Samstag, 12.06.2010

Kanada-GP: Warm-Up vor dem Rennen

"Der Reifen wird auseinanderfallen"

Der Kanada-GP (17.45 Uhr im LIVE-TICKER) wird zu einem Reifenpoker höchster Klasse werden. Davon sind alle Teams und Fahrer überzeugt. Lewis Hamilton steht zwar auf der Pole-Position, aber Red Bull hat das bessere Poker-Blatt. Es sei denn, Regen oder Safety-Car kommen.

In der Türkei hatte Lewis Hamilton nach einem Dreher im Qualifying einen Reifenschaden
© Getty
In der Türkei hatte Lewis Hamilton nach einem Dreher im Qualifying einen Reifenschaden

McLaren

Ausgangslage:

Lewis Hamilton hat von der Pole-Position aus bei einem guten Start beste Chancen, das Renntempo von Anfang an zu diktieren. Jenson Button wird in der engen ersten Kurve als Fünfter erst einmal im Verkehr feststecken, und es besteht auch Crash-Gefahr. Immerhin steht er auf der etwas sauberen Startseite, auch wenn das in Kanada kein so großer Faktor ist wie in der Türkei.

Aussichten für das Rennen:

Für Hamilton grundsätzlich sehr gut, aber aufgrund der speziellen Reifensituation kaum vorhersehbar. Die weichen Reifen, auf denen Hamilton und Button ihre schnellsten Runden gefahren sind und mit denen sie folglich auch das Rennen beginnen müssen, werden nicht lange halten. Folglich wird es einen frühen Boxenstopp geben müssen.

"Laut unseren Daten werden zwei Stopps im Rennen das Minimum sein", sagte Bridgestone-Entwicklungs-Chef Hirohide Hamashima. Sogar noch mehr Stopps könnten nötig sein. Der Grund: Die superweichen Reifen, die der Reifenlieferant nach Kanada mitgebracht hat, bekommen auf dem wenig griffigen und kühlen Asphalt nach wenigen Runden Graining und bauen dann von der Haftung her extrem ab. Das wird die Fahrer mehrere Sekunden pro Runde kosten.

Um diesen Schaden so gering wie möglich zu halten, wird Pole-Sitter Hamilton wie die meisten seiner Kollegen in den Top Ten schon nach wenigen Runden auf die haltbareren harten Reifen wechseln müssen. Das wirft ihn im Feld deutlich zurück, vorausgesetzt, es gibt nicht früh eine Safety-Car-Phase. Die ist in Kanada aufgrund der engen Strecke jedoch sehr wahrscheinlich und würde Hamilton in diesem Fall wahrscheinlich retten. Mit Regen, der Hamiltons Reifenprobleme ebenfalls lösen würde, ist nicht mehr zu rechnen. Die Prognosen haben sich verbessert und sprechen nur noch von 30 Prozent Regen-Risiko.

 

Stimmen vor dem Rennen:

Lewis Hamilton: "Ich habe das Gefühl, wir sind in der bestmöglichen Position. Wir wussten vorher, dass der weichere Reifen nicht ganz so lang halten wird wie der härtere, aber mit mehr Grip auf der Strecke sollte der Unterschied nicht mehr so groß sein wie noch am Freitag. Natürlich würde uns aber eine Safety-Car-Phase helfen."

Martin Whitmarsh (Teamchef): "Wir hoffen auf eine frühe Safety-Car-Phase. Aber selbst wenn die nicht kommt, dann ist es immer noch am besten, einen kurzen Stint mit den weichen und dann lange auf den harten Reifen zu fahren. Am Start bringen die weichen Reifen vielleicht sogar einen kleinen Vorteil."

Red Bull

Ausgangslage:

Die Startplätze zwei für Mark Webber und drei für Sebastian Vettel sind für sich genommen schon nicht schlecht, gewinnen durch die Tatsache, dass beide auf harten Reifen ihre schnellsten Runden gedreht haben, aber noch an Wert. Es sieht gut aus für das Rennen. Vettel hat noch die kleine Hoffnung, von der sauberen Startseite Webber angreifen zu können.

