Formel 1

Hamilton schlägt Vettel in Sensations-GP

Von Alexander Mey
Lewis Hamilton ist schon am Start an Sebastian Vettel vorbei gegangen
© Getty

Sebastian Vettel hat den Sieg-Hattrick beim China-GP verpasst. In einem atemberaubenden Rennen musste sich Vettel in den letzten Runden Lewis Hamilton geschlagen geben. Mark Webber wurde Dritter, Nico Rosberg Fünfter.

Der China-GP 2011 war ein Rennen für die Geschichtsbücher und Lewis Hamilton ist sein strahlender Sieger. Der McLaren-Pilot fing in Shanghai Sebastian Vettel in den letzten Runden noch ab und verhinderte damit dessen Sieg-Hattrick.

Vor dem Start hatte Hamilton noch große Probleme mit dem Motor gehabt und drohte, aus der Boxengasse starten zu müssen. Ein Benzinleck hatte offenbar den Motor im wahrsten Sinne des Wortes absaufen lassen. Erst 36 Sekunden vor dem Schließen der Boxengasse ging er auf die Strecke.

Hamilton hat sich danach durch zahlreiche überragende Überholmanöver und eine ausgezeichnete Reifenstrategie (3 Stopps) ganz nach vorne gekämpft. Vettels Zweistopp-Strategie war in den letzten Runden zu langsam. Der Red-Bull-Pilot war gegen Hamilton wehrlos, holte als Zweiter aber wichtige WM-Punkte.

Hamilton "überwältigt" - Vettel hatte Probleme

"Ich bin absolut überwältigt. Das war eins meiner besten Rennen. Es scheint eine Ewigkeit her zu sein, dass ich auf dem Podium ganz oben gestanden habe", sagte Hamilton. "Die Strategie, im Qualiying einen Reifensatz zu sparen, hat uns definitiv geholfen. Es kamen aber einige Sachen zusammen. Unsere Boxenstopps waren klasse und das Auto hat sich unglaublich angefühlt."

Vettel gestand seine Niederlage ein: "Wir haben heute viel gelernt. Sicher haben wir uns zu sehr auf eine Zweistopp-Strategie versteift, das ist nicht aufgegangen. Mein Start war auch nicht der beste. Dazu haben Probleme mit dem Funk und mit KERS die Sache nicht einfacher gemacht." Trotzdem war sein Fazit nach den Überseerennen sehr positiv: "Drei Rennen und die Plätze eins, eins und zwei - da ist nicht mehr viel Luft nach oben."

Dritter wurde nach einer fantastischen Aufholjagd von Startplatz 18 aus Vettels Teamkollege Mark Webber. "Vielleicht ist es ein heißer Tipp, immer im Qualifying früh auszuscheiden, so hat man viele frische Reifensätze übrig", scherzte Webber nach seinem ersten Podium in dieser Saison. "Aber Spaß beiseite: Ein toller Job meiner Jungs, sie haben niemals aufgegeben."

Rosberg hatte Speed für das Podium

Nico Rosberg lag im Mercedes zwischenzeitlich sogar in Führung, fiel aber am Ende noch hinter Jenson Button (McLaren) auf Rang fünf zurück. Entsprechend gemischt waren seine Gefühle im "Sky"-Interview. "Ich bin sehr enttäuscht. Heute wäre mehr drin gewesen und das Rennen insgesamt war schlecht. Das Team und ich: Wir haben nicht das rausgeholt, was möglich war - schade. Der Lichtblick ist: Ich habe ein Rennen angeführt - wer hätte das gedacht? Ich nicht! Aber es ist schön zu sehen. Jetzt müssen wir darauf aufbauen."

Michael Schumacher belegte im Mercedes Rang acht. "Es war ein sehr abwechslungsreiches Rennen. Insofern hat es heute Spaß gemacht", lautete sein Kommentar.

Die Schlüsselszenen des Rennens:

Start: Vettel kommt ganz schlecht weg. Button ist direkt neben ihm und auch Hamilton greift an. Vettel in der Schneckenkurve nur noch Dritter und Rosberg greift ihn auch noch an. Gegen den kann er sich aber knapp behaupten. Schumacher erwischt einen Raketenstart und kommt von 14 auf neun nach vorne.

Runde 13: Rosberg kommt als einer der ersten Piloten an die Box und wechselt auf frische weiche Reifen. Ein früher Stopp, aber nachdem er Heidfeld auf der langen Geraden passieren kann, hat er freie Fahrt.

Runde 15: Vettel geht dank verstellbarem Heckflügel auf der Geraden an Hamilton vorbei. An der Spitze bremst Button das Feld unfreiwillig ein. Er und Vettel kommen synchron an die Box. Button vertut sich bei der Einfahrt und steuert die Red-Bull-Crew an. Erst im letzten Moment bemerkt er seinen Fehler und gibt noch mal Gas. Vettel verliert dadurch keine Zeit, seine Crew arbeitet schneller als die von McLaren und er geht an Button vorbei.

