Mittwoch, 12.05.2010

Strecken-Check: Monaco

"Monaco wird eine Katastrophe"

19 Strecken stehen im Rennkalender der Saison 2010. Darunter eine völlig neue in Südkorea und einige umgebaute, zum Beispiel in Bahrain oder Silverstone. SPOX stellt vor jedem Rennen den Kurs detailliert mit Grafik, Fakten und Video vor. Darunter eine Runde im Red-Bull-Simulator mit Sebastian Vettel. Strecken-Check, Teil 6: Monaco.

Monaco Circuit: Alle Kurven, Geschwindigkeiten, Gangzahlen und Fliehkräfte
© spox
Monaco Circuit: Alle Kurven, Geschwindigkeiten, Gangzahlen und Fliehkräfte

Streckendaten: Das kürzeste Rennen des Jahres

  • Name: Circuit de Monaco
  • Ort: Monte Carlo
  • Länge: 3,340 Kilometer
  • Runden: 78
  • Renndistanz: 260,520 Kilometer
  • Kurven: 12 rechts, 7 links

 

VIDEO: Eine Monaco-Runde mit Vettel im Rennsimulator

 

Darauf kommt es an: Abtrieb, Fahrer - Chaos?

"Formel 1 fahren in Monaco ist wie Hubschrauber fliegen in einem Wohnzimmer." Dieses Zitat stammt von Nelson Piquet. Senior, wohlgemerkt. Denn die Strecke im Fürstentum ist eine Institution im Rennkalender. Bereits 1929 wurde auf dem Circuit de Monaco das erste Rennen ausgetragen - seit 1955 ist sie dauerhafter Bestandteil des F-1-Rennkalenders.

Und das, obwohl sie wegen der nicht vorhandenen Auslaufzonen zu den gefährlichsten Kursen überhaupt zählt. Der kurioseste Unfall ereignete sich 1955: damals kam der in Führung liegende Alberto Ascari in der Hafen-Schikane ins Schleudern, stürzte mit seinem Boliden ins Meer - und blieb unverletzt. Tragisch: vier Tage später starb er bei einem privaten Sportwagen-Test in Italien. Dennoch ist der Kurs bei den Fahrern extrem beliebt. "Gut, dass er praktisch unter Artenschutz steht", sagt etwa Adrian Sutil. "Es ist so ein Thrill, im Formel-1-Boliden durch die engen Gassen zu hämmern." "Es ist der Saisonhöhepunkt", ergänzt Nico Rosberg. "Jeder Pilot träumt davon, einmal hier zu gewinnen."

Und um das zu schaffen, ist ein gutes Qualifying entscheidend. Überholmanöver sind wegen der geringen Streckenbreite extrem riskant. Die beste Möglichkeit bietet sich noch vor der Hafen-Schikane, wo die Piloten von knapp 300 Stundenkilometern auf gut 50 herunterbremsen. Allerdings ist dort in diesem Jahr besondere Vorsicht geboten. Die Streckenbetreiber haben die Kerbs deutlich erhöht, was ein Räubern über die Randsteine erschwert. Die meisten Teams bringen daher verstärkte Teile nach Monte Carlo mit.

Das Rezept für eine schnelle Runde heißt: Abtrieb. Denn neben Budapest ist Monte Carlo die Strecke, auf der man am meisten Anpressdruck benötigt. Die Flügel sind so steil wie nur möglich eingestellt. Doch manchmal hilft auch das beste Qualifying nichts. Monaco ist bekannt für seine kuriosen Rennen. Wie 1996 - als nur vier Autos tatsächlich ins Ziel kamen und Olivier Panis im unterlegenen Ligier gewann.

Auch deshalb gilt Monaco als die Strecke, auf der sich die fahrerische Spreu vom Weizen trennt. Bereits vor dem Rennen gab es erhebliche Diskussionen darüber, ob man nicht das Qualifying aufteilen sollte. "Ich weiß zwar nicht, wie man das am besten bewerkstelligen kann, aber mit 24 Autos auf der Strecke wird es ziemlich hart werden. Wir müssen uns unbedingt etwas überlegen, bevor wir ein Schlamassel haben", sagt Lotus-Pilot Jarno Trulli.

Wetter-Prognose: Kein Regen, bitte...

  • Donnerstag: wolkig, 18 - 20 Grad, 25 Prozent Regen-Risiko
  • Samstag: wolkig, 17 - 19 Grad, 20 Prozent Regen-Risiko
  • Sonntag: wolkig, 18 - 20 Grad, 20 Prozent Regen-Risiko

Die Favoriten: Red Bull... und Ferrari?

Red Bull. Galt der enge Stadtkurs in den letzten Jahren noch als Problemstrecke von Sebastian Vettels Team, wird man in diesem Jahr wohl nur schwer zu schlagen sein. "Die Achillesferse unseres vorjährigen Autos waren die langsamen Stellen", räumt Teamchef Christian Horner ein. "Aber wir haben das Auto im Vergleich zum vergangenen Jahr in vielen Bereichen stark verbessert. Auch im Bezug auf die langsamen Passagen. Deshalb glauben wir, dass wir sehr stark sein werden."

