Donnerstag, 23.09.2010

Analyse: Wer hat im Endspurt die besten Karten?

Surer: "Red Bull muss den Titel holen"

Mit dem Singapur-GP am Wochenende beginnt der WM-Endspurt in Übersee. Fünf Rennen, in denen fünf Fahrer um den Titel kämpfen. Wer hat auf welcher Strecke Vorteile? SPOX geht die Strecken in Singapur, Japan, Südkorea, Brasilien und Abu Dhabi zusammen mit Sky-Experte Marc Surer durch und wagt eine Prognose.

Red Bull feierte beim Saisonfinale 2010 in Abu Dhabi einen Doppelsieg
© Getty
Red Bull feierte beim Saisonfinale 2010 in Abu Dhabi einen Doppelsieg

Fünf Rennen vor Saisonende trennen den WM-Führenden Mark Webber (187) und den Fünften Sebastian Vettel (163) gerade mal 24 Punkte. Nicht einmal ein Sieg. "Nach alter Rechnung wären das acht oder neun Punkte", sagt Vettel.

Stimmt. Für Lewis Hamilton (182) wären es zwei, für Fernando Alonso (166) und Jenson Button (165) jeweils so um die sieben bis acht. Grob gerechnet, versteht sich.

Aber die Botschaft ist klar: Fünf Fahrer, die fünf Rennen vor Schluss so dicht beieinander liegen, versprechen Drama pur im Titelendspurt. "Jetzt kann sich wirklich niemand mehr einen Ausrutscher leisten", sagt Sky-Experte Marc Surer im Gespräch mit SPOX.

Aber wer hat mit Blick auf die Strecken die besten Karten? In welchem Auto sollte man sitzen, wenn man die größten Chancen auf den WM-Titel haben will? Ein Überblick:

Singapur-GP in Singapur (26. September)

Streckengrafik, Singapur
© spox

Der Stadtkurs ist erst zum dritten Mal im Kalender und daher noch relativ unberechenbar. Lewis Hamilton hat im vergangenen Jahr das Rennen gewonnen, aber auch Fernando Alonso ist mit den Plätzen eins und zwei ein echter Spezialist.

Das Layout mit vielen langsamen und mittelschnellen Kurven spricht am ehesten für Red Bull. Aber vorhergesagter Regen könnte das Rennen zur Lotterie machen.

Surer: "In Singapur ist es ausgeglichen. Der Red Bull wird das beste Auto sein, aber es ist wie Monaco oder Ungarn auch eine Ferrari-Strecke. Zudem hat Hamilton dort im vergangenen Jahr im McLaren gewonnen, und gerade auf Stadtkursen ist mit ihm immer zu rechnen. Generell spielt auf Stadtkursen der Fahrer einer größere Rolle als das Auto."

Japan-GP in Suzuka (10. Oktober)

Streckengrafik, Japan
© spox

Der Sieg 2009 ging eindeutig an Sebastian Vettel. Er profitierte davon, dass sein Auto vor allem im ersten Sektor mit den schnellen S-Kurven unschlagbar war.

Auch in diesem Jahr werden die Bullen in Suzuka wieder das Maß aller Dinge sein. Ferrari und McLaren waren 2009 hinter Toyota sogar nur dritte und vierte Kraft.

Surer: "Keine Diskussion, Red Bull. In den schnellen Esses hat das Auto einen riesigen Vorteil. Wenngleich es ja auch in Japan gerne mal regnet. Dann ist wieder alles offen."

Südkorea-GP in Yeongam (24. Oktober)

Streckengrafik, Südkorea
© spox

Die große Unbekannte. Alles, was man über den Kurs weiß, stammt aus Zeichnungen und einem Onboard-Video von Karun Chandhok bei Showrunden im Red Bull.

Es gibt eine lange Gerade im ersten Sektor, aber in den Sektoren zwei und vor allem drei auch einige schnelle Kurven. Die könnten den Ausschlag für Red Bull geben.

Vorausgesetzt, die Organisatoren werden rechtzeitig fertig und bestehen die Abnahme durch die FIA. Denn fallen sie durch, dann hat die Saison plötzlich nur noch 18 Rennen. Eine Horrorvision für alle Titelanwärter, die Boden gutmachen müssen. Allen voran Vettel.

Die Inspektion, die eigentlich am 21. September stattfinden sollte, ist wegen letzter Asphaltierarbeiten auf den 28. September verschoben worden.

Surer: "Ich habe das Layout noch nicht im Detail analysiert, aber auf den ersten Blick spricht es auch für Red Bull. Eine Gerade ist allerdings sehr lang, das könnte McLaren in die Karten spielen."

Brasilien-GP in Sao Paulo (7. November)

Streckengrafik, Brasilien
© spox

Im vergangenen Jahr gewann WM-Spitzenreiter Webber das Rennen, das Vettel schon im Qualifying verloren hatte. Im Regen wurde er nur 15., kämpfte sich im Rennen aber noch auf Rang vier nach vorne.

Sprich, der Red Bull hat 2009 ausgezeichnet funktioniert. Der McLaren aber auch, vor allem dank der ellenlangen Bergauf-Passage im dritten Sektor, die Power ohne Ende erfordert. Ferrari war 2009 schwach - außergewöhnlich, denn in der Vergangenheit war Interlagos meistens Ferrari-Land.

Surer: "Brasilien ist eine Powerstrecke. Die lange Bergauf-Gerade spricht gegen Red Bull. McLaren schätze ich dort stärker ein, vor allem aber Ferrari. Die waren in den vergangenen Jahren in Brasilien fast immer bärenstark."

Abu-Dhabi-GP in Abu Dhabi (14. November)

Streckengrafik, Abu Dhabi
© spox

2009 hieß der Sieger zum Saisonabschluss Vettel. Es war ein haushoher Sieg, aber vor allem deshalb, weil Hamilton früh ausfiel. Denn er war eigentlich der dominante Mann an diesem Wochenende.

Nicht sehr verwunderlich, denn das Layout der Strecke zeichnet sich durch zwei ewig lange Geraden und ansonsten viele Stop-and-Go-Passagen aus, in denen man Traktion und Power braucht. Das kommt dem McLaren, aber auch dem Ferrari, prinzipiell mehr entgegen als dem Red Bull.

Surer: "Klar hat Vettel gewonnen, aber Vorsicht vor Hamilton. Der war dort im vergangenen Jahr unglaublich stark. Im Qualifying hatte er fast sieben Zehntel Vorsprung auf den Rest. Insgesamt wird es dort sehr ausgeglichen zugehen."

Prognose für den Titelkampf:

Das Resultat der Streckenanalyse: Ausgeglichen in Singapur, pro Red Bull in Japan und Südkorea, pro Ferrari und McLaren in Brasilien sowie ausgeglichen in Abu Dhabi. Was heißt das in der Endabrechnung?

Surer: "Es muss ein Red Bull den Titel holen. Alles andere wäre eine Überraschung. Vettel und Webber haben keine Strecke mehr dabei, auf der sie abfallen. Auch wenn ich andere Favoriten nenne, ist Red Bull trotzdem immer ein Kandidat für das Podium. Im Moment spricht alles für Webber, weil er der Konstantere ist. Aber einige der Strecken, die noch kommen, sind auch aufgrund möglichen Regens unberechenbar. Das kann sich ganz schnell wieder drehen. Ich glaube übrigens nicht an einen Showdown in Abu Dhabi. Die WM wird sich vorher entscheiden."

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Alexander Mey

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