Spanien-GP: Rennanalyse

Vettel ohne Bremsen aufs Podium

Von Andreas Allmaier
Sonntag, 09.05.2010 | 16:22 Uhr
Sebastian Vettel ist mit seinem dritten Platz in Barcelona überhaupt nicht zufrieden
© Getty
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Red-Bull-Pilot Mark Webber hat in einem streckenweise turbulenten Rennen kühlen Kopf bewahrt und den Großen Preis von Spanien gewonnen. Zweiter wurde Fernando Alonso im Ferrari, Dritter Webbers Teamkollege Sebastian Vettel, der seinen Red Bull trotz dramatisch abbauender Bremsen ins Ziel rettete. Michael Schumacher fuhr im runderneuerten Mercedes mit Platz vier sein bestes Saisonergebnis ein.

Mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg hat Mark Webber seine Pole-Position genutzt und den dritten Grand-Prix-Sieg seiner Karriere eingefahren. Beim Rennen in Barcelona komplettierten Fernando Alonso (Ferrari) und Sebastian Vettel (Red Bull) das Podium.

Vettel musste allerdings bis zum Schluss kräftig zittern: Erst traten an seinem Boliden Probleme mit dem Frontflügel auf, dann funkten ihm seine Mechaniker ins Cockpit, dass die Bremsen abbauen, einmal flog er sogar von der Strecke ab - konnte aber weiterfahren. Am Ende profitierte der Deutsche vom Aus von Lewis Hamilton und erbte einen Platz.

Vettel stellt klare Forderung

"Das Team sagte mir, dass ich das Rennen beenden soll. Ihnen war das Risiko wegen der kaputten Bremse zu groß", verriet Vettel nach dem Grand Prix dem Fachmagazin "Auto, Motor und Sport". Doch Vettel wollte kämpfen - und fuhr weiter. "Heute ist jede Menge schief gelaufen", sagte er. "Der Start war noch okay, auch wenn ich Mark nicht überholen konnte. Das Auto ist schnell, aber ich hatte Probleme mit der Balance, kam dann zu früh zum Boxenstopp. Ich hatte leider keine Chance, an Hamilton vorbeizukommen. Am Ende muss ich froh sein, dass ich überhaupt ins Ziel gekommen bin. Das Auto ist schnell, aber es muss auch schnell ins Ziel kommen. Und das bitte jedes Mal!"

Webber zeigte sich bei der Pressekonferenz naturgemäß weitaus zufriedener: "Ich bin total begeistert. Entscheidend war, dass ich als Erster aus der ersten Kurve kam."

Das Rennen zum Nachlesen im LIVE-TICKER

Button kritisiert Schumacher

Michael Schumacher wurde im Mercedes Vierter, Adrian Sutil im Force India Siebter.

"Wir haben einen Schritt nach vorn gemacht. Red Bull ist zwar noch weit weg, aber wenn wir den Schritt nicht gemacht hätten, würde es noch schlechter aussehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagte Michael Schumacher nach der besten Platzierung der Saison. Der siebenmalige Weltmeister sorgte mit einem tollen Überholmanöver und einem viele Runden dauernden Duell gegen Jenson Button für eines der Highlights des Rennens.

Button kritisierte Schumacher allerdings für dessen Angriff: "Er hat nach innen gezogen. Wenn ich nicht zurückgesteckt hätte, hätte es gekracht. Er hat mir kaum Raum gelassen. Eigentlich müsste er es mit seiner Erfahrung besser wissen."

Einen schwarzen Tag erwischte Schumachers Mercedes-Kollege Nico Rosberg, der nach einem schwachen Start und Problemen bei einem Boxenstopp als 13. erstmals die Punkteränge verfehlte. Nico Hülkenberg (Williams) wurde 16., Timo Glock (Virgin) 18.

In der Fahrer-Wertung führt weiterhin Jenson Button (McLaren), der nach Position fünf in Barcelona nun 70 Punkte hat, vor Alonso (67) und Vettel (60).

Die Schlüsselszenen des Rennens:

Start: Ganz knappe Angelegenheit gleich zu Beginn. Vettel will an Webber vorbei, ist schon fast neben seinem Teamkollegen. Doch dann macht Hamilton von hinten Druck, rutscht beinahe innen durch. Doch die Spitze hält die Positionen: Webber vor Vettel und Hamilton. Rosberg war nach einer Kollision mit Kubica neben der Strecke und fällt von acht auf elf zurück. Außerdem hat sein Bolide wohl etwas abbekommen.

Runde 15: Schumacher und Massa kommen gleichzeitig zum Service an die Box. Schumacher bleibt klar vor seinem ehemaligen Teamkollegen im  Ferrari.

Runde 16: Rosbergs Stopp misslingt. Nach der Abfertigung fährt er ein paar Meter und wird dann wieder zurückgeschoben. Die Radmutter rechts vorne war nicht richtig festgezogen. Die Mechaniker schlagen die Hände über dem Kopf zusammen.