Aussichten für das Rennen:

kanada-gp, montreal, qualifying, Michael Schumacher

Red Bull ist dann der große Gewinner des Rennens, wenn in den ersten Runden alles glatt geht, kein Safety-Car auf die Strecke kommt und die Gegner auf den weichen Reifen spätestens nach zehn Runden an die Box kommen müssen. Dann können sie vorneweg fahren. Kommt aber das Safety-Car, dann werden die Gegner durch ihre Stopps kaum Zeit verlieren und Red Bull könnte in die Röhre gucken. Das ist das Risiko.

Auf der Strecke werden Webber und Vettel kaum überholen können, es sei denn, sie haben ein Auto mit völlig ruinierten Reifen vor sich. Denn der Nachteil von bis zu zehn km/h im Topspeed fällt auf den langen Geraden in Montreal deutlich ins Gewicht. Sprich: Am Start darf sich Vettel bloß nicht von Alonso oder Button hinter sich überholen lassen. Die ersten Runden, in denen die weichen Reifen der Gegner noch funktionieren, könnten sehr hart für Red Bull werden.

Stimmen vor dem Rennen:

Sebastian Vettel: "Ich bin sehr froh, dass wir es auf den härteren Reifen so weit nach vorne geschafft haben. Vor allem deshalb, weil es so schwierig ist, die weicheren über mehrere Runden am Leben zu erhalten."

Christian Horner (Teamchef): "Uns ist klar, dass es eine Safety-Car-Phase geben kann. Aber wer sich wie McLaren so etwas wünscht, der rechnet meistens mit Problemen. Wir haben im Training gesehen, dass die weichen Reifen bei vollen Tanks schon nach vier oder fünf Runden hinüber sein können."

Qualifying: Hamilton von WM-Fieber unbeeindruckt
Die deutschen Fahrer präsentierten sich vor dem Qualifying im WM-Fieber und demonstrierten ihre Verbundenheit zur Fußball-Nationalmannschaft
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Die deutschen Fahrer präsentierten sich vor dem Qualifying im WM-Fieber und demonstrierten ihre Verbundenheit zur Fußball-Nationalmannschaft
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Das Mercedes-Team will nach dem Rennen sogar die Möglichkeit zum "Piloten Viewing" schaffen, doch vorher ging es am Samstag erstmal um die Startaufstellung
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So schnell wie es scheint, war Michael Schumacher allerdings nicht unterwegs. Er schaffte es nicht in die dritte Session und wurde nur 13.
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So schnell wie es scheint, war Michael Schumacher allerdings nicht unterwegs. Er schaffte es nicht in die dritte Session und wurde nur 13.
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Sebastian Vettel war wieder gut unterwegs, landete aber ganz knapp hinter seinem Teamkollegen Mark Webber und insgesamt auf Rang drei
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Sebastian Vettel war wieder gut unterwegs, landete aber ganz knapp hinter seinem Teamkollegen Mark Webber und insgesamt auf Rang drei
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Das Kunststück, zum ersten Mal in dieser Saison beide Red Bull zu schlagen, gelang Lewis Hamilton. Der Lohn: Die Pole-Position
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Das Kunststück, zum ersten Mal in dieser Saison beide Red Bull zu schlagen, gelang Lewis Hamilton. Der Lohn: Die Pole-Position
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Der McLaren war dabei gerade nur exakt für die schnellen Runden betankt. Also ließ der Brite seinen Boliden ausrollen und wurde vom Safety-Car in die Box gebracht
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Der McLaren war dabei gerade nur exakt für die schnellen Runden betankt. Also ließ der Brite seinen Boliden ausrollen und wurde vom Safety-Car in die Box gebracht
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Dort war Mark Webber (l.) einer der Gratulanten. Der Australier musste nach drei ersten Startplätzen in Folge erstmals wieder einem Konkurrenten den Vortritt lassen
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Dort war Mark Webber (l.) einer der Gratulanten. Der Australier musste nach drei ersten Startplätzen in Folge erstmals wieder einem Konkurrenten den Vortritt lassen
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Ferrari

