Samstag, 06.11.2010

Sebastian Vettel im Interview

"Keine Blamage, nur eine Enttäuschung"

Sebastian Vettel gibt zwei Rennen vor Saisonende das Rennen um den WM-Titel nicht auf. Vor dem Brasilien-GP stand er SPOX Rede und Antwort, Die Themen: Seine Chancen gegen Fernando Alonso, sein Kleinkrieg mit Mark Webber, Pleiten, Pech und Pannen während der Saison und der schlimmste Moment des Jahres.

Sebastian Vettel stand in dieser Saison bislang neun Mal auf der Pole-Position
© Getty
Sebastian Vettel stand in dieser Saison bislang neun Mal auf der Pole-Position

Sebastian Vettel ist in einer prekären Situation. Er glaubt noch fest an den Gewinn des WM-Titels, sein Teamkollege Mark Webber liegt aber besser im Rennen und fordert offensiv die Hilfe des 23-Jährigen ein. Die Spannungen bei Red Bull sind unverkennbar, auch wenn Konzernchef Dietrich Mateschitz klar gemacht hat, dass er lieber den WM-Titel verliert als Teamorder anzuwenden.

Vettel dominiert beide Trainings in Sao Paulo

Im schlimmsten Fall stehen Red Bull und Vettel also schon im zweiten Jahr hintereinander am Ende ohne Fahrertitel da. Ob es aber soweit kommt, müssen die letzten beiden Rennen in Brasilien und Abu Dhabi erst noch zeigen.

Vettel glaubt fest an seine Chance, das Gerede über eine mögliche Helferrolle für Webber nervt ihn sichtlich. Beides macht er im SPOX-Interview vor dem Qualifying in Sao Paulo deutlich. Außerdem spricht er über die Schlüsselmomente der Saison und wagt einen ersten Blick in die Zukunft.

SPOX: Als Sie vor einem Jahr in Brasilien waren, haben Sie den WM-Titel verloren. Warum läuft es diesmal anders?

Sebastian Vettel: Ganz einfach: Dieses Jahr ist nicht letztes Jahr.

SPOX: Aber 25 Punkte Rückstand auf Fernando Alonso klingen trotz neuer Punkteregel nicht viel besser als 16 Punkte Rückstand auf Jenson Button im vergangenen Jahr. Sie müssen schon auf einen Ausfall des Ferrari-Piloten hoffen, oder?

Vettel: Die letzten Rennen haben gezeigt, wie schnell sich alles ändern kann. Vielleicht hat Fernando einen Vorsprung, aber das heißt nicht, dass man die anderen abschreiben sollte. Wir werden das Optimum herausholen und den Rest werden wir sehen.

SPOX: Red Bull hat die WM angesichts der Überlegenheit des Autos unnötig spannend gemacht. Hat das Team zu wenig aus den Fehlern von 2009 gelernt?

Vettel: Hätte, wenn und aber. Bei allen Teams sind in diesem Jahr unvorhergesehene Dinge passiert. So ist die Formel 1 und so ist das Leben. Ich weiß, dass wir als Team und ich als Fahrer viel gelernt haben. Wir hatten eine Saison mit viel Auf und Ab, wir haben uns aber niemals unterkriegen lassen. Ich bin zufrieden mit meiner Leistung und den Dingen, die ich beeinflussen konnte. Fertig.

SPOX: Wäre es nach bisher 14 Poles in 17 Rennen eine Blamage, wenn kein Red-Bull-Pilot Fahrer-Weltmeister wird?

Vettel: Keine Blamage, nur eine Enttäuschung.

SPOX: Zwischen Ihnen und Ihrem Teamkollegen herrscht offensichtlich Eiszeit. Er fordert Sie auf, ihm im Titelkampf zu helfen. Ihr Boss schließt das aus. Würden Sie es denn im Ernstfall tun?

Vettel: Momentan bin ich selbst noch voll dabei. Das heißt: Diese Frage wird nicht gestellt.

