Der barmherzige Samariter

Von Alexander Mey
Montag, 08.11.2010 | 16:28 Uhr
Michael Schumacher verlor in der ersten Runde des Brasilien-GP einige Positionen
© Getty

SPOX hat vor dem Brasilien-GP die Leistungen der sieben deutschen Fahrer Sebastian Vettel, Nico Rosberg, Michael Schumacher, Adrian Sutil, Nico Hülkenberg, Nick Heidfeld und Timo Glock prognostiziert. Jetzt geht es an die Einzelkritik. Wer hat am meisten überzeugt, wer war eine Enttäuschung?

Sebastian Vettel

Prognose: Sieg - 25 WM-Punkte

Ergebnis: Sieg - 25 WM-Punkte

Abgesehen davon, dass ihm Nico Hülkenberg im turbulenten Qualifying die Pole-Position weggeschnappt hat, ist Sebastian Vettel ein perfektes Wochenende gefahren. Schon im Training zeichnete sich seine Überlegenheit ab, die hat sich im Rennen bestätigt. Er ist in Kombination mit seinem überlegenen Auto der schnellste Mann im Feld und gewinnt folgerichtig, wenn er mal ohne irgendwelche Zwischenfälle durchkommt.

Die Frage, ob der Sieg zu spät kam, um Weltmeister zu werden, wird erst am kommenden Wochenende beantwortet. Sollte es für ihn aber nicht reichen und die Situation eintreten, dass er Mark Webber zum Weltmeister machen kann, indem er ihn vorbei lässt, wird er das sicher tun. Vettel ist ein cleverer Kerl und weiß genau, dass ihn die Medien steinigen werden, wenn er aus purem Egoismus heraus Fernando Alonso den Titel schenkt.

Nico Hülkenberg

Prognose: keine WM-Punkte

Ergebnis: Platz 8 - 4 WM-Punkte

Wow. Mehr gibt es zu seiner Vorstellung im Qualifying nicht zu sagen. Junge Fahrer haben dann die Chance, die Weichen für eine große Karriere zu stellen, wenn sie es schaffen, durch ein außergewöhnliches Highlight auf sich aufmerksam zu machen und so aus der breiten Masse der guten Fahrer herauszustechen. Das hat Schumacher geschafft, Alonso, Hamilton und Vettel auch. Nun war Hülkenberg an der Reihe.

Das Widersinnige an seiner Situation: Trotz seiner hervorragenden Leistung - auch das Rennen war gut, obwohl er bis auf Platz acht durchgereicht wurde - steht sein Verbleib bei Williams aus finanziellen Gründen auf der Kippe. Pastor Maldonado ist zwar halb so gut wie er, hat aber mindestens doppelt so viel Geld. Das könnte für Williams wichtiger sein.

Aber auch wenn er wirklich bei Williams rausfliegen sollte: Es wäre doch gelacht, wenn ein Mann, der ein unterlegenes Auto auf die Pole-Position stellen kann, kein anständiges Cockpit finden würde.

Nico Rosberg

Prognose: Platz 7 - 6 WM-Punkte

Ergebnis: Platz 6 - 8 WM-Punkte

Schwaches Qualifying, starke Aufholjagd im Rennen. Rosberg glänzte durch eine sehr gute Taktik und eine fehlerfreie Fahrt. Er blieb im ersten Stint deutlich länger draußen als seine Konkurrenten und wurde so von Platz elf auf sieben nach vorne gespült - sogar vor Teamkollege Schumacher.

Einzige offene Frage zu seinem Rennen: Warum kam er in der Safety-Car-Phase zweimal hintereinander zum Reifenwechsel und warum hat er dadurch keine Platzierungen verloren?

Eigentlich wollte Mercedes Rosberg für die letzten 20 Runden weiche Reifen mitgeben, wegen eines Missverständnisses zwischen Kommandostand und Mechanikern bekam er aber harte Pneus. Das konnte das Team eine Runde später aber problemlos korrigieren, weil die hinter ihm liegenden Hülkenberg und Kubica bereits überrundet waren und dadurch eine riesige Lücke zwischen Rosberg und ihnen klaffte.

Den sechsten Platz schenkte ihm Schumacher freiwillig, weil er im Gegensatz zu Rosberg nicht auf neue Reifen gewechselt hatte. Die Hoffnung, dass Rosberg dadurch noch einmal Druck auf Jenson Button machen kann, erfüllte sich jedoch nicht.

Michael Schumacher

Prognose: Platz 8 - 4 WM-Punkte

Ergebnis: Platz 7 - 6 WM-Punkte

Schumacher selbst überschreibt seine Erlebnisse in Brasilien auf seiner Homepage mit den Worten: "Siebenter in Brasilien". Das zeigt, wie spannend er sein eigenes Rennen fand.

Wir überschreiben es mit "Der barmherzige Samariter". Denn Schumacher ließ gegen Rennende Teamkollege Rosberg freiwillig passieren, weil er ihn mit seinen abgenutzten Reifen - Rosberg hatte neue - nur aufgehalten hätte. Eine noble Geste, die er wohl kaum gezeigt hätte, wenn es statt um Platz sechs um Platz eins gegangen wäre.

Adrian Sutil

Prognose: keine WM-Punkte

Ergebnis: Platz 12 - keine WM-Punkte

Sein Rennen war nach Platz 18 im Qualifying und der zusätzlichen Strafversetzung um fünf Plätze eigentlich schon gelaufen. Aber dank guter Taktik und sehr langem Stint auf den harten Reifen spülte es Sutil sogar in die Punkteränge nach vorne.

Leider hing er nach seinem Reifenwechsel hinter beiden Toro Rosso fest und kam nicht schnell genug vorbei. So reichte es nur zu Platz zwölf.

Timo Glock

Prognose: keine WM-Punkte

Ergebnis: Platz 20 - keine WM-Punkte

Sein Qualifying war sehr stark, er hat die schwierigen Bedingungen optimal genutzt und sich vor beiden Lotus platziert. Das konnte er im Rennen leider nicht halten. Zu früh wechselte sein Virgin-Team auf die harten Reifen, dadurch fiel Glock zurück. Der Rest des Rennens war nach Glocks eigener Einschätzung langweilig.

Nick Heidfeld

Prognose: keine WM-Punkte

Ergebnis: Platz 17 - keine WM-Punkte

An sich war sein Rennen nach dem enttäuschenden Qualifying gar nicht so schlecht, aber ein zweifelhafter Boxenstopp und eine Durchfahrtsstrafe haben das Projekt WM-Punkte zunichte gemacht.

Sauber hat Heidfeld zu Beginn der Safety-Car-Phase an die Box geholt, um ihm weiche Reifen zu geben. Heidfeld selbst war nicht davon überzeugt, dass das die richtige Entscheidung war. Er kam mitten im Getümmel zurück auf die Strecke und blockierte Rosberg, weil ihm nicht bewusst war, dass der eine Runde Vorsprung hatte. Die Strafe dafür war gerechtfertigt.

Rennanalyse: Vettel siegt und hält WM-Traum am Leben

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