Ausgangslage:

Fernando Alonso steht auf Position vier sehr gut, vor allem, weil der Ferrari im Training den besten Eindruck auf den weichen Reifen hinterlassen hat. Für Felipe Massa auf Platz sieben wird es schon sehr schwierig werden, noch aufs Podium zu kommen.

Aussichten für das Rennen:

Alonso hat im Training gezeigt, dass er die weichen Reifen sehr schnell zum Arbeiten bringt. Von daher wird er sich berechtigte Hoffnungen machen, Vettel in den ersten Runden überholen zu können. Danach gilt für ihn das gleiche wie für Hamilton: eine Safety-Car-Phase würde sehr helfen. Aber ein Podium ist auch so drin.

Stimmen vor dem Rennen:

Fernando Alonso: "Wir haben zum ersten Mal in dieser Saison die Konstellation, dass wir nicht alle hintereinander herfahren und zur gleichen Zeit unsere Boxenstopps machen. Wir haben unterschiedliche Reifenstrategien und daher wird es deutlich mehr Bewegung geben. In so einem Rennen kann alles passieren. Ich hoffe, es wird Spaß machen!"

Mercedes

Ausgangslage:

Nico Rosberg und Michael Schumacher können von den Plätzen zehn  und 13 aus nur hoffen, dass im Rennen etwas Unvorhergesehenes passiert. Rosberg muss trotz seiner schlechten Position auch noch auf weichen Reifen starten, Schumacher kann wenigstens frei wählen und auf die härtere Mischung setzen.

Aussichten für das Rennen:

Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber auf mehr als Reifenchaos und die eine oder andere Safety-Car-Phase können weder Rosberg noch Schumacher hoffen. Aus eigener Kraft wird es kaum weit nach vorne gehen, zumal Mercedes ähnlich wie Red Bull beim Topspeed nicht mit den Besten mithalten kann.

Stimmen vor dem Rennen:

Michael Schumacher: "Das Auto lief überhaupt nicht so, wie wir es erwartet hatten. Es ist im Moment schwierig zu verstehen, warum das so war. Wir werden uns die Daten ganz genau ansehen und danach die Strategie für das Rennen festlegen."

Nico Rosberg: "Der weiche Reifen wird auseinanderfallen, der harte wird deutlich länger halten. Mit dem weichen Reifen muss man auf jeden Fall sehr früh an die Box."

Norbert Haug (Sportchef): "Ich glaube, wir können uns auf ein sehr spannendes Rennen gefasst machen. Wenn sich der Grip auf der Strecke nicht deutlich verbessert, dann werden wir wohl schon ab Runde drei, vier oder fünf die ersten Stopps sehen."

Zünglein an der Waage

Aufgrund der besonderen Reifensituation sind diesmal die vier Top-Teams nicht unter sich. Auch Robert Kubica als Achterund beide Force-India-Piloten auf den Rängen acht und neun haben gute Aussichten, einige WM-Punkte zu holen. Und sie können vor allem Mercedes eine ganze Menge Zähler wegnehmen.

Kein Wunder, dass Rosberg sein Mercedes-Team nach der Quali deutlich kritisierte: "Andere haben es geschafft, sich auf den weichen Reifen deutlich zu steigern, Force India zum Beispiel. Uns ist das gar nicht gelungen. Vielleicht haben wir einfach keinen guten Job gemacht, um das Problem zu beheben. Wenn wir da nur zuschauen, haben wir nicht gut reagiert."

Das komplette Qualifying-Ergebnis

Alexander Mey

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