Petrow soll Russland für die Formel 1 begeistern

SID
Montag, 08.03.2010 | 15:28 Uhr
Witali Petrow gewann 2005 die russische Formel 1600
© Getty
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Witali Petrow soll als erster russischer Formel-1-Pilot einen Motorsportboom im eigenen Land auslösen. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist über die Ost-Erweiterung hocherfreut.

Um das Fahrerfeld seiner Träume endgültig zu komplettieren, braucht Bernie Ecclestone nur noch einen Chinesen und eine Frau. Zuletzt hat Renault dem mächtigen Formel-1-Boss gleich anderthalb seiner sehnlichsten Wünsche erfüllt.

In Witali Petrow verpflichteten die Franzosen den ersten Russen in der Königsklasse des Motorsports, in Ho-Pin Tung zudem noch einen Chinesen als Testfahrer.

Der Aufschwung Ost freut Ecclestone, denn die Expansion in jene Regionen hat der geschäftstüchtige Brite sich seit einiger Zeit auf die Fahnen geschrieben.

Petrows WM-Einstieg soll die russischen Motorsportfans wachrütteln und den Weg für einen Grand Prix im flächenmäßig größten Land der Welt ebnen.

Petrow, der "Juri Gargarin auf vier Rädern"

"Wir sind Russland, wir müssen ein Formel-1-Rennen haben", sagt der 25 Jahre alte Petrow: "Vielleicht wachen sie jetzt auf, wo ich hier bin."

Und in der Tat: Als Petrows Verpflichtung Ende Januar offiziell wurde, brach in der Heimat ein regelrechter Hype aus.

Die Zeitungen bezeichneten ihn euphorisch als "Juri Gagarin auf vier Rädern" oder "Wiborg Rocket" in Anlehnung an seinen Heimatort an der finnischen Grenze.

Petrow wurde von dem Interesse erst einmal überwältigt. "Ich wurde ständig angerufen. Da habe ich das Telefon einfach mal abgeschaltet, denn ich muss mich auf meine Arbeit und mein Team konzentrieren", sagte er.

Russland soll in die Elite des Motorsports vorstoßen

Zumal sich die Unterstützung aus der russischen Heimat für den in Valencia lebenden Petrow zuvor durchaus in Grenzen gehalten hatte.

"Vermutlich wegen der Finanzkrise war keine große russische Firma bereit, Witali zu sponsern", sagte Managerin Oksana Kossatschenko: "Dabei hat Russland eine einzigartige Chance, in der Elite des Motorsports zu bleiben. Wir hoffen, dass sich Ministerpräsident Wladimir Putin dieser Sache annehmen wird."

Laut russischen Medienberichten soll Vater Alexander Petrow die 15 Millionen Mitgift selbst durch einen Kredit aufgetrieben haben und bürgt dafür mit seinem Privatbesitz.

Angeblich soll der Dreijahresvertrag mit Renault nur dann wirksam werden, wenn der Neuling im ersten Jahr mindestens 25 Prozent der WM-Punkte seines polnischen Teamkollegen Robert Kubica einfährt.

"Das Team hat mir gesagt, dass sie ab Mitte der Saison erwarten, dass ich Punkte hole", sagte Petrow und verriet damit zumindest die Dauer seiner offiziellen Schonzeit.

Petrow saß vor acht Wochen zum ersten Mal im Rennauto

Die Umstellung war durchaus schwer für den Russen. "Das Auto ist richtig klein, sogar im Vergleich zur GP2. Ich dachte: Oh, shit", sagte Petrow, der in der Nachwuchsserie im Vorjahr Zweiter hinter dem von Williams verpflichteten Deutschen Nico Hülkenberg (Emmerich) wurde.

Doch Petrow bewies, dass er schnell lernen kann. Schließlich hatte er mit großen Standort-Nachteilen zu kämpfen. Erst vor acht Jahren saß er erstmals in einem Rennauto.

"Wer Michael Schumacher war, wusste ich damals nicht," sagte er: "In Russland ist der Rennsport einfach nicht verbreitet, in meiner Gegend gab es das überhaupt nicht."

Von mehreren Teams gab es Angebote

Doch Witali Alexandrowitsch Petrow hat sich durchgebissen. Angeblich wollten mehrere Teams ihn verpflichten, neben Renault zum Beispiel auch Hispania und Sauber.

Renault stellte klar, dass allein sein fahrerisches Potenzial den Ausschlag für die Verpflichtung gegeben habe.

"Wir hätten Fahrer bekommen können, die doppelt so viel Geld mitgebracht hätten wie Witali", sagte der Luxemburger Finanz-Investor Gerard Lopez, der im Dezember mit seiner Firma Genii die Mehrheit am Rennstall übernommen hat.

Dass ausgerechnet er Ecclestone anderthalb große Wünsche erfüllt hat, ist übrigens kein Zufall: Gemeinsam hatten Genii und Ecclestone zuletzt Interesse an einer Übernahme von Saab geäußert.

Schumacher will es Lauda und Prost gleichtun

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