Runde 17: Starkes Manöver von Schumacher! Als Button aus der Box kommt, quetscht sich Schumi vorbei. Er schnappt sich den Weltmeister, ist Fünfter.

Runde 18: Jetzt zeigt Hamilton, was er kann. Kurz nach der Ausfahrt aus der Box schnupft er Vettel. Enge Sache, weil auch noch Nachzügler die Grassi im Weg ist. Vettel muss sogar auf die Auslaufzone ausweichen, um eine Kollision zu verhindern.

Runde 22: Schumacher und Button liefern sich über Runden ein packendes Duell. Button versucht immer wieder, am siebenmaligen Weltmeister vorbeizugehen, doch der Mercedes-Pilot fährt Kampflinie und wehrt die Angriffe ab. Ein toller Zweikampf!

Runde 25: Massa rutscht wild in die Schikane und fährt sich am überrundeten Chandhok den Frontflügel kaputt. Das war unnötig. Doch Ferrari nimmt es mit Humor. Es heißt, der F10 liege jetzt besser als jemals zuvor. Massa bleibt draußen und holt sich keinen neuen Flügel.

Runde 38: Button hat genug und stellt seine Angriffe auf Schumacher ein.

Runde 44: Schlechte Nachrichten für Vettel. Die Box funkt ihm, dass er seinen Frontflügel nicht mehr verstellen kann. Das geht auf die ohnehin beanspruchten Reifen.

Runde 55: Vettel wirft jetzt auch den dritten Platz weg! Er rutscht fast ohne Bremsen ins Kiesbett und muss zum Stopp an die Box. Alonso geht vorbei.

Runde 61: Hiobsbotschaft von der Red-Bull-Box: Vettels Bremsen stehen kurz vor einem Defekt. Jetzt muss er extrem langsam machen. Doch der Vorsprung auf Schumacher reicht.

Runde 65: Reifen- oder Felgenschaden bei Hamilton! Vorne links macht der Pneu schlapp. Der McLaren-Pilot fliegt unsanft in einen Reifenstapel.

Mann des Rennens:

Mark Webber: Der Pole-Sitter hatte nur am Start eine brenzlige Situation zu überstehen, als er seine Position gegen Vettel energisch verteidigte. Danach dominierte er das Rennen nach Belieben und fuhr den Sieg dank einer fehlerlosen Darbietung nach Hause. Ein wichtiger Sieg für die WM-Ambitionen des Australiers, der mit dieser Leistung auch teamintern Pluspunkte gesammelt haben dürfte. Ein wichtiger Faktor im Duell mit Vettel.

Flop des Rennens:

Nico Rosberg: Er musste erstmals in dieser Saison Michael Schumacher den Vortritt lassen - und zwar während des gesamten Wochenendes. Zunächst hatte er Probleme, ein passendes Set-Up für den runderneuerten W01 zu finden. Im Qualifying landete er zwei Plätze hinter Schumacher auf acht und im Rennen ging dann alles schief, was schief laufen konnte. Schon während des Starts landete er nach einem Duell mit Kubica neben der Strecke, dann verlor er beim verpatzten Boxenstopp weitere Plätze. Der zweite Platz in der WM-Wertung ist damit futsch.

Szene des Rennens:

Runde 17: Michael Schumacher ist zurück! Im verbesserten Silberpfeil fühlte sich der Rekordweltmeister sichtlich wohl. Sein spektakuläres Überholmanöver gegen Jenson Button und die folgenden gekonnten Verteidigungsaktionen erinnerten an alte Schumi-Tage. Der Lohn: Mit Rang vier gelang im sein bestes Saisonresultat. Mehr davon!

Lehren des Rennens:

Die Überlegenheit von Red Bull war im Rennen bei weitem nicht so deutlich wie noch im Qualifying. Dennoch stellte das Team in Spanien das schnellste Auto.

Der Abstand auf den Rest des Feldes in der Qualifikation war eindrucksvoll: Webber distanzierte Hamilton um über acht Zehntel. Das ist ermutigend für Vettel und Webber, denn der Circuit de Catalunya gilt als Referenzstrecke für den Rest der Saison. Im Kampf um den Titel gelten beide deshalb als Favoriten. Allerdings gibt es weiter massive Probleme mit der Standfestigkeit, die Vettel beinahe eine weitere Nullnummer beschert hätten.

Was sich außerdem zeigte: Richtig stark ist der Red Bull vor allem, wenn er freie Bahn hat und vorneweg fahren kann. Im Verkehr offenbart das Auto Schwächen.

McLaren und Ferrari haben bewiesen, dass sie zur Stelle sind, sobald Red Bull auch nur ein bisschen schwächelt. Vom Speed her liegen die beiden im Kräfteverhältnis der Formel eins hinter Red Bull etwa gleichauf.

Mercedes hat trotz der vorgestellten radikalen Neuerungen am Auto nicht den erhofften ganz großen Schritt gemacht. Bei den Silberpfeilen war deshalb trotz des vierten Platzes von Schumacher Ernüchterung zu spüren. Nach wie vor gibt es hier eine Menge Arbeit.

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

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