Formel 1

Stallorder und Flugstunden

Von Alexander Mey
Unfall am Start von Hockenheim 2001: Luciano Burti fliegt über Michael Schumacher
© Getty

16 Jahre lang fuhr Michael Schumacher in der Formel 1, bevor er 2006 seine Karriere beendete. Bis jetzt: Denn am 14. März wird Schumi wieder in der Startaufstellung stehen - 19 Jahre nach seinem Debüt. SPOX zählt die Tage bis zum Comeback und erinnert im Countdown an die bisherigen 16 WM-Jahre des Michael Schumacher. Teil 11: 2001.

Team: Ferrari

WM-Platzierung: Weltmeister

WM-Punkte: 123

Sportlich gibt es über die Saison 2001 nicht so viel zu berichten wie über die Jahre zuvor. Zu überlegen war der Ferrari F2001, mit dem Schumacher neun Siege und elf Pole-Positions herausfuhr.

Er selbst sagt im Nachhinein: "Das war seltsamerweise so etwas wie ein Zwischenjahr. Die Erlebnisse und Gefühle empfinde ich in den Jahren 2000 und 2002 als so viel tiefer, daher habe ich an dieses Jahr nicht wirklich konkrete Erinnerungen."

Dann wollen wir ihm ein bisschen auf die Sprünge helfen, denn selbst in der Saison 2001 passierten einige Dinge, an die es sich zu erinnern lohnt.

"Let Michael pass..." - Teil 1

Fangen wir mit dem Negativen an, dann haben wir es hinter uns. Österreich-GP, Teil eins der unsäglichen "Let Michael pass for the Championship"-Orgie von Ferrari-Teamchef Jean Todt.

Schumacher liegt im Rennen auf Platz drei hinter Teamkollege Rubens Barrichello. David Coulthard, WM-Rivale Nummer eins von Schumacher, fährt auf Platz eins dem Sieg entgegen. In der letzten Runde bekommt Barrichello die Anweisung, Schumacher vorbei zu lassen, damit er zwei WM-Punkte mehr bekommt. Barrichello gehorcht.

Die Aufregung hält sich nach dieser klaren Stallorder, die damals noch nicht verboten ist, in Grenzen, denn zu dem Zeitpunkt - es ist das sechste Saisonrennen - geht es für Schumacher gegen Coulthard tatsächlich noch um jeden Punkt. Ein Jahr später ist das an gleicher Stelle ganz anders. Doch dazu im nächsten Teil der Serie mehr.

Horror-Crashes in Monza und Hockenheim

Zusätzlich zu dem politischen Ärger übersteht Schumacher zwei schwere Unfälle unverletzt. Bei Testfahrten in Monza kracht er mit hoher Geschwindigkeit in die Streckenbegrenzung. "Es war einfach nur brutal, ein gewaltiger Einschlag", sagt er. "Ich hatte keine Kontrolle mehr. Im Nachhinein muss ich sagen, hatte ich verdammt viel Glück."

Der nächste Schreck fährt ihm in Hockenheim in die Glieder. Er kommt am Start nicht weg und sitzt hilflos im Auto, während das ganze Feld an ihm vorbeischnellt - bis auf Luciano Burti. Er kann nicht mehr rechtzeitig ausweichen und knallt in vollem Schwung ins Heck des Ferrari. Burti hebt ab und fliegt durch die Luft. Sieht spektakulär aus, bleibt für beide Fahrer aber zum Glück ohne schwere Folgen.

Von Montoya überrumpelt

Zurück zum sportlichen Verlauf der Saison 2001. Alles beginnt mit einem Schock in Australien. Schumacher überschlägt sich imTraining, kommt aber zum Glück auch hier unverletzt davon. Er gewinnt in Melbourne und auch danach im Regen von Malaysia.

In Brasilien wird er nur Zweiter, nachdem ihn Neuling Juan Pablo Montoya im Senna-S überrumpelt und sehenswert überholt. "Ich habe gedacht, ich könnte kontern, aber da war er schon vorbei", gesteht Schumacher.

Nach seinem Ausfall in Imola ist er nur punktgleich mit Coulthard an der Spitze der WM. Die Stallorder in Spielberg bringt Schumacher eine Vier-Punkte-Führung vor dem Schotten.

Schumi knackt Rekordmarke von Prost

Danach ist gegen ihn aber kein Kraut mehr gewachsen. Nur noch in Hockenheim und beim vierten Platz in Monza verpasst er das Podium. Ansonsten ist er immer mindestens Zweiter.

Den vierten WM-Titel macht er schon vier Rennen vor Schluss in Ungarn perfekt. "Das war das erste Mal, dass ich in Europa meinen Titel feiern konnte, was die Feier wegen der Fans so viel größer machte", sagt Schumacher. Ferrari sicherte sich im gleichen Rennen den Konstrukteurs-Titel. Als wären das nicht genügend Erfolge für ein Jahr, übertraf Schumacher auch noch die Bestmarke von 51 GP-Siegen von Alain Prost.

Die ersten Bruderduelle mit Ralf

Und dann war da noch der kleine Bruder. 2001 war das Jahr des Durchbruchs von Ralf Schumacher. Er gewann sein erstes Rennen und stand einige Male gemeinsam mit Michael auf dem Podium. Was allerdings auch einige harte Bruderduelle zur Folge hatte.

Davon gab es auch in den folgenden Jahren noch welche - nicht immer mit harmonischem Ausgang. Mehr dazu und zu anderen Themen im nächsten Teil der Serie - 2002.

Teil 10: 2000 - WM-Saufgelage in der Karaoke-Bar

Teil 9: 1999 - Schumi-Crash in Silverstone kostet den Titel

Teil 8: 1998 -  "Willst du mich umbringen?"

Teil 7: 1997 - Schumachers schwärzeste Stunde

Teil 6: 1996 - Bloß raus aus der roten Gurke!

Teil 5: 1995 - Vom Intimfeind abgeschossen

Teil 4: 1994 - Ein Jahr Hölle mit Happy End

Teil 3: 1993 - Von Senna vorgeführt

Teil 2: 1992 - Beinahe-Schlägerei mit Senna

Teil 1: 1991 - Das Debüt-Jahr

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