow musste nach seinem spektakulären Crash in Malaysia das Chassis wechseln.

"Wir haben eine Menge Arbeit vor uns, um Red Bull und McLaren einzuholen, aber wir wollen uns auf jeden Fall Ferrari vom Leib halten, wenn möglich", sagte Teamchef Eric Boullier "Autosport".

Zeitplan:

  • Freitag, 4 Uhr: 1. Training
  • Freitag, 8 Uhr: 2. Training
  • Samstag, 5 Uhr: 3. Training
  • Samstag, 8 Uhr: Qualifying
  • Sonntag, 9 Uhr: Rennen

Der Formel-1-Rennkalender

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