Das weiß auch die Konkurrenz: "Der Abstand ist einfach zu groß. Das war mehr als eine Sekunde. Das wird trotzdem reichen, um auch in Monaco vorne zu sein", sagt Mercedes Test- und Ersatzfahrer Nick Heidfeld. Dennoch hofft man, wenigstens näher dran zu sein.

"In Monaco kann ein Auto auch gut aussehen, wenn es ansonsten aerodynamische Probleme hat", erklärt Rosberg. "Die Kurvengeschwindigkeiten sind niedrig. Die Schwächen eines Autos kann man mit mechanischem Grip einigermaßen kompensieren."

Ärgster Verfolger: vermutlich Ferrari. Bereits im Vorjahr kam die Scuderia trotz eines zu diesem Zeitpunkt völlig unterlegenen Boliden in Monaco gut zurecht. Hinter Brawn-GP war man 2009 klar die zweite Kraft. McLaren könnte sich im Fürstentum hingegen schwer tun. Denn während der MP4-25 in schnellen Kurven mittlerweile fast mit dem Red Bull mithalten kann, ist er auf unebenen Passagen schwer zu beherrschen.

Und Mercedes? "Wir haben zwar im Moment noch nicht den Speed der Fahrer an der Spitze, aber in Monaco weiß man nie, was alles geschehen kann", sagt Teamchef Ross Brawn. Dabei werden Schumacher und Rosberg zwar mit dem neuen Aerodynamikpaket an den Start gehen, im Gegenzug aber das alte kürzere Aufhängungssystem einsetzen. "Das ermöglicht uns in den engen Kurven einen besseren Lenkeinschlag", so Brawn.

Monaco-GP: Prominenz beim Benefiz-Kick
Alle Jahre wieder: Beim traditionellen Benefiz-Kick in Monaco traf das Piloten-Team um Sebastian Vettel (M.) auf das Star Team for Children von Fürst Albert
© Getty
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Ferrari-Pilot Felipe Massa (l.) bewies starken Körpereinsatz
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Ein Bad in der Menge: Fernando Alonso klatschte nach Schlusspfiff und zwei Toren die Anhänger ab. 3000 Zuschauer sahen das Spiel
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Ein Händedruck vom Fürsten: Sebastian Vettel (l.) und Fürst Albert (r.). Am Ende gewannen die Fahrer übrigens mit 4:2
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Statistik: Niemand schlägt Ayrton Senna

  • Sieger 2009: Jenson Button (Brawn), 1:40:44,282 Stunden
  • Pole-Position 2009: Jenson Button (Brawn), 1:14,902 Minuten
  • Schnellste Rennrunde 2009: Felipe Massa (Ferrari): 1:15,154 Minuten
  • Meiste Siege: Ayrton Senna (6)
  • Meiste Pole-Positions: Ayrton Senna (5)

Das sagen die Beteiligten: Katastrophe, Chaos!

Timo Glock (Virgin): "Monaco wird eine Katastrophe! Das habe ich schon in Barcelona gemerkt, denn dort hatte ich im Rennen nur 15 freie Runden - der Rest war überfüllt mit blauen Flaggen. Da muss man nur noch gucken, dass man niemandem im Weg steht."

Michael Schumacher (Mercedes): "Wir hoffen, dass die Charakteristik des Stadtkurses unserem Auto besser liegt als die Strecke in Barcelona am vergangenen Wochenende."

Norbert Haug (Mercedes-Sportchef): "Wir gehören in diesem Jahr noch nicht zum vordersten Favoritenkreis. Allerdings hat der Monaco-Grand-Prix ganz eigene Gesetze und wir werden konzentriert daran arbeiten, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Mit Michael und Nico haben wir zwei Fahrer, die diese Strecke lieben und dort zu den Schnellsten gehören."

Lewis Hamilton (McLaren): "Das wird ein Desaster. Wenn man einen Nachzügler zwei Mal im Rennen überrundet, ist es kein großes Problem. Aber dass man sie so schnell einholt, ist fast irreal. Bis jetzt gab es noch keine Zwischenfälle, aber in Monaco wird es schwierig."

Adrian Sutil (Force India): "In Monaco alles möglich. Da weiß man nie, was passieren wird. Man muss nur konzentriert und fokussiert bleiben, dann ist ein gutes Resultat möglich."

Zeitplan: Freitag ist frei

  • Donnerstag, 10 Uhr: 1. Training
  • Donnerstag, 14 Uhr: 2. Training
  • Samstag, 11 Uhr: 3. Training
  • Samstag, 14 Uhr: Qualifying
  • Sonntag: 14 Uhr: Rennen

Jan-Hendrik Böhmer

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