Formel 1

"Weg zum Titel führt künftig über Vettel"

Von Alexander Mey
Sebastian Vettel (r.) und Mark Webber sind direkt von Abu Dhabi nach Salzburg gekommen
© Getty

Sebastian Vettel ist zurück in Europa. In Salzburg feierte der Red-Bull-eigene TV-Sender "Servus TV" den neuen Weltmeister und das ganze Team in einer fast zweistündigen Sendung. Ein Thema: Stehen Red Bull und Vettel am Anfang einer Serie mit vielen Titeln? SPOX ist der Frage im Gespräch mit Experten nachgegangen.

Es war eine launige Veranstaltung im Hangar 7 in Salzburg. Red Bull feierte sich selbst, seine beiden WM-Titel, Sebastian Vettel und sogar Mark Webber. Mit Standing Ovations. Das ist der Vorteil, wenn man einen konzerneigenen TV-Sender wie "Servus TV" hat.

Niki Lauda war ebenso da wie Gerhard Berger, alles, was in Österreich im Motorsport Rang und Namen hat eben. Lauda huldigte Vettel, indem er vor ihm die Kappe zog. Die beiden Pokale aus Abu Dhabi zierten den Tisch, um den sich die Talkrunde, zu der auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner, Stardesigner Adrian Newey und Red-Bull-Repräsentant David Coulthard gehörten, drapiert hatte.

Vettel bekam das Grinsen nicht aus dem Gesicht, redete über Schlafmangel, die Party danach und die Momente nach der Zieldurchfahrt. "Mein Ingenieur war am Funk erst zurückhaltend. Da dachte ich: 'Scheiße, hat nicht gereicht'. Als ich dann das Wort 'Weltmeister' hörte, habe ich einen Moment gebraucht, um das zu begreifen", sagte Vettel und lauschte peinlich berührt seinem weinerlichen Funkspruch danach. "Ich habe mich ja angehört wie ein kleines Mädchen. Ich habe keinen vernünftigen Ton rausgekriegt."

Aussprache zwischen Vettel und Webber

Zum Heulen war sicher auch Mark Webber zumute, der in Abu Dhabi durch eine schwache Leistung die Chance auf seinen ersten WM-Titel verspielt hatte. Ihn sollten Standing Ovations der Fans, Lobenshymnen der Team-Bosse und die Tatsache, dass er Vettel zum Titel verholfen hat, weil sich Ferrari nur auf ihn konzentrierte, trösten.

Immerhin war der Australier schon wieder locker genug, um bei der Frage nach seinen Differenzen mit Vettel während der Saison aufzuspringen und mit erhobener Faust auf den Deutschen loszugehen. Alles zum Spaß, versteht sich. In Wahrheit hatten Vettel und Webber noch am Sonntag in Abu Dhabi in einem Vier-Augen-Gespräch ihre Differenzen geklärt. "Respekt unter Teamkollegen ist mir enorm wichtig", kommentierte Vettel.

Webber hadert mit Fahrfehler in Südkorea

Webber haderte weniger mit seinem Rennen in Abu Dhabi, er trauerte vor allem seinem Fahrfehler in Südkorea hinterher. "Sicher würde ich viel für die Chance geben, diese Kurve, in der ich mich gedreht habe, noch einmal anfahren zu können", sagte Webber, gab sich aber auch versöhnlich: "Eine WM wird über eine gesamte Saison entschieden und nicht in einem Rennen. Fehler passieren, und es gibt im Verlauf einer Saison viele Chancen, mal mit einer Aktion daneben zu liegen. Letztlich hat nur ein Quäntchen gefehlt."

Er werde sich jetzt erst einmal nach Australien zurückziehen und jeder Kamera und jedem Journalisten aus dem Weg gehen. Und dann? "Mark wird nächstes Jahr stark zurückkommen", sagte Teamchef Horner.

Lauda: "Der erste WM-Titel ist der schwerste"

Gibt es auch 2011 ein WM-Duell zwischen Vettel und Webber? Kann Red Bull, angeführt von Stardesigner Adrian Newey, mittlerweile dekoriert mit sieben Fahrer- und sieben Konstrukteurs-Titeln, die Formel 1 in den kommenden Jahren dominieren?

"Red Bull wird nächstes Jahr wieder um den WM-Titel fahren. Es gibt keinen Grund, warum Adrian Newey nicht wieder ein gutes Auto bauen sollte", sagte Ex-Toro-Rosso-Eigner Gerhard Berger. Formel-1-Legende Niki Lauda prophezeite: "Der erste WM-Titel ist immer der schwerste. Ab jetzt tut sich Sebastian immer leichter, weil er die Sache relaxter angehen kann."

Stuck glaubt nicht an WM-Serie

Steht der Formel 1 eine Vettel/Red-Bull-Dynastie bevor? Ähnlich wie Michael Schumacher es mit Ferrari vorgemacht hat? SPOX hat bei Vettels alten Weggefährten, BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen und Formel-1-Experte Hans-Joachim Stuck nachgefragt.

"Der Weg zum WM-Titel wird auch künftig nur über Sebastian Vettel führen", sagte Theissen, ohne den Begriff Dynastie oder Titel-Serie in den Mund zu nehmen.

Mit Recht, glaubt Stuck: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass heutzutage, da es so eng zugeht, noch einmal jemand eine Serie an WM-Titeln hinlegen kann. Nicht, weil er schlechter wäre, sondern weil die Voraussetzungen das nicht mehr zulassen."

Stuck erklärt das anhand eines Vergleichs mit Schumacher: "Teams haben einfach nicht mehr die Möglichkeiten, sich einen Vorteil zu verschaffen, die Michael Schumacher und Ferrari damals hatten. Dem ist nachts eingefallen, dass er ja mal einen neuen Heckflügel ausprobieren könnte, und er ist am nächsten Morgen in Maranello auf die Teststrecke gegangen und hat ihn ausprobiert. So etwas geht heute nicht mehr. Für einen Fahrer ist es demnach heute viel schwieriger, ein Team so zu lenken wie Schumacher das getan hat."

Kampfsansage von Horner

Vettel wollte noch nie mit Schumacher verglichen werden, das wird jetzt, da beide Weltmeister sind, nicht anders sein.

Gegen den einen oder anderen weiteren WM-Titel a la Schumacher hätte er aber sicher nichts einzuwenden. Genauso wenig wie sein Team. Das neue Auto ist schon mitten in der Produktion, laut Newey sind Chassis und Getriebe sogar schon fertig.

Und es herrscht Zuversicht. "Als unabhängiges Team gegen die großen Werke zu bestehen, war eine phänomenale Teamleistung. Unsere Konkurrenten sind riesige Teams, aber mit der Crew, die wir zusammen haben, bin ich für die Zukunft optimistisch, dass wir auf diesem Erfolg aufbauen können", sagte Teamchef Horner.

Die Konkurrenz von Ferrari, McLaren und Mercedes wird die Botschaft gehört haben. Der Kampf um den Titel 2011 ist schon jetzt eröffnet.

Vettels-Weltmeister-Pressekonferenz in Salzburg zum Nachlesen

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