Formel 1

Nichts wie raus aus der roten Gurke!

Von Alexander Mey
Michael Schumacher musste in seinem Ferrari 1996 insgesamt sieben Ausfälle hinnehmen
© Getty

16 Jahre lang fuhr Michael Schumacher in der Formel 1, bevor er 2006 seine Karriere beendete. Bis jetzt: Denn am 14. März wird Schumi wieder in der Startaufstellung stehen - 19 Jahre nach seinem Debüt. SPOX zählt die Tage bis zum Comeback und erinnert im Countdown an die bisherigen 16 WM-Jahre des Michael Schumacher. Teil 6: 1996.

Team: Ferrari

WM-Platzierung: 3

WM-Punkte: 59

Mythos Ferrari. Leidenschaft, Liebe, Euphorie. All das empfinden die Italiener, wenn es um die Scuderia geht. Michael Schumacher ist das alles völlig schnuppe. Als er 1996 die heiligen Hallen in Maranello zum ersten Mal betritt, ist er genau der nüchterne Deutsche, den die Italiener befürchtet haben. Von heißer Vorfreude auf den Doppelweltmeister keine Spur.

Schumacher ist eben nicht so ein Kumpel-Typ wie seine Vorgänger Gerhard Berger und Jean Alesi. Ihn muss man nicht von Anfang an gern haben. Er muss sich durch Erfolge seine Beliebtheit verdienen. Und genau das hat er vor.

Immerhin sind Erfolge das, was die damalige Chaos-Truppe Ferrari nicht verbuchen konnte. Zumindest nicht regelmäßig. Dafür sind 1996 Schumacher und Teamchef Jean Todt zuständig, der den Deutschen nach Italien geholt hat.

Presse-Duell zwischen Deutschland und Italien

Der Auftakt ist fürchterlich. Der F310 ist den Williams von Beginn an hoffnungslos unterlegen. Sogar Schumachers Ex-Team Benetton hat in den ersten Rennen die Nase vorn. Gleich zum Auftakt in Melbourne ein Ausfall. In Brasilien immerhin Rang drei, dann die nächste Panne in Argentinien.

"Schumi, steig aus der roten Gurke aus!", titelt daraufhin die große deutsche Zeitung mit den vier Buchstaben. Die Italiener kontern, indem sie Schumacher als Roboter ohne Herz darstellen.

Zwei zweite Plätze von Schumacher auf dem Nürburgring und in Imola beruhigen die Gemüter auf beiden Seiten ein wenig. Aber nach einem Fahrfehler in Monaco droht die Stimmung schon wieder zu kippen.

Schumi wird zum Regenkönig von Barcelona

Dann geht es nach Barcelona. Regen. Sehr starker Regen sogar. Schumacher startet von Platz drei aus ins Rennen, aber Kupplungsprobleme werfen ihn um einige Ränge zurück. Doch dann kommt seine große Stunde als Regenkönig.

Während sich andere Spitzenfahrer wie Damon Hill, Gerhard Berger oder Teamkollege Eddie Irvine völlig überfordert von der Piste drehen, fährt Schumacher in einer eigenen Liga. Seine Rundenzeiten sind zeitweise um mehrere Sekunden schneller als die der Konkurrenz.

Am Ende bringt Schumacher einen Vorsprung von 45 Sekunden auf Jean Alesi ins Ziel, obwohl sich zwischenzeitlich zwei Zylinder verabschiedet haben und der Ferrari nur noch mit verminderter Kraft läuft.

Alles egal. Der erste Sieg von Schumacher im Ferrari ist perfekt, die Tifosi jubeln - zum ersten Mal. "Das ist unglaublich, es ist ein tolles Gefühl", sagt Schumacher. "Ich kann es mit Worten kaum beschreiben."

Schumacher: "Im Herbst stand alles vor dem Aus"

Kaum beschreiben kann man leider auch, was danach passiert. Endlich hat man bei den Tifosi die Hoffnung wieder geweckt, dass Ferrari mit Schumacher doch großen Erfolg haben kann - und dann das: In Kanada fliegt die Antriebswelle am F310 einfach so weg, in Silverstone streikt die Hydraulik, und zur Krönung schafft es Schumi in Frankreich nach einem Motorschaden in der Einführungsrunde nicht einmal in die Startaufstellung.

Die italienische Volksseele kocht. Teamchef Jean Todt wird für die unfassbare Pannenserie verantwortlich gemacht und soll geopfert werden. Doch da spielt Schumacher nicht mit. "Wenn er gehen muss, gehe ich auch", droht er.

Ferrari steht vor der Zerreißprobe, Schumacher unmittelbar vor einem großen Bruch in seiner Karriere. "Wenn ich überhaupt eine schwere Zeit mit Ferrari nennen kann, dann muss ich wohl diese Phase nennen", schreibt Schumacher in seiner Biographie. "Im Herbst stand alles vor dem Aus, und ich weiß nicht, was passiert wäre, hätten wir das Rennen in Spa nicht gewonnen."

Erlösende Siege in Spa und Monza

Schon wieder Spa, die Schicksalsstrecke von Schumacher. Ferrari hat das Auto schon einige Rennen zuvor aerodynamisch umgebaut. Der F310 trägt die Nase nun hoch und nicht mehr so flach wie im ersten Saisondrittel.

Und endlich hält auch einmal die Technik, die allzu oft wegen banaler Schäden den Geist aufgegeben hatte. Das geflügelte Wort vom "Pfennigartikel" machte die Runde.

Der Sieg in Spa ist Schumachers erster im Ferrari im Trockenen. Er hält sogar Jacques Villeneuve im starken Williams deutlich in Schach. Nur zwei Wochen nach dieser Erlösung gewinnt Schumacher auch noch das Ferrari-Heimspiel in Monza. "In Monza mit einem Ferrari zu gewinnen, das ist einfach das Größte", sagt Schumacher und verkündet gleichzeitig, dass seine Frau Corinna ihr erstes Kind erwartet.

Schumacher wird noch WM-Dritter

Von da an scheint der Bann gebrochen. Schumacher fährt auch bei den letzten beiden Rennen noch aufs Podium und beendet die so verkorkste erste Ferrari-Saison immerhin noch auf Rang drei hinter Weltmeister Hill und dessen Williams-Kollege Villeneuve.

Mit dem Kanadier wird Schumacher schon wenig später unangenehme Bekanntschaft machen. Alles dazu im nächsten Teil der Serie: 1997.

Teil 5: 1995 - Vom Intimfeind abgeschossen

Teil 4: 1994 - Ein Jahr Hölle mit Happy End

Teil 3: 1993 - Von Senna vorgeführt

Teil 2: 1992 - Beinahe-Schlägerei mit Senna

Teil 1: 1991 - Das Debüt-Jahr

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