"Werden gegen McLaren Protest einlegen"

Von Jan-Hendrik Böhmer
Dienstag, 06.04.2010 | 14:31 Uhr
Red Bull sorgt mit seiner angeblich flexiblen Radaufhängung weiter für Ärger
© Getty
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Seit dem Australien-GP wird darüber spekuliert, ob der Red Bull von Sebastian Vettel und Mark Weber wegen einer möglicherweise illegalen flexiblen Radaufhängung überlegen ist. In Malaysia kamen neue Details zum angeblichen Red-Bull-System ans Licht. SPOX erklärt, warum das Einstellen der Bodenfreiheit überhaupt so wichtig ist, wie es genau funktionieren soll - und warum einigen Teams jetzt neuer Ärger droht.

Die Ausgangslage: Seit das Nachtanken im Rennen verboten ist, haben die Teams Schwierigkeiten, das optimale Setup zu finden. Das Problem: die Bodenfreiheit.

Hier gilt normalerweise: je tiefer, desto besser. Doch wagt man sich im Qualifying mit leeren Tanks zu weit nach unten, setzt der beim Start vollgetankte (und bis zu 160 Kilogramm schwerere) Bolide im Rennen auf. Fahrverhalten und Grip sind dahin. Lassen die Teams jedoch im Zeittraining zu viel Platz nach unten, greifen die wichtigen Aerodynamik-Teile am Unterboden nicht mehr richtig. Das kann pro Runde mehrere Zehntelsekunden kosten.

FIA ermittelt nicht: Verwirrung um Red Bulls Radaufhängung

Nur Red Bull schien damit keine Probleme zu haben. Nach den überlegenen Quali-Leistungen wurden deshalb Stimmen laut, das Team könne dank einer flexiblen Radaufhängung die Bodenfreiheit nach dem Qualifying neu justieren. Knackpunkt: Aktive Radaufhängungs-Systeme sind in der Königsklasse seit Ende 1993 verboten.

So funktionieren die flexiblen Radaufhängungen

Die Red-Bull-Lösung: Angeblich stellt das Team die Bodenfreiheit mit Hilfe eines komprimierten Gases ein, das man vor der Quali in die Stoßdämpfer leitet, um den Boliden möglichst nah an die Strecke zu pressen. Vor dem Rennen kann das Gas dann wieder abgelassen werden, um die Bodenfreiheit dem gestiegenen Startgewicht anzupassen.

Angeblich. Denn Teamchef Christian Horner dementierte in Sepang erneut.

Video: So funktionieren Federn und Dämpfer im Motorsport

"Wir haben kein solches System", sagte Horner. "Die FIA hat sich unser Auto am Samstagabend gründlich angeschaut und war zufrieden. Kein Wunder. Sie können ja auch nichts finden, weil es nichts gibt!" Jedenfalls nichts Regelwidriges.

Denn vermutlich wäre das Red-Bull-System sogar legal. Laut Reglement dürfen nämlich "komprimierte Gase" zwischen Qualifying und Rennstart abgesaugt oder eingefüllt werden.

Die Ferrari-Lösung: Offenbar hat auch die Scuderia ein System entwickelt, mit dem man den F10 dem Gewicht anpassen kann. Allerdings erst beim Boxenstopp. Demnach legt Ferrari seinen Boliden beim Reifenwechsel mechanisch tiefer. Wie genau, ist unklar.

Klar ist dagegen: auch das wäre vollkommen legal. Zwar darf zwischen Qualifying und Start am Boliden die Aufhängung nicht verändert werden, "aber wenn das Rennen einmal läuft, darf neu eingestellt werden", erklärt Williams-Technikchef Sam Michael. "Der erste Boxenstopp ist also die erste Gelegenheit, tatsächlich etwas zu ändern."

Die McLaren-Lösung: Wie sie genau aussehen wird, ist noch unbekannt. Allerdings gab Teamchef Martin Whitmarsh bereits offen zu: "Seit es so aussieht, als wären diese Systeme legal, versuchen wir, so schnell wie möglich auch eines zu bekommen. Wir hatten jetzt die Chance, uns das aus der Nähe anzuschauen, und arbeiten hart an einer eigenen Lösung."

Das ruft Red Bull auf den Plan. "Wenn McLaren in China mit so etwas fahren sollte, werden wir dagegen Protest einlegen, denn das wäre theoretisch illegal", sagte Horner.

FIA will Reglement ändern

Der Formel 1 droht also weiterer Ärger. Mercedes-Teamchef Ross Brawn fordert deshalb erneut: "Es ist wichtig, dass die FIA präzisiert, was erlaubt ist - und was nicht. Im Moment besagt die Regel, dass die Radaufhängungen zwischen Qualifying und Rennen nicht verändert werden dürfen. Aber was ist mit allem, was die Radaufhängungen beeinflusst? Gasdruck? Temperatur? Auch diese Dinge wirken sich aus. Das muss geklärt werden."

Und offenbar will die FIA auch umgehend reagieren. Um weitere Grauzonen im Reglement zu vermeiden, will man den Teams schlichtweg erlauben, zwischen Qualifying und Rennen die Bodenfreiheit neu einzustellen. Dazu bedarf es lediglich der Zustimmung aller Teams.

Grünes Licht gibt es bereits von Red Bull. "Das würde uns - und vielen anderen Teams - einiges an Geld sparen", meint Horner.

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