SPOX: Wird sie sehr wohl. Und zwar nicht nur von Webber, sondern auch von vielen Experten. Fakt ist: Webbers Chancen auf den Titel sind größer als Ihre. Da könnte man schon auf die Idee einer Teamtaktik kommen, auch wenn das Ihren Titelambitionen natürlich widerspricht.

Vettel: Im letzen Jahr wurde ich Zweiter, natürlich ist es da mein Ziel, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Ich rede nicht gerne über Dinge, die wahrscheinlich scheinen, möglich oder unmöglich sind, bevor sie tatsächlich passieren. Meistens kommt es anders als man denkt - lassen wir uns überraschen.

SPOX: Ihr Teamkollege wird so etwas nicht gerne hören. Wie eisig ist Ihr Verhältnis wirklich?

Vettel: Wir sind Teamkollegen, und auf der Strecke kämpfe ich gegen Mark, wie ich gegen jeden anderen Fahrer kämpfe. Dass wir im Leben nicht die besten Freunde sind, sieht man, aber ich habe kein Problem mit ihm.

Training: Gruppenbild mit Dame
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Dafür dachten sich seine Mechaniker etwas Nettes aus und gaben ihm auf seinem Sitz Autogramme
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Bei der Verpackung des Autos war dagegen Vorsicht geboten. Damit der Frontflügel bloß nicht kaputt geht, wurde er entsprechend geschützt
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SPOX: Egal, wen man fragt: Jeder lobt Ihr unglaubliches Talent, einige kritisieren aber auch, dass Sie manchmal zu ungestüm sind. Wie kontern Sie Ihre Kritiker?

Vettel: Ich höre mir gerne Kritik an, sie muss nur gerechtfertigt sein. In Ungarn und Belgien habe ich ganz klar Fehler gemacht, ansonsten habe ich mir in diesem Jahr aber nichts vorzuwerfen. Man muss wissen, weshalb man Fehler gemacht hat, und daraus lernen. Gerede gibt es immer viel.

SPOX: Welcher Moment der Saison war für Sie persönlich der Bitterste?

Vettel: Über schlimme Momente redet man nicht gerne, aber ich denke, in Ungarn den Sieg zu verschenken, war bitter.

SPOX: Im Vergleich dazu wirkten Sie nach dem Aus in Südkorea relativ gelassen. Was für einen Unterschied macht es für Sie, ob Sie für einen Ausfall verantwortlich sind oder die Technik?

Vettel: Es ist leichter zu ertragen, wenn die Technik versagt, weil man sich dann selbst nichts vorzuwerfen hat, sondern die Situation einfach nicht ändern kann. Ist man selbst für einen Ausfall verantwortlich, muss man daraus lernen und sehen, dass es nicht wieder passiert. Letzten Endes gab es sehr viel Positives aus dem Rennen in Korea.

SPOX: 2009 hat Red Bull die beiden Rennen in Brasilien und Abu Dhabi gewonnen. Liegen die Strecken auch dem aktuellen Auto oder machen Sie sich Sorgen, weil auf beiden Kursen Motor-Power eine nicht unwichtige Rolle spielt?

Vettel: Wir müssten auf beiden Strecken gut aussehen. Wie stark, werden wir sehen.

SPOX: Sollte trotzdem der große Moment des WM-Triumphes ausbleiben: Was war bisher der schönste Moment der Saison?

Vettel: Der Sieg in Japan war ein sehr schöner Moment, zum einen, weil die Anforderungen sehr hoch waren, zum anderen, weil ich dort auch bereits im letzten Jahr gewonnen habe.

SPOX: Haben Sie Angst, dass die Chance auf den WM-Titel so schnell nicht wiederkommt? Immerhin ist nicht garantiert, dass Red Bull auch 2011 wieder so stark sein wird.

Vettel: Ich habe keine Angst, denn ich gehe natürlich davon aus, dass wir in 2011 auch wieder ganz vorne mitfahren.

Red-Bull-Boss Mateschitz schließt Teamorder kategorisch aus

Interview: Alexander Mey

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