Runde 17: Nachdem nun auch Alonso zum ersten Stopp drin war, ist das Ranking bereinigt - und Rosberg führt das Rennen an! Er konnte durch seine freie Fahrt davon profitieren, dass Button Hamilton und Vettel aufgehalten hat. Sensationeller Zwischenstand für Mercedes.

Runde 26: Nach rundenlangem großartigen Kampf trickst Alonso in der Spitzkehre Schumacher aus und geht vorbei.

Runde 29: Rosberg auf dem Vormarsch. Er überrascht in der Zielkurve Alonso an einer Stelle, an der man eigentlich nicht überholt und verschafft sich wieder freie Fahrt. Wichtig!

Runde 33: Vettel kommt zu seinem zweiten Stopp. Er bekommt die harten Reifen, will also mit zwei Stopps durchfahren.

Runde 37: Bist du wahnsinnig, Hamilton! Er hängt schon seit Runden hinter Teamkollege Button und wird aufgehalten. Auf der Zielgeraden hat er die Faxen dicke und greift in die ultraschnelle Schneckenkurve hinein an. Ein halsbrecherisches Manöver, aber es geht gerade so gut, weil Button ihn im Rückspiegel sieht und die Tür offen lässt. Das hätte auch gut in einem Crash enden können.

Runde 42: Rosberg ist nach seinem letzten Stopp direkt vor Hamilton zurück auf die Strecke gekommen, seitdem attackiert Hamilton energisch. Als Maldonado unglücklich aus der Box vor den beiden rauskommt, nutzt Hamilton seine Chance und geht vorbei.

Runde 46: Rosberg kämpft sich an Massa vorbei auf Platz drei, verbremst sich dann aber und muss sowohl Massa als auch Button passieren lassen. Das ist richtig bitter, das war's mit dem Podium!

Runde 50: Button geht an Massa vorbei und ist damit auf Podestkurs.

Runde 53: Führungswechsel! Hamilton hat in den letzten Runden mit den frischeren Reifen auf Vettel aufgeschlossen und überrascht ihn in einer schnellen Kurve. Das ist Platz eins für den McLaren-Piloten. Vettel nur noch Zweiter.

Runde 55: Webber krönt seinen unglaublichen Vormarsch mit dem Überholmanöver gegen Rosberg und verbessert sich von Startplatz 18 noch auf Rang vier.

Ziel: Hamilton bringt den Sieg unter riesigem Jubel nach Hause. Vettel verpasst den Hattrick, wird aber guter Zweiter. Webber krönt seine Aufholjagd als Dritter vor Button und Rosberg.

Der Mann des Rennens:

Lewis Hamilton: Seine Überholmanöver waren der absolute Wahnsinn. Höhepunkt war sein nahezu halsbrecherisches Manöver gegen Teamkollege Button in der Schneckenkurve. Aber sein Zweikampf gegen Rosberg stand dem in nichts nach. Dann noch sein cleveres Manöver gegen Massa - alles erste Sahne. Dazu seine Taktik vom Samstag, sich einen Reifensatz zu sparen. Das ist voll aufgegangen, er konnte in den letzten Runden an Vettel heran fliegen und vorbeigehen. Auch dieses Manöver war wieder super.

Der Flop des Rennens:

Nick Heidfeld: Er konnte von Platz 16 aus nicht so weit nach vorne kommen wie gedacht. Er rieb sich in Zweikämpfen auf, bei denen er das Glück nicht auf seiner Seite hatte und einige Teile verlor. Ein blasser Auftritt in einem um ihn herum fantastischen Rennen.

Das Manöver des Rennens:

Hamilton überholt Button: Wieder mal haben die beiden McLaren-Jungs gezeigt, dass sie mit offenen Visieren gegeneinander kämpfen können, ohne sich dabei gegenseitig ins Auto zu fahren. Eingangs der ultraschnellen Schneckenkurve zu überholen, ist eigentlich zum Scheitern verurteilt, aber Hamiltons Mut und Buttons Übersicht haben für ein knallhartes, aber immer faires Duell gesorgt.

Die Lehren des Rennens:

Die neuen Pirelli-Reifen sorgten in China für eines der besten Rennen der jüngeren Vergangenheit. Unterschiedliche Strategien hatten Unmengen von Überholmanövern zur Folge, da die Reifen immer in unterschiedlichem Zustand waren. Diese Tatsache trug weit mehr zur begeisternden Action bei als KERS und der verstellbare Heckflügel.

Red Bull hat sich mit der Zweistopp-Strategie für Vettel keinen Gefallen getan. Mit drei Stopps hätte er den Hattrick schaffen können. Den Speed des Red Bull hat Webber mit seiner Dreistopp-Strategie bewiesen.

McLaren hat es geschafft, zumindest im Rennspeed mit Red Bull mithalten zu können. Hamiltons Strategie, im Qualifying einen Satz Reifen zu sparen, war der entscheidende Geistesblitz. Mercedes hat zu Ferrari aufgeschlossen und Lotus-Renault in diesem Grand Prix deutlich hinter sich gelassen. Rosberg hätte zumindest ein Podium, vielleicht sogar den Sieg schaffen können.

LIVE-TICKER: Das Rennen in Shanghai zum Nachlesen

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